Wanzleben l In den Brennern des Wanzleber Heizkraftwerkes in der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Straße wird keine Kohle mehr verbrannt, die Wasser für die Fernwärmeversorgung erhitzt. Gas befeuert nunmehr die Anlage. Der Betreiber, die Danpower GmbH mit Sitz in Potsdam, hat die Energieversorgung umgestellt. Der deutschlandweit agierende Energieversorger hat 2014 das Heizkraftwerk in der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Straße aus der Insolvenzmasse der Stadtwerke übernommen, betreibt es seit dem und sorgt für die Versorgung von weiten Teilen der Stadt mit Fernwärme über ein etwa elf Kilometer langes Leitungsnetz. Ebenso gehört eine Biogasanlage in Wanzleben dazu, die von regionalen Landwirten mit Silage und Gülle versorgt wird.

Regelmäßige Treffen

„Damit wird die umweltfreundliche Versorgung unserer Stadt mit Energie weiter ausgebaut“, freut sich Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge (parteilos). In regelmäßigen Abständen trifft er sich mit Vertretern der Energieversorgung im Rathaus, um über die weitere Richtung der Entwicklung der Energierversorgung in der Sarrestadt zu beraten. Ziel der Stadt sei es, noch mehr Häuser an das Fernwärmenetz anzuschließen, um alte Heizungsanlagen außer Betrieb nehmen zu können. Ebenso könne bei den Bauarbeiten für die neuen Fernwärmeleitungen die Gelegenheit gleich genutzt werden, um Glasfaserkabel für das Breitbandnetz mit in die Erde zu bringen.

Belastung der Luft sinkt

Beim jüngsten Termin konnte Sebastian Hentschel, Leiter des Vertriebes Ost bei Danpower, Kluge im Wanzleber Rathaus berichten, dass durch das veränderte Heizmedium die Belastung mit Kohlenstoffdioxid (CO2) in der Stadt Wanzleben deutlich gesunken sei. Seinen Worten nach von 350 Gramm CO2 pro erzeugter Kilowattstunde auf 200 Gramm pro Kilowattstunde. Das sei jedoch nur ein erster Schritt. In einem weiteren Vorhaben werde der Energieversorger am Wanzleber Standort eine Kraftwärmekopplungsanlage mit einer Leistungen vom einem Megawatt in Betrieb nehmen. Diese Anlage senke die CO2-Belastung nochmals auf 120 bis 100 Gramm je Kilowattstunde. „Und all diese Investitionen ohne eine Preiserhöhung für die Kunden“, gibt Hentschel zu verstehen. Wobei sich das Unternehmen noch mit der Entscheidung zurückhalte, in Wanzleben ein neues Blockheizkraftwerk zu bauen. Das komme darauf an, wie sich die Klimaschutzgesetze der Bundesregierung weiter entwickeln.

Immer mehr Bedarf an Fernwärme

Die Auswirkungen der Energiewende spürte Danpower in Wanzleben bereits jetzt. Häuslebauer, die in der Sarrestadt an den Start gehen, oder Hauseigentümer, die sich dafür entscheiden würden, ihre alte Ölheizung zu erneuern, würden sich immer öfter für Fernwärme entscheiden. Größter Abnehmer ist die Wohnungsgenossenschaft Wanzleben, die bis 2025 einen Vertrag mit Danpower über die Versorgung ihrer Häuser mit Fernwärme hat. Auch die Stadt Wanzleben ist Kunde und lässt unter anderem im Sommer das Spaßbad von Danpower heizen. Zurzeit verfüge das Unternehmen in Wanzleben über 76 Kunden mit 130 Abnahmestellen. Das entspricht etwa 1000 Haushalten, die mit Heizungswärme und Warmwasser versorgt werden. Dazu gehören Abnehmer in den großen Wohnblocks in der Goethe-Siedlung sowie die halbe Innenstadt. Auch die städtische Wohnungsbaugesellschaft Wanzleben lässt immer mehr sanierte Häuser an das Fernwärmenetz anschließen. So unter anderem das komplett instand gesetzte Eckhaus in der Schulpromenade.

City Cube geplant

Danpower will in Wanzleben noch einen Schritt weiter gehen. In Zusammenarbeit mit der Stadt ist in naher Zukunft die Errichtung eines so genannten City Cubes geplant. Dahinter verbirgt sich ein kleines Blockheizkraftwerk, das mitten in der Stadt dezentral Abnehmer mit Strom und Wärme versorgt. Auch liefert das Minikraftwerk Strom, um gleichzeitig die Batterien von vier Elektroautos laden zu können. Stadt und Energierversorger seien gerade auf der Suche nach einem geeigneten Standort, sagte Wanzlebens Bauamtsleiter Olaf Küpper.

Elektroautos rentieren sich nicht

„Am besten dort, wo viele Menschen wohnen und es bereits genügend Parkplätze gibt“, nennt Küpper Kriterien für die Standortauswahl. Die Finanzierung des Projektes übernehme das Versorgungsunternehmen, der Stadt entstünden keine Kosten. Die Stadt selbst plane aus wirtschaftlichen Gründen zurzeit nicht die Anschaffung von Elektroautos. „Dafür sind sie einfach noch zu teuer“, sagte Kluge. Bei nur zwei Dienst-Pkw lohne sich der Kauf nicht. Zudem würden die meisten Fahrzeuge der Stadt Multicars im Einsatz des Bauhofes sein, die nicht mit Strom fahren würden.

Ebenso sei die Stadt dabei, für die alte Ölheizung in der Feierhalle auf dem städtischen Friedhof eine Alternative zu finden. Die alte Anlage müsse bald außer Betrieb genommen werden, kündigt Küpper an.