Klein Wanzleben

Michael Schulze ist Herr über 26 Bienenvölker

Naturfreund, Bienenexperte und Vertreiber seiner eigenen Ware – Michael Schulze aus Klein Wanzleben ist Imker mit Leib und Seele und Inhaber der Imkerei Brockenblick. Bei einem Rundgang durch Klein Wanzleben zeigt er, was hinter dem Beruf steckt und welche Facetten er mit sich bringt.

Von Lena Bellon
Laura und Julian staunen über die zahlreichen Bienenvölker des Imkers Michael Schulze in Klein Wanzleben. Er ist der Herr über gleich 26 Völker.
Laura und Julian staunen über die zahlreichen Bienenvölker des Imkers Michael Schulze in Klein Wanzleben. Er ist der Herr über gleich 26 Völker. Foto: Lena Bellon

Klein Wanzleben - Die Bienen summen ganz leise, rundherum stehen verschiedene Stationen für die Bienenvölker und im Schrebergarten wachsen Obstbäume und wilde Pflanzen, als der Imker Michael Schulze an einem Vormittag einige seiner 26 Bienenvölkern besucht. Am Pfingstberg in Klein Wanzleben stehen zehn kleine Kisten, in denen jeweils ein Bienenvolk schwirrt. Dort beginnt er seine Tour, um die Bienen zu versorgen.

„Wow sind das viele Bienen“, sagt die 9-jährige Laura erstaunt. Zusammen mit ihrem Bruder Julian nutzt sie die Ferien, um bei dem Imker die Bienen anzusehen und mehr über sie zu lernen. „Kinder denken oft, dass Bienen schwarz-gelb sind. Das kommt davon, dass alle nur Biene Maja kennen und keine richtigen Bienen“, erklärt Schulze. Auch dass Bienen vier Flügel haben, wüssten viele Menschen nicht. Um mehr über Bienenvölker und Honigproduktion aufzuklären, hat der Imker schon einige Projekte an Grundschulen gemacht. „Ich habe mit den Kindern den ganzen Prozess durchlaufen, den es braucht um Honig herzustellen. Vielen ist das nämlich nicht bewusst“, erklärt der Imker.

Im Kirchgarten, auf dem Pfingstberg oder in seinem eigenen Schrebergarten – in den letzten sieben Jahren hat Michael Schulze seinen Bienenvölkern mehrer Anlaufstellen geschaffen und sich selbst damit immer mehr Standbeine aufgebaut. „Ich mag mein Standardgeschäft und die Honigproduktion, aber will immer neue Projekte und Ideen realisieren“, erzählt er. „Mittlerweile gebe ich auch Schulungen für Menschen, die auch Imker werden wollen. Aber ich verkaufe auch manche meiner Bienenvölker, mache eigene Bienenwachskerzen und tüftle immer neue Sorten Honig aus.“

Gelernter Werkzeugmeisterentdeckt die Bienen

Ein weiteres Interesse des Imkers ist die Bienenheilkunde, die er weiter ausbauen möchte: „Ich lese viel darüber, was Bienenstiche für eine heilende Wirkung haben können. Das wäre ein Wunsch von mir, dass ich das irgendwann vielleicht auch anbieten kann.“ Der Klein Wanzleber ist gelernter Werkzeugmacher, hat viele Jahre im Vertrieb gearbeitet und war selbstständig im Finanzsektor. „Ich war schon immer sehr naturverbunden und finde meine jetzige Arbeit als Imker sinnstiftend. Vielleicht verdiene ich weniger Geld als früher, aber ich bin zufriedener und erfüllter“, erzählt Schulze freudestrahlend.

Er wünsche sich einen Fürsprecher für die Imkerschaft, ähnlich wie es das für Landwirte gibt. „Wir Imker sind auch Landwirte und tun viel für die Umwelt. Es wäre schön, etwas mehr Unterstützung zu bekommen wie zum Beispiel eine Pauschale für jedes Bienenvolk, um die Versorgung zu generieren“, sagt Schulze. Im Sommer habe er bis zu 70.000 Bienen je Volk, im Winter seien es nur 5000 pro Bienenvolk.

Im Winter gibt es Zuckerwasser als Zubrot

Es sei für Bienen auch immer schwerer, Nektar aufzutreiben, weil zu viele Wiesen abgemäht sind und durch die Trockenheit der zurückliegenden Jahre in Deutschland einfach zu wenig blüht. Deshalb müsse der Imker mit Zuckerwasser zufüttern, bevor bald die Saison endet.

Seine Liste der verschiedenen Honigsorten ist nämlich lang und vielfältig: Brombeerhonig, Rapshonig, Thymianblütenhonig und neuerdings auch Vollmondhonig, der immer nur bei Vollmond geschleudert und gerührt werde.

„Im Winter versuche ich dann, meinen Honig zu verkaufen, mache die Kisten fertig für die kalte Jahreszeit und baue neue Rahmen, in denen die Bienen im Frühjahr dann wieder ihre Waben bauen können“, erzählt der Imker. „Ich habe mir jetzt kleinere Kästen zugelegt. Wenn im Sommer die Rahmen voll sind, dann wiegen die durchaus bis zu 35 Kilo und das ist körperlich dann schon sehr anstrengend.“ Sein Honig stamme nämlich aus purer Handarbeit und fordere viel körperliche Kraft für das ausschleudern und rühren des Honig. „Das mag ich aber auch am Imker sein. Jede Saison bringt andere Abläufe und Aufgaben mit sich“, sagt Schulze.