Klein Wanzleben l Nach dem verheerenden Brand in einer Schweinezuchtanlage in Klein Wanzleben beginnen am Dienstag Brandursachenermitter der Polizei mit der Suche nach dem Warum. Bislang konnten sie die zerstörten Ställe wegen Hitze und Einsturzgefahr nicht betreten. Noch ist völlig offen, warum am Sonntag in einer großen Stallanlage eines Schweinezuchtbetriebes am Ortsrand von Klein Wanzleben ein Feuer ausgebrochen ist. Bei dem Brand waren etwa 2000 Ferkel getötet worden. Die Polizei schätzte den Schaden auf etwa 350.000 Euro. Drei Feuerwehrleute wurden beim Löscheinsatz leicht verletzt.

Die Feuerwehr wurde am Sonntagmittag wegen einer starken Rauchentwicklung über der Schweinemastanlage alarmiert. Die dicke schwarze Rauchsäule war bis zu 20 Kilometer weit zu sehen. 45.000 Schweine waren laut Polizeiangaben in Gefahr. Die Anlage fasst bis zu 75.000 Tiere, hieß es.

Teile des Daches eingestürzt

Schnell war dem Wanzleber Stadtwehrleiter Burkhard Wegner nach einer ersten Lageeinschätzung klar, dass die Personalstärke der zunächst alarmierten Feuerwehren aus Klein Wanzleben, Remkersleben und Wanzleben nicht ausreicht. Weitere Einsatzkräfte  wurden alarmiert. Zunächst waren 140 Einsatzkräfte von zehn Feuerwehren der Einheitsgemeinde, Rettungsdienst und Polizei vor Ort. „Wir haben aber bewusst erstmal nicht alle Feuerwehren der Stadt alarmiert, damit wir immer noch Reserven haben“, erklärte Burkhard Wegner am Einsatzort, wohl wissend, dass sich der Löscheinsatz noch über mehrere Stunden hinziehen könnte.

Die Einsatzlage gestaltete sich schwierig, nicht nur weil die vier vom Brand betroffenen Ställe genau in der Mitte der nach Feuerwehrangaben etwa 250 mal 250 Meter großen Anlage ausgebrochen war. Die Bauweise stellte die Feuerwehrleute vor eine große Herausforderung. Teile des Daches waren bereits eingestürzt und hatten etwa 2000 Schweine unter sich begraben. Die Löscharbeiten wurden in zwei Einsatzabschnitten einerseits von innen, andererseits von außen vorgenommen. Zudem stellte sich die Löschwassersituation auf dem Gelände als schwierig dar. Löschwasser musste deshalb auch über eine etwa ein Kilometer lange Schlauchleitung aus dem Dorf zur Einsatzstelle befördert werden. Weiträumig war die Einsatzstelle abgesperrt. Einige Kraftfahrer störte das, sie machten ihren Unmut durch Beleidigungen der Einsatzkräfte deutlich.

Zur Unterstützung wurde die Berufsfeuerwehr Magdeburg mit einem Abrollbehälter, der zehn Kubikmeter Löschwasser fasst, bestellt. Weil auch der Materialverbrauch an Schläuchen und Atemschutztechnik enorm war, kam weitere Hilfe von den Feuerwehren aus Irxleben (Hohe Börde) und Eilsleben/Ummendorf (Obere Aller), die Ausrüstung bereitstellen konnten. Helfer des Technischen Hilfswerks (THW) Oschersleben bauten am Sonntagabend Laufstege auf das Dach der Stallungen, damit die Feuerwehrkräfte sicher näher an die Brandstelle herankommen konnten, um die restlichen Glutnester ablöschen zu können.

Mitarbeiter retten Hunderte Ferkel

Unter Aufsicht von Feuerwehrleuten brachten Mitarbeiter des Unternehmens noch während der Löscharbeiten mehrere Hundert Ferkel von an den Brandort angrenzenden Ställen in Sicherheit. Auch Mitarbeiter des Veterinäramtes des Kreises waren vor Ort. Insgesamt besteht die Anlage aus neun aneinander grenzenden Stallgebäuden.

Erst am Montagmorgen gegen 10 Uhr fasste die Einsatzleitung den Entschluss, alle Kräfte abzuziehen. Mittlerweile waren während des knapp 23-stündigen Einsatzes alle Feuerwehren der Stadt Wanzleben-Börde mit etwa 160 Einsatzkräften vor Ort gewesen.

Ödlandbrand kam noch dazu

Einen weiteren Einsatz sicherten zwischendurch die Kameraden aus Klein Germersleben und Hohendodeleben am Sonntagnachmittag ab. Dafür verließen sie den Brandort in Klein Wanzleben. In Bottmersdorf brannte Ödland in einer Kleingartenanlage. Für die Feuerwehr aus Wanzleben war der Brand in Klein Wanzleben bereits der zweite Einsatz am Sonntag, vorher mussten sie schon wegen eines brennenden Baumstumpfes ausrücken.

„Der Anblick der vielen getöteten Tiere unter herab gestürzten Decken war erschreckend“, sagte Wanzlebens Bürgermeister Thomas Kluge, der am Sonntag den Brandort im Zuckerdorf aufsuchte. Er dankte den Angehörigen der Wanzleber Feuerwehren und den Mitarbeitern der Mastanlage für ihren Einsatz, durch den viele Tausend Tiere vor dem Flammentod gerettet werden konnten. „Für alle Beteiligten war es ein sehr gefährlicher Einsatz“, schätzte Kluge ein. Er lobte die gute Zusammenarbeit des Oschersleber THW mit den Wanzleber Feuerwehren und machte zum wiederholten Mal den hohen Stellenwert des Ehrenamtes für die Stadt deutlich.