Wernigerode l Es sind Sätze, die man sonst in der Kirche hört. „Fürchtet euch nicht“, zitierte Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos) die berühmten Verse des Lukasevangeliums und setzte hinzu: „Das ist so aktuell wie selten.“ Bei der Eröffnung des Weihnachtsmarkts am Freitagabend vor dem Rathaus schlug das Stadtoberhaupt nachdenkliche Töne an, erinnerte an die Terroranschläge in Paris. „In diesem Jahr ist alles anders.“

Denn nach den Angriffen in der französischen Hauptstadt herrscht auch in Deutschland Unsicherheit. Immer wieder wird über Weihnachtsmärkte als mögliche Ziele der Terroristen gesprochen. Die Polizei verstärkt daher ihre Präsenz auf den Weihnachtsmärkten – auch auf dem in Wernigerode.

Abstrakte Gefährdung

Allerdings liege lediglich eine „abstrakte Gefährdungslage“ für die Weihnachtsmärkte in Sachsen-Anhalt vor, sagt der Sprecher des Innenministeriums Stefan Brodtrück. Das bedeutet, dass den Behörden keine konkreten Gefahren und Warnungen bekannt sind. Wie die Weihnachtsmärkte im Land genau geschützt werden, entscheiden die regionalen Polizeidienststellen und die Beamten vor Ort, sagt Brodtrück.

„Sichtbare Präsenz“ und mehr Beamte als in den Vorjahren verspricht der Sprecher der für Wernigerode zuständigen Polizeidienststelle Nord in Magdeburg, Marc Becher. Der Weihnachtsmarkt in der bunten Stadt am Harz werde genauso wie die anderen Märkte im Land verstärkt kontrolliert. „Wir reagieren damit auf das gestiegene Sicherheitsbedürfnis der Bevölkerung“, betont Becher. Die Beamten werden in Uniform und Zivil Streife gehen. Genaueres könne die Polizei aber aus Sicherheitsgründen nicht sagen.

Enger Kontakt zur Polizei

„Grund zur Sorge besteht nicht“, sagt Gerald Fröhlich. „Aktuell liegen mir keine Erkenntnisse vor“, so der Ordnungsamtschef zu möglichen Anschlägen. Das Ordnungsamt stehe in engem Kontakt mit der Polizei und könne schnell handeln. Sollte es zu einem Vorfall kommen, könne der Weihnachtsmarkt schnell über sieben Fluchtwege evakuiert werden, sagt Fröhlich. Zuletzt war dies im Jahr 2009 nach einer Gasexplosion in einem am Markt gelegenen Eiscafé nötig gewesen. „Wir wollen dieses Fest ruhig und friedlich feiern“, sagt Fröhlich. Für die Eröffnungsveranstaltung am Freitagabend hat die Stadtverwaltung allerdings eigens eine private Sicherheitsfirma engagiert, die auf dem Marktplatz Präsenz zeigt.

Die Besucher geben sich indes unerschrocken. „Ich lasse mich nicht in eine Hysterie hineintreiben“, sagt zum Beispiel Anna Elisabeth Bronisch. Die 85-Jährige, die seit fünf Jahren in Wernigerode lebt, ist begeistert vom romantischen Weihnachtsmarkt und dem kulturellen Angebot der Stadt. „Das darf man sich nicht kaputtmachen lassen.“

Das bestätigen René und Kerstin Busek. Das Paar aus Mecklenburg ist eigens zum Weihnachtsmarkt nach Wernigerode gereist. „Die Atmosphäre ist unschlagbar“, sagt Kerstin Busek. Das will sie sich nicht verderben lassen „Passieren kann überall etwas. Man kann sich nicht wegschließen.“ Dies dürfte im Sinne Peter Gafferts sein: „Wir erwarten viele Gäste, die sich nicht fürchten, sondern freuen.“