Wernigerode l Wer einen Bummel durch die Wernigeröder Innenstadt unternimmt, sollte auf festes Schuhwerk achten. Am Nicolaiplatz beispielsweise tun sich Löcher im Pflaster auf, manche Steine sind regelrecht zerbröselt. „Mit Hackenschuhen kann man in Teilbereichen nicht mehr laufen“, sagt Christian Linde. Weil die Wege unter dem Winterfrost weiter gelitten haben, hat das parteilose Stadtratsmitglied (CDU-Fraktion) angefragt, was die Stadtverwaltung unternimmt und was das kostet.

Das Problem ist ein Dauerbrenner: Die für die Gehwegsanierung in der Innenstadt verwendete Grauwacke aus China begann bereits nach kurzer Zeit zu bröckeln. Das bedeutet seit Jahren zusätzlichen Aufwand für die Stadt. „Seit 2011 wird das kaputte Grauwacke-Pflaster sukzessive durch Granit ausgetauscht“, informiert Wernigerodes Bauamtsleiter Jörg Völkel in einer schriftlichen Antwort auf Lindes Anfrage.

Burgstraße soll bis Herbst erneuert werden

Als erstes war der Streifen für Bänke und Fahrradständer in der Breiten Straße an der Reihe. Danach wurde das dortige Mosaikpflaster ausgetauscht. 2014 sind Teile des Belags am Nicolaiplatz erneuert worden. Die stark geschädigte Zufahrt der Marktstraße wurde ebenfalls instandgesetzt. Seit 2015 sind Bauarbeiter in der Burgstraße beschäftigt. „Der Pflasteraustausch bis zur Polleranlage Ecke Liebfrauenkirchhof soll noch im dritten Quartal dieses Jahres abgeschlossen werden“, so Völkel. Dann wären laut Plan die geschädigten Flächen wieder in einem einwandfreien Zustand. Außerdem steht eine weitere Teilfläche am Nico auf dem Sanierungsplan. Rund 70 Prozent des Pflasters auf dem Platz wären dann erneuert, so Völkel.

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Damit ist aber nicht alles erledigt. „Große Probleme hat die Stadt noch im Bereich Am Vorwerk, Marktstraße, Teichdamm, Klint sowie in einem Teilabschnitt der Albert-Bartels-Straße“, teilt der Bauamtsleiter mit. Geplant ist, die Pflastersanierung ab 2017 Am Vorwerk fortzusetzen. Dann soll ebenso der letzte Abschnitt am Nico erneuert werden. 2018 geht es an Teichdamm und Klint weiter. Ein Ende ist „nicht vor 2019“ in Sicht.

80 000 Euro pro Jahr für Reparaturen

Rund 80 000 Euro pro Jahr veranschlagt die Stadtverwaltung für die Reparatur der Schäden. Das ist ein geschätzter Durchschnittswert. „Wir schreiben die Arbeiten jedes Jahr neu aus“, erklärt Kai Bleßmann vom Bauamt. Von 2012 bis 2019 summieren sich die Kosten demnach auf mehr als eine halbe Million Euro.

Das ist der Grund, warum sich die Instandsetzung hinzieht. „Der Zeitplan ist lediglich finanztechnisch begründet“, heißt es in der Antwort auf Lindes Anfrage. Es gebe eine Prioritätenliste der am stärksten betroffenen Bereiche. „Wir arbeiten diese nach und nach in größeren Abschnitten ab“, so Bleßmann. Bis der Haushalt verabschiedet sei, könne in diesem Jahr jedoch nur erledigt werden, was zur Erfüllung der Verkehrssicherungspflicht nötig sei. Der Bauhof habe ständig ein Auge auf die bröckelnden Steine, versichert Bleßmann.

Zweifel an Verkehrssicherheit

Mancherorts wie Am Vorwerk habe er jedoch Zweifel, sagt Christian Linde. „Dort bewegen wir uns im Bereich der Unfallgefahr.“ Er verweist auf ein Urteil des Bundesgerichtshofs. Das Land Berlin musste demnach einer Fußgängerin, die auf einem maroden Gehweg gestürzt war, Schadenersatz zahlen. Mit der Antwort der Stadtverwaltung ist Linde noch nicht zufrieden und will nachfassen. „Ich wünsche mir noch präzisere Angaben.“