Wanzleben l Die Zukunft der Stadt- und Kreisbibliothek Wanzleben ist digital. Geht es nach den Vorstellung des Betreibers, der Stadt Wanzleben-Börde und des Fördervereins der Bibliothek, wird der bisher herkömmliche Büchertempel am Raßbachplatz 1 radikal umgebaut. Dafür benötigt die Stadt viel Geld und will zunächst bei der Kulturstiftung des Bundes Fördermittel aus dem Programm „Hochdrei – Stadtbi- bliotheken verändern“ beantragen. Im Höchstfall könnte die Stiftung 50.000 Euro auf das Konto der Stadt überwiesen.

Um das Projekt in die Realität umsetzen zu können, hat Ernst Isensee vom Förderverein der Stadt- und Kreisbibliothek Wanzleben eine Partnerschaft mit der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig und der Sachsen-Anhaltinischen Landesentwicklungsgesellschaft Magdeburg (Saleg) geschmiedet. Studenten der Hochschule nahmen bei einem Besuch die Örtlichkeiten der Wanzleber Bibliothek genau unter die Lupe und entwickelten Konzepte für ihre Nutzung in der Zukunft.

"Maker-Thek" geplant

Dabei heraus gekommen sind mehrere Varianten, die im Kern die Schaffung einer Maker-Thek Börde in der Stadt- und Kreisbibliothek Wanzleben zu Inhalt haben. Dahinter verbirgt sich eine Sammlung moderner und herkömmlicher Werkzeuge, die Menschen ausleihen können, um damit selbst Gegenstände zu erschaffen. Maker ist Englisch und steht für „Schöpfer“ oder „Hersteller“. Thek bedeutet „Ort der Aufbewahrung“ oder „Sammlung“.

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„Es ist eine offene Werkstatt mit dem Ziel, Menschen den Zugang zu Produktionsmitteln und modernen industriellen Produktionsverfahren zu ermöglichen“, verdeutlichte Isensee. Typische Geräte in der Werkstatt sind 3D-Drucker, Laser-Cutter, aber auch klassische Werkzeuge wie Hammer und Lötkolben. Die Werkstatt soll Platz in der Bibliothek oder im Haus drei der Stadtverwaltung, einer Baracke aus DDR-Zeiten,in der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Straße, finden.

Umbauten an beiden Standorten nötig

An beiden möglichen Standorten der Werkstatt sind Umbauten nötig. Prof. Ingo Andreas Wolf von der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig stellte jetzt bei einer Präsentation die Ideen seiner Studenten zum Umbau der Stadt- und Kreisbibliothek Wanzleben vor. Die neun Vorschläge der 20 Architekturstudenten reichen von radikalen Umbauten mit dem Einbau eines Fahrstuhls und eines Gewächshauses bis hin zu weniger aufwändigen Varianten mit neuer Farbgebung und neuer Raumaufteilung. Sie alle haben das Ziel, in der Bibliothek Platz für die Werkstatt zu schaffen. Möglich ist auch das Aufstellen eines Containers. „Es hat Spaß gemacht, über die Bibliothek Wanzleben nachzudenken“, sagte Wolf auch im Namen seiner Studenten.

„Das Maker-Thek soll eine Erweiterung unserer Stadt- und Kreisbibliothek Wanzleben werden. Dadurch sollen neue Bevölkerungsgruppen für die Bibliothek begeistert und das kulturelle und Bildungsleben der Stadt nachhaltig bereichert werden“, sagte Isensee. Das Angebot richte sich an alle Schulformen, Stiftungen, Vereine, Privatpersonen, Auszubildende, Studenten und Migranten. Ebenso an Unternehmen und Handwerksbetriebe, die darin ihre Auszubildenden in digitalen Produktionsmethoden schulen lassen wollen.

Antrag bei Kulturstiftung

Die Maker-Thek Börde solle nach den Vorstellungen der Initiatoren nicht nur Einwohnern der Stadt Wanzleben-Börde, sondern allen Bewohnern des Landkreises Börde offen stehen. Es sei nach den Worten von Isensee auch ein mobiler Ableger möglicherweise in Form eines umgebauten Wohnmobils vorgesehen, der mit Geräten ausgerüstet werde und an jeden Ort des Kreises fahre, an dem die Angebote der Werkstatt genutzt werden könnten.

„Wenn der Antrag bei der Kulturstiftung des Bundes erfolgreich ist, wird die Einrichtung, die Erstausstattung und der Betrieb aus Fördermitteln über zwei Jahre finanziert“, sagte Isensee. Danach müsse sich das Maker-Thek Börde selbst tragen. Da die Stadt Wanzleben-Börde und die Bibliothek nicht allein in der Lage seien, dieses langfristig personell und finanziell zu betreiben, würden alle Partner und Nutzer ein Konzept für die Zeit nach der Förderung entwickeln. Der Zeitraum der möglichen Umsetzung erstrecke sich von 2020 über zwei Jahre. Der Förderantrag solle im August gestellt werden. „Die Umsetzung hängt im Wesentlichen am Geld“, sagte Isensee.

Die in der Stadt- und Kreisbibliothek Wanzleben nötigen Umbauten sollen über andere Töpfe gefördert werden. Dazu wolle die Stadt Wanzleben-Börde nach den Worten von Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos) das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr mit ins Boot holen, um die Möglichkeiten einer Förderung auszuloten.