Stendal l Wer als Erzeuger auf Direktvermarktung seiner Produkte setzt, der braucht einen langen Atem. Das ist die Erfahrung von André Stallbaum, Juniorchef im Familienunternehmen Stallbaum GbR an der Osterburger Straße. Der Betrieb produziert seit 20 Jahren sein Obst im Direktvertrieb über den eigenen „Scheunenladen“. Dort können Kunden je nach Saison Äpfel, Süß- und Sauerkirschen oder Spargel kaufen. Alles wird auf den Flächen rund um den Laden kultiviert, geerntet und auch vor Ort gelagert.

20 Jahre habe es aber auch gedauert, um den jetzigen Kundenstamm für den Hofladen aufzubauen, berichtet der 28-jährige Argrarwissenschaftler, der vor kurzem als „bester Junglandwirt Deutschlands“ ausgezeichnet wurde. „Die Leute kaufen ihre Äpfel bei uns, weil sie uns vertrauen“, erklärt der 28-Jährige. Gleich hinter dem Laden beginne die Apfelplantage, jeder Kunde könne sich von den Anbaumethoden überzeugen. Er produziert konventionell, das heißt er setzt auch Unkraut- und Insektenbekämpfungsmittel ein. „Unsere Produkte sind aber rückstandsfrei, das wird regelmäßig kontrolliert“, berichtet er. Jeder Kunde könne auf Nachfrage Einblick in die Prüfberichte bekommen, so Stallbaum. Damit will er Transparenz und Vertrauen schaffen.

Bio-Anbau in Zukunft möglich

Dass er irgendwann auf Bio-Anbau umsteigen wird, hält er nicht für ausgeschlossen. Denn der Einsatz von Pestiziden und Insektiziden ist für ihn teuer und umstritten, wie die EU-weite Debatte um das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat, das im Verdacht steht Krebs zu erregen, zeigt. Derzeit bezweifelt André Stallbaum allerdings noch, dass er für Bio-Produkte genug Abnehmer in der Region finden würde. Denn das Kilo Äpfel würde dann deutlich teurer werden und zwischen drei und vier Kilo kosten.

Gerade legt er eine neue Apfelplantage an und experimentiert mit Pflaumen. Doch die Masse ist nicht sein Ziel. „Ich will aber nicht mehr produzieren, als ich hier vor Ort absetzen kann“, erklärt er. Deshalb wolle er langsam wachsen und keine Supermärkte beliefern. „Wir bleiben lieber klein, damit jeder Kunde im Scheunenladen auch noch seine Beratung bekommen kann“, sagt er. Denn die Auswahl zwischen den 17 Apfelsorten fällt nicht leicht. Auch drei eigene sortenreine Apfelsäfte hat er im Angebot.

Frost sorgt für Ernteausfall

Obst ist jedoch ein riskantes Geschäft. Zwei Frostnächte im April brachten ihn dieses Jahr um 40 Prozent seiner Sauerkirschernte und 70 Prozent seiner Apfelernte. Die Süßkirschen fielen ganz aus. Kompensieren kann er die Umsatzausfälle durch seine Flächen mit klassischem Ackerbau, die flächenmäßig den größten Umfang ausmachen. Im Laden fängt er in solchen Situationen das geringere Angebot auf, in dem er von anderen regionalen Produzenten zukauft. Das kann auch mal aus benachbarten Bundesländern sein. „Die Qualität ist entscheidend“, sagt er.

Als studierter Agrarwissenschaftler weiß er, dass er mindestens alle zehn Jahre mit einem Totalausfall bei der Obsternte rechnen muss. Durch den Klimawandel rechnet er sogar noch mit häufigeren Ausfällen.

Im Laufe der Jahre ist die Zusammenarbeit mit anderen regionalen Produzenten gewachsen. So konnte er auch die Vielfalt im Hofladen erweitern. „Wir haben gelernt, dass wir nicht weniger verkaufen, nur weil ein anderer hier auch seine Produkte anbietet“, erklärt Stallbaum. „Jeder hat seine eigene Spezialisierung, da tun wir uns nicht weh“, sagt er. Im Scheunenladen gibt es unter anderem Wild aus Iden, Milch aus Gohre sowie Käse aus Bretsch.