Wanzleben l Die Kontaktbeschränkungen, die die Regierung dem ganzen Land wegen der Corona-Pandemie zum Schutz des Lebens der Menschen auferlegt hat, stellt auch die evangelische Kirche in der Stadt Wanzleben-Börde vor besondere Herausforderungen. Gerade die zu Ostern gut besuchten Gottesdienste dürfen nicht stattfinden.

Gottesdienste verboten

„So etwas habe ich noch nicht erlebt. Das ist ein einmaliger Vorgang“, sagt zum Beispiel der Seehäuser Pfarrer Thomas Seiler. Seit 1984 ist der studierte Diplom-Theologe Seiler in Seehausen und seit 1986 Pfarrer der Kirchengemeinde St. Laurentius. Das Gottesdienste von staatswegen verboten werden, daran kann sich der 64-Jährige nicht erinnern. Schiebt aber gleich sein vollstes Verständnis für diese außergewöhnliche Anordnung der Bundesregierung während der in Deutschland und damit in der Einheitsgemeinde Wanzleben-Börde tobenden Krise wegen des mitunter tödlichen Corona-Virus hinterher.

Eine Kerze entzünden

Dennoch versuchen die Kirchengemeinden zu Ostern den Gläubigen in den Kirchen Orte der Andacht zu ermöglichen. Die evangelische Kirche St. Jacobi in Wanzleben wird sowohl am Karfreitag als auch am Ostersonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet sein. „Für jeden besteht so die Möglichkeit zur stillen Einkehr und zum Gebet. Alle Besucher werden gebeten, die derzeit gültigen Bestimmungen und Vorgaben für das öffentliche Leben zu beachten“, sagt Dorothee Sparfeldt, Pfarrerin für den Bereich Wanzleben/Groß Rodensleben.

Glocken läuten zur Sterbestunde Jesu

In Seehausen wird die Kirche St. Laurentius am Karfreitag in der Zeit 10 bis 11 Uhr zum stillen Gebet geöffnet sein und am Ostersonntag von 10 von 11 Uhr sowie 15 bis 17 Uhr zum persönlichen Gebet. „Wer eine Kerze anzünden möchte, ist gerne willkommen“, sagt Pfarrer Thomas Seiler. Immer sei dabei von den Gläubigen der nötige Abstand zu beachten. „Aber unsere Kirchen in ihrer Größe können das gewährleisten“, ist sich der Pfarrer sicher.

„Es werden am Karfreitag um 15 Uhr, zur Sterbestunde Jesu, die Glocken läuten“, kündigt Knut Freese, Vorsitzender des Gemeindekirchenrates St. Johannis Klein Wanzleben, an. Ostersonntag läuten um 10 Uhr die Glocken, was ja ein Geläut das im gesamten Kirchenkreis Egeln zur gleichen Zeit stattfindet. Es wird weiterhin von 18 bis 18.30 Uhr die Kirche für ein stilles Gebet offen stehen. „Einige haben dieses Angebot der offenen Kirche schon genutzt“, sagt Freese. Der Kirchenkreis bietet auch jeden Tag eine Videoandacht an und sonntags um 10 Uhr einen Gottesdienst auf der Homepage.

Ein Fingerzeig des Himmels?

„Es wirkt für mich wie ein Fingerzeig des Himmels, dass der deutschlandweite Lockdown in die christliche Fastenzeit, die Passionszeit, fällt. Jedes Jahr überlegt man, womit könnte ich mich in diesen Tagen zurück nehmen und Verzicht üben. Und dann wird einem der Verzicht verordnet, keine eigene Entscheidung mehr möglich“, empfindet Knut Freese die Osterzeit als außergewöhnlich. Dabei sei gerade der soziale Verzicht der Schwerwiegendste. „Dieses Ostern schenkt mir aber Hoffnung. Die Kirche ist angewiesen, auf neuen Wegen die Christen zu erreichen und das gelingt gut und wird gut angenommen. Die Kirchengemeinden suchen und finden eigene Wege mit ihren Gemeindemitgliedern in Kontakt zu bleiben. Ob man sich gegenseitig unterstützt oder ob es einfach nur ein besonders Läuten ist. Ich finde, die Menschen sind mehr zusammengerückt, man schaut wieder mehr zu seinen Mitmenschen. Ich wünsche mir, dass dieses Gefühl bleibt, auch wenn der Alltag langsam wieder kommt. Ich sehe es als Chance an, was die Menschen aus dieser Krise mitnehmen. Dass man wieder aufeinander schaut, dass man auf höher, schneller, weiter verzichten kann, aber nicht auf seine Familie, seine Freunde, seine Mitmenschen“, sagt Freese.

Kirchentüren stehen Ruhesuchenden offen

Es bleibe dennoch ein komisches Gefühl, das Osterfest dieses Jahr ohne Gottesdienst zu feiern, es sei ja das wichtigste Fest im Christentum, findet Freese. Man komme aus der Traurigkeit des Karfreitags und die Auferstehung gebe einem Hoffnung, dass es alles wieder gut werde. „Der Ostergottesdienst ist immer besonders fröhlich und bunt. Aber auch das kann man nachholen und dann genauso fröhlich und bunt gestalten. So werden es ruhige Ostern, es ist aber eine gutes Gefühl, einfach mal abends in der Kirche Ruhe und Zeit für ein Gebet zu finden“, gewinnt Knut Freese der besonderen Situation noch etwas Gutes ab.

Orgelspiel zu Ostern

Die Türen der St. Michael Kirche in Remkersleben werden am Ostersonntag offen stehen. Von 10 bis 11 Uhr können dann die Menschen in dem Gotteshaus Platz nehmen, die etwas Ruhe suchen und in sich gehen wollen – am Tag der Auferstehung Jesu Christi. „Ganz still wird es dann nicht sein, ich werde die Orgel spielen und mit besinnlichen Stücken die Kirche musikalisch füllen“, kündigt Christian Becker, der musikalische Leiter des Männergesangvereins „Freundschaft“ Remkersleben, an. „Genau vor 20 Jahren haben wir zu Ostern 2000 unsere Orgel wieder zum Leben erweckt, mit einem unvergesslichen Konzert“, erinnert sich Becker. Dieses Jahr zu Ostern wollten der Männergesangverein und der Frauenchor Eggenstadt dieses 20-jährige Jubiläum begehen. „Doch Corona verhinderte auch dieses. Aber es gibt ein Konzert zu diesem Anlass, wenn alles wieder gesund ist“, versichert Becker. Im Jahr des 875-jährigen Bestehens von Remkersleben solle es noch feierlich begangen werden.

Gleichzeitig in diesem Jahr ist das Kirchenschiff von St. Michael Remkersleben 165 Jahre alt. Pastor Moritz Korn hat es 1854 mit seinem Sohn, der Architekt war, in nur einem Jahr wieder neu aufgebaut. 1854 musste die alte Kirche abgerissen werden, da sie baufällig war. Der Kirchturm jedoch stammt aus dem 11. Jahrhundert, ein genaueres Datum gibt es leider nicht, bedauert Becker.

Pfarrer Thomas Seiler und der Gemeindekirchenrat laden am Ostersonntag herzlich ein, die Remkersleber Kirche zur Einkehr mit Orgelmusik zu besuchen und die nötigen Abstände einzuhalten. „Eine Predigt wird es leider nicht geben, aber eine Stunde der inneren Ruhe sollte ein Jeder für sich finden. Besinnliche Ostern wünsche ich uns allen, und das wir in dieser Zeit wieder ein wenig enger zu einander finden“, sagt Christian Becker.