Klein Wanzleben l Wer in diesen Tagen das Gelände der Grundschule des Zuckerdorfes Klein Wanzleben im Mühlenplan betritt, gerät unter Umständen in eine Einflugschneise. Wenige Meter hinter dem Tor stehen auf dem Schulhof unter einem Regenschauer auf einem Tisch zwei braune Kästen. Und in diese Kästen schwirren bei gutem Wetter und Sonnenschein Tausende von Bienen ohne Unterlass ein und aus.

Die beiden Kästen, in denen zwei Bienenvölker leben, sind das Kernstück der Arbeitsgemeinschaft Bienen- und Naturfreunde. Seit März vergangenen Jahres treffen sich immer dienstags Mädchen und Jungen der Klassen zwei bis vier, um sich mit Projekten rund um Tiere und Pflanzten zu beschäftigten.

Dabei gehört die besondere Aufmerksamkeit der vier Mädchen und fünf Jungen in diesen Tagen den beiden Bienenvölkern.

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Zwei Bienenvölker

Geleitet wird die Arbeitsgemeinschaft an der Grundschule Klein Wanzleben von Katharina Ribbert. Die junge Frau ist sozialpädagogische Mitarbeiterin an der Schule und beim Paritätischen Wohlfahrtsverband angestellt. Ihr zur Seite steht der Klein Wanzleber Imker Michael Schulze, der als Honorarkraft die fachliche Betreuung der Arbeitsgemeinschaft übernommen hat.

Schulze ist es auch, der den Jung-Imkern in die Geheimnisse der Bienenzucht einweiht. „Die Frühtracht fällt in diesem Jahr wegen der Frostes leider aus“, gibt Fachmann Schulze den Kindern zu verstehen. Dafür sind die Bienen der Grundschule beim derzeitigen sehr sonnigen Frühlingswetter auf den Feldern rund um das Zuckerdorf auf Nahrungssuche.

Etwa 500 Meter Luftlinie entfernt finden sie im blühenden Raps genügend Futter, um die Königinnen in den Bienenstöcken ernähren zu können. Dafür wird aus dem Nektar der Blüten von den Bienen der Weiselsaft erzeugt, aus dem später durch Menschenhand der Honig entsteht. Wenn sich die Kinder den beiden Bienenstöcken auf dem Schulhof nähern, um sich der Pflege ihrer summenden Lieblinge zu widmen, tragen sich Schutzkleidung wie die Profis.

Anleitung durch einen Profi

Die Anschaffung der weißen Anzüge, Handschuhe und Kopfhauben für die Schüler sei durch einen Sponsor ermöglicht worden, sagt Katharina Ribbert. Der Schutz durch die Kleidung ist auch nötig. Immerhin leben in jedem der Stöcke in einem Volk bis zu 70.000 Bienen, die nicht immer friedlich gestimmt sind.

Bienenstiche seien bislang jedoch nicht vorgekommen, berichtet die Schulmitarbeiterin. „Bei einer Temperatur von 36 Grad Celsius im Stock fühlen sich die Bienen am wohlsten“, sagt Michael Schulze, der der Imkerei als Nebenerwerb nachgeht und rund um Klein Wanzleben seinen Bienen auf Nahrungssuche schickt.

Und auf den Honig haben es die Klein Wanzleber Grundschüler neben der Pflege und Hege ihrer fleißigen Bienen abgesehen. „Ende Mai werden wir wohl unseren ersten, selbst erzeugten Honig produzieren“, gibt sich Imker Michael Schulze optimistisch.

Bald gibt es eigenen Honig

Dazu haben die Kinder im Keller des Schulgebäudes in einer Küche einen Arbeitsplatz eingerichtet. Dort steht eine Honigschleuder, in der aus den Bienenwaben mit Hilfe der Zentrifugalkraft der Honig gewonnen wird. Den gewonnen Honig füllen die AG-Kinder dann in Gläser, die mit von ihnen entworfenen Etiketten versehen sein werden.

Geplant ist, den Honig bei Schulveranstaltungen an die Besucher zu verkaufen. „Wir kämpfen dann um den Titel ‚Süßeste Schule der Welt‘ im Zuckerdorf Klein Wanzleben. Dass passt doch prima zusammen“, meint Schulze.