Tierschutz

Tisch für den Feldhamster gedeckt

Wie ein bunter Farbtupfer ziehen sich blühende Streifen durch ein Maisfeld in der Nähe von Schleibnitz.

Schleibnitz/Hohendodeleben l Gerade liegt die Frühjahrskartierung möglicher Feldhamsterbaue in der Börde hinter vielen freiwilligen Helfern, die sich damit am bundesweiten Projekt Feldhamsterland beteiligt haben.

Erstmals wurden im vergangenen Jahr unter Federführung der Deutschen Wildtier Stiftung derartige Kartierungen in Sachsen-Anhalt und damit ebenso in der Börde vorgenommen. Kartiert wurde seinerzeit auch auf einem Acker zwischen Schleibnitz und Magdeburg, der zum landwirtschaftlichen Unternehmen von Christina Siemke gehört. Phillip Krainbring ist in Hohendodeleben, wo das Unternehmen seinen Sitz hat, der Betriebsleiter. „Auch wenn wir hier in der Region wenig Baue kartieren konnten, wollen wir nun den Feldhamster mit entsprechenden Maßnahmen in der Bewirtschaftung der Felder anlocken“, berichtet Saskia Jerosch als Feldhamsterbeauftragte des Landes Sachsen-Anhalt.

Sie fand in Phillip Krainbring einen Partner, der bereit war, auf dem Acker bei Schleibnitz den Maisanbau sozusagen zu unterbrechen und einen Streifen anzulegen, auf dem Sommergerste, Phacelia, Wicken und Erbsen als Mischung wachsen. Der etwa 50 Hektar große Maisschlag wird von mehreren dieser bunten Streifen, insgesamt 3,5 Hektar, unterbrochen. Diese bleiben, genau wie der Mais, bis in den September hinein stehen. Der Feldhamster kann sich also bedienen und für den Winter im wahrsten Sinne des Wortes seine Vorräte hamstern.

„Mit dem benachbarten Mais hat der Feldhamster auch die nötige Deckung und damit Schutz vor anderen Tieren, die ihn jagen könnten. Der bunt gemischte und aktuell blühende Streifen ist zugleich Lebensraum für andere Tiere. Wir haben hier gerade Hasen beobachtet und auch Schmetterlinge flattern umher“, sagt Saskia Jerosch inmitten des Blühstreifen.

Hier berichtet Landwirt Phillip Krainbring, der auch schon eine Blühwiese angelegt hat, dass er die Aktion unterstützt, weil die Antragsstellung unproblematisch verläuft. Die Fläche werde als Maisanbau mit Bejagungsschneise ausgewiesen. Das Ausweisen von Bejagungsschneisen sei inzwischen auf nahezu allen Kulturen möglich. „Ausschlaggebend ist für mich der Fakt, dass ich nicht nur einem Tier etwas Gutes tue. Andererseits muss die besondere Bewirtschaftung auch in das Gesamtkonzept passen. Bei uns hat es gepasst. Für die ‚Hamsterbewirtschaftung‘ gibt es eine Aufwandsentschädigung“, berichtet Phillip Krainbring.

„Ein Anfang für das Projekt ‚Feldhamsterland‘ in Sachsen-Anhalt, wo das flächenmäßig noch größte Feldhamstervorkommen beheimatet ist, ist mit acht Betrieben, die mitwirken, gemacht. Unser Ziel soll es sein, die Feldhamsterbewirtschaftung zwischen Hohendodeleben und Eilsleben zu etablieren“, erzählt Saskia Jerosch.

Einst war der Feldhamster eine Plage, jetzt ist er ein Sorgenkind und vom Aussterben bedroht. Die Praxis des Projektes „Feldhamsterland“ werde zeigen, ob sich die Bewirtschaftung bewährt.

Dem Hamster jedenfalls ist der Tisch gedeckt ...