Ummendorf l Das Pilotprojekt „Multiple Häuser für Sachsen-Anhalt“ ist hier Bestandteil eines offenen Konzeptes für gemeinschaftliches, altersgerechtes Wohnen und Leben im Dorf. Nach einjähriger intensiver Arbeit wurde die Konzeptentwicklung für das erste Multiple Haus in Sachsen-Anhalt nun abgeschlossen. Die Ergebnisse sind in Form einer Broschüre, gemeinsam mit dem Nutzungspaket am 26. November im Luthersaal in Ummendorf übergeben worden.

Reinhard Falke, Bürgermeister der Gemeinde Ummendorf, begründet die Notwendigkeit der Schaffung eines multiplen Hauses. „Auch unsere Gemeinde muss sich den Veränderungen des demografischen Wandels stellen. Die Überalterung der Bevölkerung und der Wegzug von jungen Menschen wirken sich negativ auf die Entwicklung des Dorfes aus. Einfache menschliche Bedürfnisse wie Einkaufen, Arztbesuche, gemeinschaftliche Treffpunkte, kulturelle Erlebnisse, die der Aufrechterhaltung von Lebensqualität dienen, können teilweise oder gar nicht mehr am eigenen Wohnort befriedigt werden.“ Der Mobilitätsverlust gerade in der älteren Bevölkerung führe gleichzeitig auch zum Verlust von Lebensqualität, so der Bürgermeister.

Die Installation eines multiplen Hauses in Ummendorf soll dem Prozess des Demographischen Wandels entgegenwirken. Als Beispiel sei hier angefügt, das der Patient nicht zum Arzt fährt, sondern der Arzt in den Ort kommt. So können viele Bereiche des täglichen Lebens positiv gestaltet werden. Die zentrale Lage des multiplen Hauses in der Ortsmitte und die Identifikation mit dem Gebäude (Pfarrhaus) tragen wesentlich zur Akzeptanz des Projektes bei. Die Erhaltung und Sanierung alter, denkmalgeschützter und Ortsbild prägender Bausubstanz sei ein durchaus gewollter positiver Nebeneffekt, weiß Falke. „Die Zusammenarbeit von evangelischer Kirchengemeinde als Eigentümer und der politischen Gemeinde als Nutzer sollen hier Beispiel für weitere Projekte dieser Art sein, um dem baulichen Leerstand wieder neues Leben zu geben. Durch die Mehrfachnutzung des Gebäudes der unterschiedlichen Dienstleister sowie vieler Freizeitangebote für Vereine und Privatpersonen soll die Lebensqualität im Ort erhöht werden“, erläutert er.

Herstellung der Barrierefreiheit des Gebäudes, der Einsatz neuer alternativer Energieformen und ein intelligentes Betriebssystem sind Antworten auf ökologische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Herausforderungen unserer Zeit. „Die Gemeinde Ummendorf hatte sich diesen Herausforderungen gestellt und das Projekt ,Konzeptentwicklung zur Sicherung der Daseinsvorsorge im ländlichen Raum‘, das Pilotprojekt für Sachsen Anhalt, Pfarrhaus m. H. in Ummendorf in Auftrag gegeben“, beschreibt Reinhard Falke die Vorgehensweise.

Architektin Jana Reichenbach-Behnisch von rb-architekten Leipzig übergab Konzeptunterlagen und Nutzungspaket. „Wir haben intensiv zwölf Monate unter Einbeziehung der Gemeinde, des Bauamtes der Verbandsgemeinde, der evangelischen Kirchengemeinde, der Vereine, Firmen, medizinischen Dienstleistern und Ärzten, öffentlichen Einrichtungen und Privatpersonen aus Ummendorf und Umgebung dieses Konzept erarbeitet.“

Unterstützung hatte die Gemeinde durch die Hochschule Magdeburg-Stendal. Julia Frank und Carolin Leue begleiteten als Studentinnen im Master-Studium das Projekt.

„Für die Umsetzung der baulichen Anforderungen haben wir das Projekt bei der lokalen Aktionsgruppe Leader eingereicht, um die notwendigen Fördermittel zu beantragen. Da das Land Sachsen-Anhalt großes Interesse an der Umsetzung des Projektes hat, sehen wir einer Förderung positiv entgegen“, lautet das Resümee des Bürgermeisters der Gemeinde Ummendorf. Er dankte Allen am Projekt Beteiligten, „sind es doch die Ehrenamtlichen, die hier zum Wohle des Dorfes und seiner Bevölkerung ihre Freizeit dafür zur Verfügung stellen“.

Alle weiterführenden Informationen können im Internet unter www.multiples-haus-ummendorf.de in Erfahrung gebracht werden.