Sülzetal l Haufenweise liegen im Gewerbegebiet Sülzetal/Osterweddingen die durchsichtigen Zehn-Liter-Kanister für Trinkwasser herum – leer. Immer wieder türmen sich die Säcke mit Hausmüll in den Straßengräben. Haufen mit Altreifen und alten Abwasserrohren behindern die Durchfahrt auf den angrenzenden Feldwegen.

Über all diese Umweltsünden ärgert sich besonders die Sachbearbeiterin im Ordnungsamt, Yvonne Kind: „Grünschnitt, Sperrmüll, Altreifen – all das liegt in der Landschaft, auch direkt auf den Äckern, herum. Das ist ganz schlimm. Gerade auch für die Arbeit der Landwirte. Diese Art der Umweltsünden betrifft das ganze Sülzetal. Ein Schwerpunkt ist dabei am Gewerbegebiet Sülzetal/Osterweddingen der Feldweg an der ,Bielefelder Straße‘ in Richtung Langenweddingen. Da ist es besonders schlimm.“

Wer die Zeit dafür habe, der könne sich acht Stunden am Tag, 40 Stunden in der Woche damit beschäftigen, so Kind. Immer wieder würden Spaziergänger und Hundebesitzer, die mit ihren Vierbeinern dort entlang gehen, dies der Gemeinde melden. „Alleine im Sülzetal gibt es 80 Kilometer an Feldwegen. Von daher ist eine permanente Kontrolle unmöglich“, meint Kind, „in Zusammenarbeit mit den beiden Polizeibeamten aus dem Polizeirevier Börde unternehmen wir aber unser Möglichstes.“

Wenn ein neuer Müllhaufen gemeldet wird, fährt Kind heraus, nimmt ihn auf und macht Fotos. Anschließend wieder im Büro, leitet sie die Informationen an den Landkreis zusammen mit einer Skizze, auf der ein Kreuz den neuen Fundort markiert und einer Beschreibung des Mülls weiter. „Dort wird dann der Betriebshof beauftragt, den Müll abzuholen. Die kommen aber zur Zeit gar nicht mehr hinterher“, berichtet Kind. Sie sei jedes Mal aufs Neue erschüttert, wenn sie solche Müllhaufen in der Landschaft protokollieren müsse.

„Ich sehe dann, dass irgendjemand seine Garage ausgeräumt hat. In solchen Fällen sind oft Autoteile, alte Farbreste und brüchige Abflussrohre mit dabei. Am Schlimmsten war es Anfang des Jahres an den Schienen in Langenweddingen auf den Feldwegen. Da lagen Autofracks herum“, erinnert sich Kind, „wenn man alles wieder zusammengesteckt hätte, wären zwei komplette Autos dabei herausgekommen. Das war Wahnsinn!“

Solch ein Verhalten sei egoistisch, ärgert sich Kind. „Hauptsache, bei mir ist alles in Ordnung. Was interessiert mich die Umwelt sonst wo. Keiner dieser Umweltsünder hat so viel Grips im Kopf, um zu verstehen, was das konkret für die Umwelt bedeutet, wie schnell sich beispielsweise Tiere an dem Müll verletzen und dann elendig zugrunde gehen.“

„Montags ist es immer am Schlimmsten. Da haben wir immer einen Container mit Müll im Gewerbegebiet Sülzetal/Osterweddingen, der zu Dreiviertel voll ist mit Müll – jeden Montag!“, ärgert sich der Bürgermeister der Gemeinde Sülzetal, Jörg Methner (SPD), über diese Umweltfrevler. Problem sei, dass die Gemeinde hierbei nahezu unmöglich einen Verursacher festzustellen könne. „Wir können diese Taten nur nach dem Verursacherprinzip ahnen. Dann müssten wir die ganze Nacht über jemanden für das Gewerbegebiet abstellen. Das ist nicht machbar.“

Die Fakten für die Entsorgung dieses illegal abgelegten Mülls im Gewerbegebiet nennt Robert Kippel aus dem Büro des Bürgermeisters: „Auf den Feldwegen ist der Landkreis Börde für die Abholung des Mülls verantwortlich. An den Straßen muss sich die Gemeinde Sülzetal darum kümmern. Die Gemeinde Sülzetal muss dafür rund 92 000 Euro pro Jahr bezahlen. Circa 200 Arbeitsstunden gehen dafür drauf. Diese Gesamtzahlen fürs Jahr beinhalten die finanziellen Aufwendungen für Personal, Technik und Entsorgung sowie die Arbeitsstunden.“

Die Kosten würden natürlich auf die reguläre Müllentsorgung umgelegt, warnt Kippel weiter. So komme es, dass letztlich die Allgemeinheit dafür zahlen müsse.

Über Höhe der Strafen beim Ertappen eines Müllsünders entscheiden die entsprechenden zuständigen Ämter, erklärt Polizeiobermeister Rene Krätzig aus dem Polizeirevier Börde in Osterweddingen. „Wenn es um eine Ordnungswidrigkeit, also beispielsweise Gartenabfälle oder Grünschnitt geht, hat der Salzlandkreis bei Privatpersonen auch schon Strafen von bis zu 6500 Euro als Bußgeld verhängt.“

Handele es sich aber um eine Straftat, weil die Umwelt gefährdet wird, könne das bis zu 50 000 Euro hochgehen. „Zu solchen umweltgefährdenden Ablagerungen, die Grund und Boden belasten, gehören Altlasten, Asbest und Restfarben. Das alles verunreinigt den Boden. Fast immer ist auch unser aller Grundwasser davon betroffen“, warnt Krätzig. Zusammen mit dem Ordnungsamt nehme das Polizeirevier den Sachverhalt auf und leite es dann an den Landkreis weiter. Krätzig: „Dort legen die Experten das Wie der Strafe fest.“

„Wer seinen Garten oder Haus ausmistet, der kann einen Antrag auf Sondernutzung bei der Gemeinde stellen. Dann kann er einen Container organisieren, ihn vor dem Haus auf dem Grund und Boden der Gemeinde aufstellen lassen, darin seinen Müll ablagern und dann ordnungsgemäß abholen lassen. Wer das auf seinem Privatgrundstück machen kann, den kostet das Ganze nichts. Wer aber öffentlichen Raum dabei beansprucht, der muss einen Antrag stellen. Der muss 14 Tage zuvor bei uns im Ordnungsamt auf dem Tisch liegen“, erklärt Kind.

Die Kosten für die Nutzung würden immer von der Größe des Containers und der Dauer der Nutzung abhängen.