Klein Wanzleben l Der Umzugswagen stoppt vor dem Eingang der Grundschule des Zuckerdorfes Klein Wanzleben im Mühlenplan. Die Laderampe klappt runter, starke Männer schleppen Möbel in die Schule. In der Küche neben der Aula ziehen Trockenbauer Wände hoch. Draußen ertönt mehrfach ein für die Ohren fast schmerzlicher Ton. Elektriker testen die Alarmanlage.

Eine Etage höher im H-förmigen Schulbau, der zu DDR-Zeiten vielerorts als Standard gebaut wurde, herrscht im Zimmer des Schulleiters fast Stille. Bis auf die Bohrgeräusche, die auch durch die gepolsterte Tür dringen. Im Zimmer grübeln Steffen Armgart, Leiter der Ganztags- und Gemeinschaftsschule Wanzleben, und seine neue Stellvertreterin, Michaela Pessel aus Magdeburg, über dem Stundenplan. „Wenn die Kollegen am Mittwoch zur Dienstberatung kommen, muss der Plan stehen, Und er wird stehen“, ist sich Armgart sicher. Das Lehrerzimmer indes ein paar Meter weiter steht noch voller Umzugskartons. Dort sollen sich die 30 Lehrer mit ihrer Leitung beraten. Aber auch dass wird schon, meint Armgart. Noch vor wenigen Wochen habe er nicht an den Erfolg der Mission Umzug geglaubt, zu viele sprichwörtliche Baustellen waren noch offen. Jetzt sei die Mission jedoch auf der Zielgraden und Armgart davon überzeugt, dass sie gelingen werde.

410 Schüler ziehen um

Genau 410 Mädchen und Jungen der Klassen fünf bis zehn werden dann am Donnerstag aus ihren Heimatorten im früheren Kreis Wanzleben mit Bussen oder von ihren Eltern nach Klein Wanzleben gefahren. Im engen Mühlenplan wird es wohl Staus geben. Für zwei Jahre wird das so gehen. Der Landkreis Börde als Träger lässt die Ganztags- und Gemeinschaftsschule Wanzleben energetisch sanieren. Deshalb müssen die Schüler ausziehen. Mit der Stadt Wanzleben-Börde wurde die Vereinbarung geschlossen, dass die Wanzleber Sekundarschüler die Grundschule Klein Wanzleben nutzen. Die Grundschüler des Zuckerdorfes finden derweil Unterschlupf in der Grundschule „Ernst Sonntag“ Seehausen. Ein Ringtausch mit Folgen für alle Betroffenen: Kinder, Eltern, Lehrer und Hort- erzieher. Als Gegenleistung für den Tausch bekommt die Stadt Wanzleben-Börde eine sanierte Grundschule in Klein Wanzleben. In den Sommerferien hat der Kreis aus seine Kosten die Grundschule des Zuckerdorfes saniert. Und saniert sie noch.

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„Gleich wird das Internet scharf geschaltet“, sagt ein IT-Techniker, der kurz seinen Kopf ins Zimmer von Schulleiter Steffen Armgart steckt. Wieder ein Mosaikstein auf dem Weg zum fast normalen Schulbetrieb. „Die Kinder wird es am wenigsten stören, hier in Klein Wanzleben zur Schule zu gehen“, weis Armgart aus Erfahrung und seiner Zeit als stellvertretender Schulleiter in Magdeburg als er eine ähnliche Situation bereits einmal durchlebte. Bei der Orientierung helfe, dass die Wanzleber Sekundarschule und die Klein Wanzleber Grundschule bau- gleiche Modelle aus DDR-Zeiten sind. Auch ein Grund, warum sich der Kreis für diese Schule als Ausweichquartier entschieden habe.

Fast alle Klassenräume eingeräumt

Mittlerweile sind fast alle 20 Klassenräume und die Fachkabinette, die die Sekundarschüler in ihrem Ausweichquartier benötigen, eingeräumt. Das Mobiliar hatten Umzugspacker von Wanzleben nach Klein Wanzleben gekarrt. Andere fleißige Hände haben es in den Räumen dort hin gestellt, wo es hingehört. Fehlt nur noch die Endreinigung, die den letzten Baustellendreck verschwinden lassen soll.

Auf das vielseitige Angebot an Arbeitsgemeinschaften müssen die Wanzleber Ganztags- und Gemeinschaftsschüler auch im Zuckerdorf nicht verzichten. „Alles läuft wie bisher“, versichert Armgart. Im Gegenteil, es kommen noch Angebote hinzu. So wie eine Arbeitsgemeinschaft der Bienenfreunde, die es bereits an der Grundschule gibt. Da die Bienenvölker nicht mit den Klein Wanzleber Grundschülern nach Seehausen umziehen können, werden sie nunmehr von den Sekundarschüler unter der Anleitung von Zuckerdorf-Imker Michael Schulze betreut. Auch sei eine neue Arbeitsgemeinschaft, die sich mit dem Bau von Longborads beschäftigt, geplant. Weiterhin schwebt Armgart die Gründung einer Laufgruppe ähnlich der „Minimarathonis“ im Sülzetal, die er in seiner Zeit dort als Lehrer gründete und leitete, vor. Der Schulleiter selbst ist Ausdauerläufer und steht im September vor dem Start zum Berlin Marathon. Es wird sein Zehnter in der Hauptstadt sein. Sein langer Atem bewährt sich nicht nur beim Sport.