Kleingärten in der Stadt Wanzleben

Wanzleber Kleingärtenvereine Bördeland, Schulze 13, Pickelshoch, Frieden und Zukunft blühen in der Krise auf

Von Josephine Schlüer
Walter Strauch (links) und Thomas Osterloh gehören zum Vorstand des Kleingartenvereins "Schulze 13" in Wanzleben. Josephine Schlüer

Wanzleben

Wenn Süd- und Ostsee für die Urlaubsplanung tabu sind, dann wird eben der eigene Kleingarten zum Erholungsgebiet. „Symbolisch sind wir näher zusammengerückt“, sagt Thomas Osterloh, der stellvertretende Vorsitzende des Kleingartenvereins (KGV) „Schulze 13“ in Wanzleben. „Natürlich mit Abstand“, scherzt er weiter. Und es stimmt. „Die im Frühjahr 2020 einsetzende Corona-Pandemie und die daraus resultierenden Einschränkungen im täglichen Leben haben dazu geführt, dass sich zunehmend vor allem auch jüngere Menschen bemüht haben, einen Kleingarten zu pachten“, bestätigt Olaf Weber, Vorsitzender des Verbandes der Kleingärtner der Region "Börde Ohre".

Verbunden mit dem Bedürfnis nach Bewegung an frischer Luft und dem Anbau von gesundem Obst und Gemüse seien vor allem in städtischen Gebieten Kleingärten heiß begehrt. Gerade junge Familien würden den Kleingarten in zunehmendem Maße für sich entdecken, weil sich im Kleingarten den Kindern die Natur nahebringen und ein Teil des Urlaubs verbringen lasse, so Weber. Einige der neu hinzugekommenen Pächterinnen im KGV „Schulze 13“ seien junge alleinerziehende Mütter, stimmt auch Osterloh zu.

„Mit der Corona-Pandemie sind wir auch den letzten Garten noch los geworden“, sagt der stellvertretende Vorsitzende weiter. Alle Parzellen mit Bungalows seien jetzt vermietet. Der Zusammenhalt habe sich im Laufe der Pandemie ebenso verstärkt. Das zeige sich vor allem, wenn es etwas zu reparieren oder zu erneuern gibt. Unter normalen Bedingungen würden mehrmals jährlich Arbeitseinsätze organisiert. Doch das sei unter den aktuellen Hygienevorgaben nicht möglich“, sagt Osterloh. Darum müsse zurzeit jeder für sich ein bisschen mit anpacken. „Das klappt wunderbar“, sagt auch Walter Strauch, Kassenwart beim KGV „Schulze 13“. Auch Hannelore und Norbert Linke pachten einen Kleingarten in der Anlage. Das Ehepaar befreit seine Anbaufläche derzeit vom Unkraut. Für sie hat die Parzelle in der Pandemie ebenso noch mehr an Bedeutung gewonnen. „Wir verbringen sehr viel Zeit hier“, sagt Norbert Linke.

Einige Kleingärtner würden laut Olaf Weber ihre Parzelle buchstäblich in eine Urlaubsoase verwandeln wollen. „Eine Anfrage zur Anpflanzung einer Palme hat uns im letzten Jahr erreicht und ein wenig verwundert“, berichtet der Börde-Ohre-Vorsitzende. Eigentlich seien Kleingärten zum Anbauen von Obst und Gemüse gedacht. „Ungewöhnlich, aber die Palme verstößt nicht gegen die Auflagen, wenn ein Drittel des Gartens laut Vorschrift zum Anbau von Gartenbauerzeugnissen genutzt wird“, so Weber weiter. Einer Palme oder mehreren Palmen stehe also nichts im Weg.

Einer Palme im Garten steht nichts im Weg

Zur Stadt Wanzleben-Börde gehören derzeit 12 Kleingärtnervereine, die im Verband der Kleingärtner in der Region „Börde-Ohre“ organisiert sind. „Es stehen 735 Parzellen zur Verfügung von denen, mit Stand Januar dieses Jahres 538 genutzt werden“, so der Vorsitzende. In den zur Stadt Wanzleben gehörenden sechs aktiven Kleingärtnervereinen Bördeland, Schulze 13, Pickelshoch, Frieden und Zukunft waren zum Jahresanfang nur noch 26 Gärten frei.

Das Kleingartenwesen in Sachsen-Anhalt entwickele sich insgesamt positiv. In den vergangenen Jahren stagniere der Abwärtstrend, der Ende der 1990er Jahre eingesetzt hatte, sagt Olaf Weber, der auch dem Landesverband der Kleingärtner Sachsen-Anhalt vorsitzt. Aktuelle Zahlen würden zeigen, dass die Zahl der unter dem Dach des Verbandes organisierten Gartenfreunde zwar von 107 123 im Jahr 2013 auf 85 946 Anfang 2020 sank. Seit Beginn dieses Jahres habe sich die Zahl aber wieder auf 87 000 erhöht. Insgesamt 1639 Vereine mit derzeit 106 555 Parzellen im Bestand würden dem Landesverband aktuell angehören. Von den Kleingärten würden 89 301 Parzellen gegenüber 87 228 im vergangenen Jahr bewirtschaftet.

Die Anzahl der tatsächlich leerstehenden Gärten belaufe sich auf 17 254, sagt der Vorsitzende weiter. Die 46- bis 60-Jährigen seien dabei die größte Altersgruppe in den Vereinen in Sachsen-Anhalt, gefolgt von den 26- bis 45-Jährigen. Über 90 Jahre seien 486 Gartenfreunde alt.

Olaf Weber empfiehlt auch zum Schutz der eigenen Gesundheit während der Pandemie folgende Regeln einzuhalten: Kleingärten sollten nur von Pächtern und den zum Haushalt zugehörigen Personen genutzt werden. „Partys, private Treffen oder sonstige Aktivitäten mit nicht zum Haushalt gehörenden Personen sind zu unterlassen“, so Weber weiter.  Auf den Gemeinschaftsflächen sowie auf dem Weg zu den Gärten sind die Anordnungen der Allgemeinverfügungen zu beachten, wie das Einhalten eines Mindestabstands von 1,50 Meter sowie die allgemeinen Kontaktbeschränkungen im öffentlichen Raum.

Übrigens: Der Name Schulze 13 war vermutlich die frühere Bezeichnung für das Ackerstück, auf dessen Fläche sich heute der KGV Schulze 13 befindet, so Kassenwart Strauch.