Wernigerode l Jetzt ist es amtlich: Die untere Breite Straße wird an den Adventswochenenden nicht für den Autoverkehr gesperrt. Den Beschluss begründet die Wernigeröder Stadtverwaltung mit der Rechtslage. „Der Anlass dazu ist nicht gegeben“, sagte Ordnungsdezernent Volker Friedrich am Mittwochabend im Hauptausschuss. Der Harzkreis hatte der Verwaltung freie Hand gelassen, zugleich aber mitgeteilt, dass eine Sperrung rechtswidrig wäre.

Nach Paragraf 45 der Straßenverkehrsordnung kann eine Gefahrenlage wegen „besonderer örtlicher Verhältnisse“ eine Sperrung begründen. Dies sei in der unteren Breiten Straße nicht der Fall. Dafür würden Wege in die Innenstadt für Busse, Radfahrer und Autos abgeschnitten. Außerdem finde keine Veranstaltung statt, für die gesperrt werden müsste. Nicht eingeplant seien die Kosten: Einmal die Beschilderung aufzustellen koste 5300 Euro, so Friedrich.

Kritik aus allen Fraktionen

Bei den Ausschussmitgliedern stieß die Entscheidung quer durch die Fraktionen auf Kritik. Von „bedauerlich und kritikwürdig“ über „nicht nachvollziehbar“ bis „unbefriedigend“ und „unverständlich“ reichten die Kommentare. Streng genommen wären weder Großveranstaltungen noch die geplante Umgestaltung der Straße möglich, sagte Christian Härtel (Linke). Die Verwaltung solle alle Möglichkeiten ausloten, um die Straßensperrung 2016 zu ermöglichen, regte Rainer Schulze (SPD) an. „Mindestens 20 000 Euro“ sollten im Haushalt 2016 für die Sperrung eingeplant werden, schlug Sabine Wetzel (Grüne) vor. Und Uwe-Friedrich Albrecht (CDU) dachte laut über ein „Wichtelfest“ und andere Feiern in der unteren Breiten Straße nach.

Unverständnis herrscht bei den Händlern. Rainer-Michael Gatermann verkauft in der Breiten Straße Spielzeug. Für ihn ist die Entscheidung nicht nachvollziehbar. „Regelrecht überbevölkert“ sei die Stadt vor Weihnachten. „Die waren wieder päpstlicher als der Papst.“ Andreas Rebel, der den Antrag auf Sperrung gestellt hat, führt das Haushaltswarengeschäft H. Tetzner. Er ist verärgert, gerade weil im Advent viele Touristen in der Stadt sind. „Ist das wirklich der Eindruck, den Wernigerode hinterlassen will?“, fragt er.

Matthias Winkelmann, der sich im Stadtrat für die Sperrung eingesetzt hat, ist enttäuscht. „Ich hätte mehr Entgegenkommen erwartet“, so der Goldschmiedemeister. Das Ordnungsamt habe versäumt, mit den Händlern eine Lösung zu suchen. Der CDU-Stadtrat hofft auf 2016, wenn ein Teil der Straße umgestaltet sein soll. „Dann könnten wir weihnachtliche Buden aufstellen.