Volksstimme: Herr Schilling, Sie brachten 2013 das Bergbau-Heimatbuch „Grube Büchenberg – Eiserner Schatz im Harz“ heraus. Sollte nicht zum Weihnachtsfest 2015 ein Buch über „Drei Kronen & Ehrt“ erscheinen?

Wolfgang Schilling: Das ist korrekt. Der Stoff bei „Drei Kronen & Ehrt“ erweist sich jedoch als noch umfangreicher als beim Büchenberg. Hinzu kamen gesundheitliche Beeinträchtigungen bei einigen Autoren. Dadurch kam es zu massiven Verzögerungen. Aber unser Team steht zu dem Buchprojekt und arbeitet eifrig daran.

Gesamter Harz im Boot

Wer gehört zum Team?

Die Stammbelegschaft vom Büchenberg-Buch, das inzwischen 1300 Mal verkauft wurde, ist wieder mit an Bord. Allen voran Dr. Horst Scheffler, Herbert Zange und Gerhard Rösicke. Dazu Mitarbeiter aus Bad Grund und Goslar, insgesamt 15 fachkundige Leute. Es ist ein Gesamtharzer Projekt, die Schwefelkiesgrube hat viele Facetten, die wollen wir zeigen.

Gab es Facetten, die Sie selber überrascht haben?

Durchaus. Ich war anfangs skeptisch, ob es sich lohnt, nach „Grube Büchenberg“ nun über ein scheinbar ähnliches Bergwerk noch ein umfangreiches Buch auf hohem fachlichen Niveau zu produzieren. Ich merkte aber bald, dass die Schwefelkiesproduk­tion mit all ihren Besonderheiten ein ganz anderes Metier ist als der Eisenerzabbau. So wird man im neuen Buch über viele Bereiche etwas finden, die im Büchenbergbuch nicht besprochen worden sind. 

Bilder

Neues aus der Geschichte

Welche zum Beispiel?

Zum Beispiel die bis ins Jahr 1990 verlängerte Betriebsperiode, der permanente Kampf gegen aggressives Grubenwasser, die Umweltbelastungen, die Zeit als Besucherbergwerk, das es nun leider nur noch in der Rückschau gibt.

Wann haben die Arbeiten an dem Buch begonnen?

Im Oktober 2013. 

Buch entsteht, Grube schließt

Dann fiel die Arbeit am Buch direkt in die Zeit der Debatte um die Schließung des Besucherbergwerk „Drei Kronen & Ehrt“. Hat dieses Aus für den Gegenstand des Buches das Projekt beeinflusst?

Das ist ein harter Einschnitt für unser künftiges Buch. Wichtiger ist aber, dass damit die Präsentation eines einst strukturbestimmenden Wirtschaftszweiges in Form eines lebendigen Museums aufgegeben wird. Die Folgen für die Identifikation mit der Region sind wohl vielen noch nicht klar oder werden kleingeredet. 

Einzigartiges Denkmal verloren

Welche Folgen meinen Sie?

Dass die Erinnerung an eine regional bedeutende Industriekultur verlorengeht. Unsere Recherchen haben ergeben, dass die Schwefelkiesgrube, die ja bisher unter Denkmalschutz steht, in der Bergwerkslandschaft des Harzes singulär, also einzigartig dasteht. Diese nun zu schließen und zu verwahren, ist eine Schande. Ein solches Museum wird nicht wieder aufbaubar sein. Auch für den Tourismus ist das ein Verlust – direkt in Elbingerode und auch für die ganze Region. Die Synergieeffekte, die Besucher erzeugen, werden ja häufig nicht beachtet. 

Wo sehen Sie die Ursache der Schließung? 

In einer verfehlten Landespolitik, die offenbar nur die Kosten sieht. Andere Museen kosten aber auch Geld, und selbst unter rein wirtschaftlichem Aspekt betrachtet, gab es in dem Besucherbergwerk einen für Museen sehr hohen Grad der Refinanzierung. Das Besucherbergwerk ist politisch nicht gewollt. Das ist peinlich und nachhaltig negativ für künftige Generationen. 

Wann soll das Buch über das „nicht gewollte“ Besucherbergwerk „Drei Kronen &Ehrt“ nun erscheinen?

Spätestens Mitte September 2016 , dann mit dem Titel „Grube Einheit – Goldener Schatz im Harz“. Wobei das Besucherbergwerk ja nur ein kleiner Teil der Grube und auch des Buches sein wird. Die Auflage wird kleiner sein als beim Buch über die Grube Büchenberg.