Wanzleben l Es scheint als hätten die Saatkrähen nur darauf gewartet, dass die Stadt Wanzleben für diese Saison ihre Schallkanone eingemottet hat. Hoch in den Wipfeln der bis zu 30 Meter hohen Linden bauen die schwarzen Vögel ihre Nester. Ungestört, denn jetzt während der Brutzeit der Vögel darf die Stadt ihr Knallschussgerät nach einer Anordnung der Oberen Naturschutzbehörde nicht mehr einsetzen. Die Ruhe hat die Saatkrähen auf den Friedhof zurückkehren lassen. Sie haben in den Baumkronen mehr als 100 Nester gebaut.

Verschmutzte Gräber, lautes Gekrächze

Anfang März hatte die Stadt Wanzleben damit begonnen, mit ihrer Schallkanone die Krähen aus den hohen Bäumen auf dem städtischen Friedhof zu vertreiben. „Wir hatten massive Beschwerden wegen des Kotes der Krähen, die die Gräber beschmutzen“, sagte zu diesem Zeitpunkt Carolin Axmann, in der Wanzleber Stadtverwaltung die verantwortliche Mitarbeiterin für die 16 Friedhöfe in der Einheitsgemeinde. Auch wegen des starken Lärms, den die Vögel durch ihr Gekrächze verursachten, habe es Beschwerden gegeben. Wanzleber, die in der Nähe des Friedhofs wohnen, hätten die Fenster ihrer Häuser und Wohnungen nicht mehr offen lassen können, weil es so laut gewesen sei. Die Stadt sah sich wegen der massiven Beschwerden zum Handeln gezwungen und suchte nach einer Methode, die im Einklang mit dem Naturschutz und unter Auflagen der zuständigen Behörde das Vertreiben der Krähen gestattete. Und fand die Lösung in einem Knallschussgerät, das die Stadt zu einem Preis von 450 Euro kaufte.

Seit dem 6. März hallten regelmäßig Schallschüsse aus dem Gerät über den Friedhof und vertrieb die Krähen. Gleichzeitig schnitten Mitarbeiter einer Spezialfirma die Nester aus den bis zu 30 Meter hohen Baumkronen.

Krähen nur kurz vertrieben

„Es hat nichts gebracht außer der Erkenntnis, dass das Knallen beim Vertreiben der Krähen funktioniert“, musste Olaf Küpper, Leiter des Bauamtes der Stadtverwaltung Wanzleben-Börde, eingestehen. In der Zeit, in der die Schallkanone im Einsatz war, waren die Vögel aus dem Bäumen auf dem Friedhof verschwunden. Etliche von ihnen wurden in dieser Zeit in Blumenberg und in Bäumen an der Turnhalle der Wanzleber Grundschule „An der Burg“ gesichtet. Die Stadt hatte von der Oberen Naturschutzbehörde die Genehmigung, die Schallkanone bis zum 26. März einzusetzen. Nach dem die Schallkanone auf dem Friedhof verstummte, kehrten die Krähen nach und nach wieder zurück. Und fingen unverzüglich an, in den hohen Linden ihre Nester zu bauen, in denen sie jetzt ihre Jungen ausbrüten.

Im kommenden Jahr will die Stadt im Kampf gegen die Krähen auf dem Wanzleber Friedhof ihre Taktik ändern, kündigte Küpper an. „Wir wollen die Bäume runter schneiden und gleichzeitig das Knallschussgerät zum Einsatz bringen“, sagte er. Gerade in den Baumwipfeln würden die Krähen viele kleine Äste als ideales Baumaterial für ihre Nester finden. Auch wolle die Stadt mit der Oberen Naturschutzbehörde über eine Verlängerung der Knallerlaubnis verhandeln.

Stadt ändert die Taktik

Auf dem Wanzleber Friedhof befinden sich etwa 1000 Grabstellen auf einer Fläche von ungefähr vier Hektar. Warum sich die Vögel im vergangen Jahr gerade den Friedhof als Lebensraum ausgesucht hätten, weiß niemand. Vermutlich wegen der Dichte der Baumkronen, die den Krähen gute Möglichkeiten bieten, Nester zu bauen, um dort ihre Jungen großzuziehen.