Wanzleben l Die Felder in der Börde sind längst abgeerntet. Bäume und Sträucher haben ihre Blätter und Samenstände abgeworfen und stehen nahezu nackt in der Landschaft. Der Frost hat die Natur an manchen Tagen fest im Griff. Unter diesen Umständen haben es Vögel schwer, in der Winterlandschaft genügend Nahrung zu finden. Deshalb regt der Wanzleber Vogelexperte Horst Domke an, den gefiederten Freunden in den Städten und Dörfern zusätzliche Nahrungsangebote zu machen.

Karge Natur im Winter

„Es macht durchaus Sinn, im Winter die Vögel zu füttern“, sagt Horst Domke von Nabu-Regionalverband Börde-Wanzleben. Die Vögel haben es gerade im Winter schwer, bei der kargen Natur genügend Nahrung zu finden. Abgeerntete Felder und eine Natur, die sich in der Winterstarre befinde, würden es ihnen schwer machen, genügend Futter zu finden. In der offenen Landschaft zwischen den Feldern fehlende Gehölzschutzstreifen würden es ihnen zusätzlich erschweren, Nahrung zu finden. Deshalb rate Domke dazu, die Vögel zusätzlich von Menschenhand zu füttern. Wobei ein gehöriges Maß an Vorsicht und Zurückhaltung der Tierfreunde gefordert sei, damit die fliegenden Federfreunde auch an den Futterplätzen landen, um sich das Angebot schmecken zu lassen.

Zwei Futterstellen eingerichtet

Horst Domke selbst geht mit gutem Beispiel voran. Seit vielen Jahren hat der 83-Jährige auf dem Balkon seines Wanzleber Wohnhauses im Hohlweg und auf einem Platz auf dem Hof im Winter Futterstellen eingerichtet. Der erfahrene Hobbyornithologe rät den Leuten dazu, möglichst offene Futterhäuschen zum Einsatz zu bringen. Die können an geschützten Stellen oder auf dem Balkon leicht aufgestellt werden. Die offene Bauart ermögliche es den scheuen Vögeln, die Häuschen ohne Probleme von allen Seiten anzufliegen. Das Futter solle möglichst auf dem Boden des Häuschens gestreut werden, so dass es die Vögel leicht aufpicken könnten. Dabei solle peinlich auf Sauberkeit im Futterhäuschen geachtet und es regelmäßig vom Kot befreit werden, rät der Experte. „Damit die Vögel sich über ihren Kot nicht mit Krankheiten anstecken“, begründet Domke das Sauberhalten der Futterhäuschen.

Streufutter oder Selbstgemacht

Als Nahrung für die Vögel im Winter rät Horst Domke zu Streufutter so wie es im Handel zu kaufen ist. Diese Futtermischung enthalte alle Nährstoffe, die die Vögel benötigen würden. Er selbst bevorzuge für seine gefiederten Freunde eine Mischung aus gequetschten Haferflocken, Sonnenblumenkernen und Erdnussbrocken. Diese Mischung setze er selbst an und biete sie den Tieren zum Fressen. Damit habe er großen Erfolg. Amseln, Rotkehlchen, Ringeltauben, Eichelhäher sowie Elstern, Sperlinge, Kohl- und Blaumeisen seien oftmals Gäste an seinen Futterplätzen im Wanzleber Hohlweg. Auch könnten Futtersäulen zum Einsatz kommen, die von den Vögel angeflogen würden. Dabei rate Domke dazu, die Futterstelle so anzulegen, dass sie von Katzen nicht erreicht werden könnten.

Knallerei verschreckt die Tiere

Problematisch sieht Horst Domke das Feuerwerk zu Silvester an. Viele Vögel seien durch die Knallerei derart verschreckt worden, so dass sie sich zunächst wieder beruhigen müssten, um an die ihnen bekannten Futterstellen zurückzukehren. Der Vogelexperte plädiert dafür, auf das Feuerwerk in Städten zu verzichten, um die Tiere zu schützen.

Den Stimmen auf der Spur

Auch sonst ist Horst Domke für den Nabu-Regionalverband Börde-Wanzleben in der Region und im Auftrag des Tierwohls unterwegs. Regelmäßig zeichnet er unter anderem Hausbesitzer aus, die Schwalben in ihren Gebäuden die Chance bieten, ungestört Nester zu bauen und ihren Nachwuchs aufzuziehen. Einige der Auszeichnungen „Schwalbenfreundliches Haus“ konnte er in der Region bereits übergeben. Bedrohte Arten wie Rauchschwalbe und Mehlschwalbe haben so eine Überlebenschance.

Größte Vogelzählung

Auch lädt Horst Domke im Namen des Nabu-Regionalverband Börde-Wanzleben Jahr für Jahr zu einer Vogelstimmenführung in den Wanzleber Volkspark ein. Dabei begleitet der Senior Naturfreunde bei einer Wanderung durch die „grüne Lunge“ der Sarrestadt und erklärt ihnen, welchen Vogel sie gerade singen hören. Nebenbei werden die Vögel gezählt und ihre Arten bestimmt. Alle Daten werden fein säuberlich zu Protokoll genommen und später zentral vom Naturschutzbund Deutschland ausgewertet. Die nächste Vogelstimmenführung und -erfassung findet am Sonnabend, 11. Januar, um 9 Uhr im Volkspark Wanzleben statt. Treffpunkt der Vogelfreunde mit Horst Domke ist gegenüber des Eingangs zum Park am DRK-Kreisverband in der Lindenpromenade. Die Exkursion findet anlässlich der Nabu-Aktion „Stunde der Wintervögel“ statt, die in diesem Jahr zum zehnten Mal durchgeführt wird. Die gemeinsame Aktion solle zu einem Erlebnis der ganz besonderen Art für die naturinteressierten Teilnehmer werden, verspricht der Nabu.

Stunde der Wintervögel

Die Aktion „Stunde der Wintervögel“ ist die größte Vogelzählung Deutschlands. Vom 10. bis 12. Januar rufen die Naturschützer auf, eine Stunde lang die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und dem Naturschutzbund zu melden. Im Mittelpunkt der Aktion stehen vertraute und oft weit verbreitete Vogelarten des Siedlungsraums wie zum Beispiel Meisen, Finken, Rotkehlchen und Spatzen.

 

Mehr Informationen zur Aktion und zur Zählung im Internet unter www.stundederwintervoegel.de