Hohendodeleben l Mitte kommender Woche wird der Hohendodeleber Landwirt Phillip Krainbring seine Arbeitskluft gegen einen schicken Anzug tauschen. Dann tritt der 33-Jährige aus der Börde am Mittwoch, 16. Oktober, beim Endausscheid um den Titel „Landwirt des Jahres“ in Berlin an. Der 33-Jährige ist einer von 33 Finalisten, die sich für die höchste Auszeichnung in der deutschen Landwirtschaft bewerben. Er tritt in der Kategorie Ackerbau an. Der Wettbewerb wird von der Landwirtschaftszeitung „agrarheute“ veranstaltet. Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert. Aus den Siegern der elf Kategorien wird der „Landwirt des Jahres“ gekürt.

„Die Spannung steigt von Tag zu Tag“, sagt Krainbring. Zusammen mit seiner Ehefrau Julia wird er die Gala im früheren Berliner Kino „Kosmos“ besuchen. Krainbring freut sich bereits auf einen schönen Abend mit vielen Berufskollegen und angeregten Gesprächen. Neben der Freude über die Teilnahme am Finale habe Krainbring natürlich die Erwartung, einen vorderen Platz zu belegen. Schließlich hat sein Vater Stefan Kainbring 2015 in der Kategorie Ackerbau den Titel gewonnen. Der 58-Jährige bewirtschaftet seinen Betrieb in Schleswig Holstein in der Ostholsteiner Schweiz.

Dort im Norden hat Phillip Krainbring auch seine spätere Frau Julia kennen und lieben gelernt. Sie stammt eigentlich aus Bayern. Jetzt wohnen beide mitten in der Börde und sind glücklich. Glücklich auch deshalb, weil Julia Krainbring (29) guter Hoffnung ist und beide in der Weihnachtszeit ihr erstes Kind erwarten. „Vielleicht wird es ja ein Christkind“, lässt Krainbring seine Gedanken bereits jetzt Anfang Oktober in den Winter schweifen. Julia Krainbring ist der Öffentlichkeit aus der Fernsehsendung „Das große Backen“ bekannt.

Über Landwirtschaft aufklären

Phillip Krainbring hat sich als Diplom-Agraringenieur zum Ziel gesetzt, mit den Leuten in einen Dialog zu treten, die wenig über Landwirtschaft wissen und deshalb womöglich Bedenken gegenüber den Bauern und ihren Anbaumethoden auf dem Acker haben. Deshalb hat er im Internet mit gleichgesinnten Partnern einen Blog ins Leben gerufen, in dem er sich als „Erklärbauer“ betätigt. Auch betreibt Krainbring auf facebook und instagram zwei Social Media Kanäle, um Themen aus der Landwirtschaft aus seiner Sicht darzustellen und um den Verbrauchern mögliche Vorurteile zu nehmen.

„Meinen Kanälen folgen Menschen aus ganz unterschiedlichen Berufsgruppen wie Landwirte, Gärtner, Pfleger, Handwerker, Lehrer, Erzieher und Politiker. Aus ihren Reaktionen habe ich erfahren, dass sie sehr dankbar sind, wenn ich ihnen Vorgänge in der Landwirtschaft verständlich erkläre“, berichtet der Hohendodeleber Landwirt. Ein Beispiel sei die Frage, warum Landwirte nachts mit ihren hell erleuchteten Maschinen Runden auf den Äckern drehen. „Nachts sind die Bedingungen beim Spritzen von Pflanzenschutzmittel wegen der oftmals herrschenden Windstille am besten“, hat Krainbring die simple Antwort auf diese Frage parat. Genug zu erzählen hat er. Krainbring managt seit 2016 etwa 440 Hektar Marktfrüchte. Als Verwalter des Agrarbetriebes Simke lockert er auf den Äckern rund um Hohendodeleben die Fruchtfolge auf, sorgt für optimale Sortenwahl, wählt die richtigen Aufwandmengen und nutzt moderne Biopharmazeutika.

In der heimatlichen Börde-Region ist Krainbring fest verankert. Er ist unter anderem eine Patenschaft mit der Grundschule „Friedrich von Matthisson“ Hohendodeleben eingegangen und unterstützt sie zusammen mit dem Magdeburger Imker Yves Krone beim Naturschutzprojekt „Biene, Hummel und Co“. Kinder, Erwachsene und Förderverein haben einen Blühstreifen für Insekten angelegt.

Landwirt will Einsatz von Stickstoff senken

Zudem verwendet der Bauer das Beste aus konventionellem und biologischem Anbau. Bei Getreide und Mais setzt er auf elektronenbehandeltes Saatgut und Präparate mit Mikroorganismen. So verzichtet er immer öfter auf chemische Mittel und mineralische Dünger. „Mein Ziel ist es, 30 bis 50 Prozent weniger Stickstoff, nur noch die Hälfte an Fungiziden und Insektiziden sowie null Wachstumsregler einzusetzen“, erklärt Krainbring.

„Über 240 Bewerbungen sind dieses Jahr für den CeresAward eingegangen – neuer Rekord“, sagt Dr. Uwe Steffin, Chefredakteur von „agrarheute“. „Immer mehr Landwirte suchen den Dialog mit den Verbrauchern und nutzen den Preis, um ihre Arbeit zu erklären. Neueste Studien zeigen, dass Landwirte und Verbraucher in kritischen Themen gar nicht weit auseinanderliegen. Diese Missverständnisse sollten ausgeräumt und der Gesprächsfaden wieder aufgenommen werden“, sagt Steffin weiter.