Wernigerode l Glühweintrinken vor einer festlich geschmückten Bude, eine leckere Bratwurst dazu – für die Wernigeröder hat dieses Vergnügen bisher immer kurz vor Weihnachten geendet. In der Regel schließt der Weihnachtsmarkt seine Pforten am 22. Dezember, über die Feiertage ist der Markt leer gefegt, von Festtagsstimmung keine Spur. Vor allem Touristen, die über Weihnachten in der Stadt weilten, hatten das in der Vergangenheit kritisiert. Auch viele Wernigeröder stören sich an der Regelung.

Um solche Probleme aufzugreifen, hat sich vor Kurzem eine Arbeitsgruppe aus Stadtratspolitikern, Verwaltungsmitarbeitern und Händlern zusammengefunden. Mit Erfolg. Bei der jüngsten Sitzung wurde ein erstes Ergebnis präsentiert. Wernigeröder und Gäste können diesmal über den Jahreswechsel hinaus bis zum 6. Januar auf dem Markt zwischen Buden und Karussells flanieren.

„Die Verträge mit den Händlern sind schon geschlossen und gelten bis zum 22. Dezember“, so Ordnungsamtschef Gerald Fröhlich. „Da ließ sich nichts mehr drehen. Wir haben aber eine andere Lösung gefunden.“ Er habe sich mit Christian Legler verständigt. Legler betreibt das Studio D4, das in den vergangenen Jahren zwischen erstem Weihnachtsfeiertag und Dreikönigstag den Wernigeröder Wintermarkt auf dem Oberpfarrkirchhof veranstaltet hat.

Wintermarkt zieht um

„Wir haben vereinbart, dass der Wintermarkt in diesem Jahr auf einen Teil des Marktes sowie auf das Gelände um die Blumenuhr umzieht“, so Legler. Selbstverständlich mit einem anderen Warenangebot. „Schwibbögen und Stollen kann nach Weihnachten niemand mehr sehen.“ Rund um die Blumenuhr sollen die attraktivsten Stände und die Bühne stehen, um die Besucher an den neuen Veranstaltungsort zu gewöhnen. „Wir bieten darstellende Handwerker, Kinderattraktionen und täglich Programm auf der Bühne.“ Die Silvesternacht ist für Legler die spannendste Aufgabe. „Aus Brandschutzgründen werden wir den Markt absperren. Wir lassen alle Leute rein, die wollen, aber ohne Raketen.“ Schließlich gelte in der Stadt aus Brandschutzgründen ein Verbot für Feuerwerkskörper.

Und Christian Legler schaut schon in die Zukunft. So könnten ab 2016 die Marktstraße und das Blumenuhr-Areal schon in der Adventszeit in das Marktgeschehen einbezogen werden. Ebenso wie der Rathausinnenhof. „Wir könnten dort Holzbuden aufstellen, um Händlern eine Chance zu geben, die sich nur tageweise präsentieren wollen.“

In den vergangenen Jahren habe sich der Wintermarkt auf dem Oberpfarrkirchhof „finanziell einigermaßen getragen“, so Christian Legler. Trotzdem gehe er ein wirtschaftliches Risiko von gut 30 000 Euro ein. „Wir schauen mal, wie das Angebot in diesem Jahr angenommen wird.“ Dann werde er weiter sehen.

Wirtschaftliches Engagement

„Ein ganz toller erster Schritt zu dem Weihnachtsmarkt, den Wernigerode braucht“, sagte Mario Schlieper (parteilos, SPD-Fraktion) nach Leglers Vorstellung sichtlich erfreut. Kevin Müller (SPD) lobte das „wirtschaftliche Engagement.“ Auch für die Burg- und die Westernstraße wünsche er sich, dass sich die Geschäftsleute zusammentun und ihre Straßen für sich beleben.

Tatsächlich wünschen sich die Händler seit Langem, dass die Nebenstraßen in das weihnachtliche Geschehen einbezogen werden. Horst Hoberg von der Kaufmannsgilde wollte wissen, welche Möglichkeiten es gebe, die Flächen vor den Geschäften zu dekorieren. „Wir sind für vieles offen, solange es verkehrs- und sicherheitstechnisch möglich ist“, entgegnete Ordnungsamtschef Gerald Fröhlich. „Wir sind sogar dankbar, wenn sich jemand über seine acht Meter Ladenfläche hinaus engagiert.“ Ein privater Spender habe beispielsweise drei große Herrnhuter Sterne gestiftet.

Die Arbeitsgruppe hat weitere Treffen im kommenden Jahr vereinbart, um den Weihnachtsmarkt zu verbessern. Es wurde unter anderem vorgeschlagen, die Standgebühren neu zu berechnen und Größe sowie Aufstellungsort der Buden einzukalkulieren – und nicht wie bisher nur das Sortiment. Außerdem sollen Händler mit besonders interessantem Warenangebot für den Weihnachtsmarkt gewonnen werden. Weitere Wünsche sind, den Markt zu entzerren, ein wechselndes Angebot zu schaffen und mehr Attraktionen für Kinder zu bieten. Zudem soll auf Antrag der SPD-Fraktion eine Gestaltungs- und Gebührensatzung verfasst werden. „Ich warne vor Aktionismus“, sagte André Weber (CDU), der die AG als Chef des Ordnungsausschusses leitet. „Wir können den Weihnachtsmarkt nicht in kürzester Zeit völlig umkrempeln. Das bedarf einiger Vorbereitung und geht nur Schritt für Schritt.“

Übrigens: Die Entscheidung über die Sperrung der unteren Breiten Straße an den Adventswochenenden soll am Montag im Rathaus fallen.