Rübeland l Dass es schon dunkel war, als die neuen Forellen für den Harz am Donnerstag irgendwo bei Rübeland am Ufer des Rappbodestausees ankamen, hat nichts mit Geheimnistuerei zu tun. Der Lieferant aus Sachsen hatte sich verspätet. Den Fischen war es egal.

Die rund 2400 quirligen Seeforellen sprudelten förmlich in das glasklare Wasser des Stausees – trotz der Dunkelheit oder gerade deswegen. Dafür sorgten ein Mitarbeiter der Fischfirma Ermisch in Sachsen sowie Thorsten Bormann (Darlingerode) als Gewässerwart der Fischerei-Pachtgemeinschaft Bodetalsperren und Udo Leier (Blankenburg) als Geschäftsbereichsleiter des Talsperrenbetriebes.

Märenen 1960 ausgesetzt

Es war übrigens nicht die erste Fischlieferung. Seit 2009 sorgen Talsperrenbetrieb und die Fischerei-Pachtgemeinschaft mit ihrem Seeforellenprogramm bereits für Zuwachs. Rund 91 000 dieser Fische wurden mit der Zeit nach und nach im Rappbodestausee in die Freiheit entlassen.

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Hauptgrund für die Fischansiedlung ist der ausufernde Bestand der Kleinen Maräne in dem Gewässer. „Dieser Fisch aus der Gruppe der Salmoniden wurde Anfang der 1960er Jahre ausgesetzt“, berichtet Talsperren- und Fischexperte Udo Leier. Damals war der Rappbodestausee ein Produktionsgewässer der Binnenfischerei.

Ökologisches Gleichgewicht

„Man dachte wohl, dass die Kleine Maräne, die in klaren Gebirgsseen vorkommt, das Harzer Gewässer bereichern kann. Wirtschaftlich wurde die Maräne – anders als zum Beispiel im Arendsee – nie genutzt“, erläutert Leier. Womit aber damals wohl niemand rechnete, ist die Vermehrungskraft der Kleinen Maräne. „Heute bildet der Fisch laut neuesten Untersuchungen etwa 95 Prozent der biologischen Fischmasse im Stausee“, weiß Udo Leiter. Das Problem dabei: Die vielen Maränen fressen Unmengen Wasserflöhe, die jedoch für eine hohe Wasserqualität unabdingbar sind.

Der neue Schwarm Seeforellen stärkt nun quasi die ökologische Front gegen zu viele Maränen, um irgendwie wieder ins ökologische Gleichgewicht zu kommen. Ausgesetzt werden die Seeforellen ausschließlich im Rappbode-stausee. Sie können wegen der Staudämme nicht in Fließgewässer gelangen. Dort würden sie sonst der angestammten Harzer Bachforelle in die Quere kommen. Guten Morgen/S. 13