Blumenberger Bahnhof

Ehemaliger Splitterschutzbunker wird zur Erinnerungsstele im Ort

Bei Abrissarbeiten auf dem Gelände des Bahnhofs im Blumenberg ist ein Splitterschutzbunker aus dem zweiten Weltkrieg entdeckt worden. Er steht jetzt auf dem Dorfplatz und soll künftig als Erinnerungsstele an die Wiederbesiedlung des Ortes im Jahr 1936 dienen.

Von Christian Besecke
Der Abriss des Blumenberger Bahnhofs geht voran. Derzeit wreden die alten Bahnsteige zurückgebaut. Sie, wie auch das Stellwerk werden von einer Firma nach und nach entfert. Beim Abriss des Bahnsteigs 1 wurde der Splitterbunker gefunden..
Der Abriss des Blumenberger Bahnhofs geht voran. Derzeit wreden die alten Bahnsteige zurückgebaut. Sie, wie auch das Stellwerk werden von einer Firma nach und nach entfert. Beim Abriss des Bahnsteigs 1 wurde der Splitterbunker gefunden.. Fotos (2): Hagen Uhlenhaut

Blumenberg - Vor etwa vier Wochen ist ein Baggerfahrer des mit dem Abriss auf dem Bahnhofsgeländes betrauten Unternehmens aus Dresden auf das Fundstück gestoßen. Udo Hüttenrauch und Eckhard Bormann aus Blumenberg, beide Vereinsmitglieder des örtlichen Kultur- und Karnevalvereins, haben sich den Splitterschutzbunker sofort angeschaut und sie haben die Verhandlungen übernommen, die dazu führten, dass der Betonbau im Dorf verbleiben kann.

„Die Baufirma muss das Gelände ja komplett von dem anfallenden Schutt beräumen“, sagt Udo Hüttenrauch im Gespräch mit der Volksstimme. „Unser Anliegen ist daher nicht auf taube Ohren gestoßen, und wir sind sehr dankbar, dass der Splitterschutz dem Verein zur Verwendung überlassen wurde.“

Der Betonkoloss, der immerhin drei Meter hoch ist, steht nun mittlerweile auf dem Dorfplatz von Blumenberg und bekommt hier auch einen Verwendungszweck.

„Wir finden, dass er eine gute Erinnerungsstele abgeben wird, die an die Neubesiedlung des Ortes im Jahr 1936 erinnert. Das ist 2021 genau 85 Jahre her“, sagt Hüttenrauch. Das gute Stück ist außerdem in einem vergleichsweise gutem Zustand.

Betonkoloss wird liegend aufgefunden

„Nach Kriegsende sind diese Splitterschutze auf Veranlassung der Alliierten gesprengt oder entfernt worden“, berichtet Udo Hüttenrauch, der sich mit dem Thema befasst hat. „Daher gibt es heutzutage nur noch ganz wenige gut erhaltene Exemplare davon.“ In Blumenberg ist der Bunker wohl nur umgekippt worden, denn in der Position wurde er letztendlich auch aufgefunden.

Der vorliegende Fund war für vier Personen zugelassen, das verrät ein Typschild, welches sich im Inneren der enormen Betonröhre befindet. Hergestellt wurde der Bau im Jahr 1944 von einer Beton-Firma Westermann aus einem Ortsteil von Salzgitter. Aufgestellt wurde der Bunker wohl noch im Herstellungsjahr. Wahrscheinlich hat er sogar eine Bewährungsprobe hinter sich, denn auf den Blumenberger Bahnhof gab es einen Tieffliegerangriff.

„Vornehmlich wurden solche Splitterschutze da aufgestellt, wo es den Bahnmitarbeitern sonst nicht möglich war, schnell irgendeine Deckung aufzusuchen“, erklärt Udo Hüttenrauch. Er kann sich auch nicht vorstellen, dass wirklich einmal vier Personen darin Schutz gesucht haben.

„Für unsere heutigen Verhältnisse sind die Maße doch recht eng“, sagt er. Der Zugang wiest etwa 70 Zentimeter auf, der Notausgang kommt auf knapp 50 Zentimeter. Die Schlitze im Kopfbereich waren wohl lediglich zur Beobachtung gut. Solche Bauten hat der Blumenberger zudem schon einmal in Wunstorf gesehen. Dort gab es sehr viele solcher Bunker, meist für zwei Personen ausgelegt.

Jedenfalls ist das gute Stück jetzt an Rande des Blumenberger Dorfplatzes zu bewundern, gleich vor dem Bahnübergang. Zwei Betonplatten sorgen für die notwendige Standfestigkeit.

Standort mit Behörden abgesprochen

Abgesprochen ist das übrigens auch mit den Behörden der Stadt Wanzleben. Unter Denkmalschutz steht der Betonklotz auch nicht. Besucher, die vielleicht ein Selfie mit dem Splitterschutzbunker machen wollen, sind gern gesehen. In der Zukunft könnten sie dabei auch noch ein Hinweisschild vorfinden. Das soll möglichst noch erstellt werden, kostet aber auch Geld.

„Verfehlen kann man den Betonkoloss auf dem Platz schon jetzt nicht“, schätzt Udo Hüttenrauch augenzwinkernd ein. Wann der Gedanke mit der Tafel umgesetzt werden kann, weiß er noch nicht. „Wir müssen ohnehin als Verein sehen, wann wir wieder etwas auf die Beine stellen können, wann es die Corona-Vorgaben zulassen“, fügt er hinzu.

Zwei Jahre gab es nun schon keinen Karneval und ob es 2022 etwas wird, steht derzeit noch in den Sternen. „Wir möchten natürlich schon gern“, sagt Hüttenrauch.