Wanzleben l Frühmorgens verlässt Andrea Schmidt ihre Wohnung in der oberen Etage eines Mehrgeschossers in der Wanzleber Johann-von-Goethe-Straße 41. Die Frau mit den blonden Haaren geht die Treppen runter, lässt die Hauseingangstür hinter sich und biegt nach links hinter dem Block zu einem Gebüsch ab. Dort lauern gut versteckt im Gestrüpp bereits vier kleine Katzen.

Die Fellnasen warten jeden Morgen auf Andrea Schmidt. Denn die jungen Katzen wissen, diese Frau bringt ihnen Futter. Sobald sie die kleinen weißen Plastiknäpfe mit Futter gefüllt, wagen sich die Katzen aus ihrer Deckung, nähern sich und beginnen mit einem großen Hunger im Bauch zu fressen.

Mitleid mit den Tieren

„Die jungen Katzen tun mir in der Seele leid, deshalb füttere ich sie jeden Morgen“, sagt Andrea Schmidt zur Volksstimme. In ihrer Wohnung hat sie selber zwei Katzen. Die hat sie im März 2018 von Altenhausen mit nach Wanzleben gebracht. Damals zog sie in die Sarrestadt. Und seitdem kümmert sich die Frau um die Streuner hinter ihrem Wohnhaus. Was nicht jedem Mitbewohner auch gefällt.

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Zufrieden ist Andrea Schmidt mit der Situation auf keinen Fall. „Es muss sich doch jemand um die Katzen kümmern“, sagt sie. Deshalb habe sie sich an das Ordnungsamt der Wanzleber Stadtverwaltung gewandt mit der Bitte, doch dafür zu sorgen, die Katzen kastrieren oder sterilisieren zu lassen. Damit sich die Population nicht weiter ausbreite. Bereits im Frühjahr könnten kleine Maikätzchen mit einem Wurf dazukommen und die Truppe noch verstärken.

Ordnungsamt ist gegen Fütterung

Das Ordnungsamt habe die Bitte der Katzenfreundin mit dem Hinweis abgewiesen, dass für das Kastrieren oder Sterilisieren der Katzen kein Geld da sei. Mittlerweile habe Andrea Schmidt bereits ein Schreiben von den Ordnungshütern erhalten mit dem Hinweis, sie solle das Füttern der Katzen unterlassen. Auch seien Mitarbeiter der Ordnungsbehörde vor Ort gewesen und hätten die Futternäpfe weg geräumt. Zwei hätten sie jedoch stehen lassen. Das illegale Katzenversteck an der Wanzleber Goethe-Straße liegt auf kommunalem Grund und Boden der Stadt.

„Das Thema Katzen beschäftigt uns regelmäßig im Ordnungsamt. Voranstellen möchte ich, dass das Ordnungsamt eine Gefahrenabwehrbehörde ist. Tierschutzbehörde hingegen ist das Veterinäramt des Landkreises Börde“, äußert sich Kai Pluntke, Ordnungsamtsleiter der Stadt Wanzleben, auf Nachfrage der Volksstimme. Leider helfe das den Bürgern, den Tieren und der Stadt in der Praxis nicht weiter. „Menschlich und als Tierfreund kann ich das Anliegen von Frau Schmidt nachvollziehen“, zeigt Pluntke Verständnis.

„Es ist aber so, dass wir uns als Stadt finanziell nicht um alle Katzen kümmern können rechtlich auch nicht primär für den Tierschutz zuständig sind. Dennoch werden wir im Einzelfall auch tätig, zum Beispiel wenn uns verletzte Katzen gemeldet werden. Da nützt es nichts, erst mit der Tierschutzbehörde über Zuständigkeiten zu diskutieren. Rechtlich ist es in diesen Fällen so, dass das Gefahrenabwehrrecht neben dem Tierschutzrecht steht und beide Behörden zuständig sind“, verdeutlicht Pluntke im Namen der Stadt Wanzleben.

Zusammenarbeit mit Tierschutzvereinen

Bei streuenden Katzen könne es auch sein, dass die Stadtverwaltung im Einzelfall tätig werde. Jedoch nur dann, um eine Ausbreitung von Krankheiten zu verhindern. In der Regel arbeite die Stadt dann mit Tierschutzvereinen zusammen, die für die Kommune die Tiere einfangen und kastrieren oder sterilisieren lassen. „Die Kosten werden dann von uns übernommen, das ist aber die absolute Ausnahme. Zum Beispiel ist das aktuell der Fall in einer Gartenanlage in Hohendodeleben, mit einer Population von 35 Katzen“, sagt Pluntke.

Weiterhin erlaube es die Stadt Wanzleben auch Tierschutzvereinen, eigenständig und auf eigene Kosten Futterstellen einzurichten, um wildlebende Katzen einzufangen, um die Tiere zu kastrieren oder zu sterilisieren. Auch in der Johann-Wolfgang-von-Goethe-Straße in Wanzleben habe die Stadt bereits Futterstellen erlaubt.

Strafe bis 5000 Euro möglich

„Man muss aber deutlich sagen, dass die Gründe für diese Populationen meistens die Menschen sind, die aus Mitleid die Tiere füttern und somit dazu beitragen, dass es immer mehr werden“, verdeutlicht Pluntke. Aus diesem Grund sei es nach der Gefahrenabwehrverordnung grundsätzlich verboten, wildlebende Katzen zu füttern. Wiederholte Verstöße können mit einem Bußgeld bis zu 5000 Euro geahndet werden.

„Im Fall von Frau Schmidt sehe ich das genauso, so dass sie für mich Auslöser einer möglichen unkontrollierten Katzenpopulation ist. Schriftverkehr mit Frau Schmidt gab es noch nicht“, erklärt der Ordnungsamtsleiter. Wünschenswert wäre aus seiner Sicht eine gesetzliche Regelung zur Kastrationspflicht aller Freigängerkatzen, um hier eine gewisse Eingrenzung von unkontrollierten Katzenpopulationen hinzubekommen.