Wernigerode l „Polizei Wernigerode, Schott.“ Drei Worte, die vielen Anrufern im Kommissariat Wernigerode bestens bekannt sind. Seit sechs Jahren meldet sich Tilo Schott mit jenen Worten am Apparat des Dienststellenleiters. Das ist nun Geschichte. Am heutigen Mittwoch, 27. April, wird der knapp 61-Jährige, der längst so was wie eine Instanz geworden ist, in den Ruhestand verabschiedet.

In zwei Durchgängen, weil einige Gäste erwartet werden, wie Schott lächelnd hinzufügt. Was nicht wirklich überrascht. Nach insgesamt 42 Jahren im öffentlichen Dienst, davon 28 in Polizeiuniform und 13 in Führungspositionen, ist Schott im Harz vor allem eines: bekannt wie ein bunter Hund.

Dass Tilo Schott heute mit einem goldenen Stern auf den Schulterstücken als Polizeirat in Pension geht, ist freilich ein gutes Stück Zufall. „Eigentlich“, kramt er beim Tässchen Kaffee in seiner Vergangenheit, „sprach zunächst alles für eine Karriere bei der Feuerwehr“.

Mit 18 Jahren zur Feuerwehr

Im erzgebirgischen Aue geboren, habe es ihn früh zu den Floriansjüngern hingezogen. Weil er mit 18 Jahren noch keine klaren Berufsvorstellungen hat, helfen Kollegen ein bisschen. „Sie haben mich eingefangen – und zack, war ich bei der Berufsfeuerwehr“, verrät Schott. Netter Nebenaspekt Mitte der 1970er Jahre: Die Offizierslaufbahn bei der Feuerwehr erspart ihm den „Ehrendienst“ bei der Armee.

Dafür werden mit dem Wechsel zum Brandschutz-Studium an die Fachhochschule Magdeburg die Weichen Richtung Sachsen-Anhalt gestellt. 1980 folgt der 25-Jährige dem Ruf als Ausbilder an die Feuerwehrschule in Heyrothsberge, der damals zentralen DDR-Ausbildungsstätte.

Schott vermittelt das A und O der Brandbekämpfung, ist selbst mit Leib und Seele Feuerwehrmann und muss doch acht Jahre später mit seiner inneren Berufung brechen. „Der private Magnet hat mich mit unheimlicher Kraft nach Wernigerode gezogen“, plaudert er aus. Bei der dortigen Feuerwehr gibt es jedoch keinen passenden Posten. Was kein wirkliches Problem ist: Innerhalb der „bewaffneten Organe“ wechselt Schott zur Polizei und wird 1988 Diensthabender im Volkspolizei-Kreisamt.

2003 nach Wernigerode zurück

Auch dort ist der 38-Jährige mit Feuereifer dabei. Er erlebt und „überlebt“ als Polizist die Wende und macht weiter Karriere. Er ist Dienststellenleiter in Blankenburg, Chef des Lage- und Führungszentrums der Polizeidirektion Halberstadt und landet schließlich 2003 wieder in Wernigerode, der „schönsten Polizeidienststelle des Landes“, wie Schott schmunzelnd sagt. „Der Blick aus meinem Büro auf den Nicolaiplatz – einfach genial.“

Heute kann der passionierte Radler und Wanderer mit Abstand auf fast drei Jahrzehnte Polizeidienst zurückblicken. Das Jahr 2001 bleibt unauslöschlich eingebrannt: Im Herbst sorgen Terroranschläge in New York und Washington für weltweites Entsetzen, Schott muss als Chef des Lagezentrums Tagungen mit hochrangigem Besuch vorbereiten. Im Mai tagen die Innenminister der Länder auf dem Brocken. Im Oktober, wenige Tage nach den Anschlägen in den USA, trifft Kanzler Gerhard Schröder den spanischen Ministerpräsidenten Jose Maria Aznar in Quedlinburg.

Einen Monat später kommt die Innenministerkonferenz in Meisdorf zusammen. Im Harz gilt stets die höchste Sicherheitsstufe, allein Schröders Spitzentreffen wird von 1.000 Beamten abgesichert. „Eine wahnsinnige Anspannung für alle, denn ein Zwischenfall wäre die totale Katastrophe. Aber es ist alles glatt gelaufen.“

Schott ist längst Profi, Teamplayer und durch und durch Polizist. Seine Pensionierung verschiebt er um ein Jahr. Nun aber, den 61. Geburtstag Ende Mai im Blick, sei endgültig Schluss. „Es wird ja nicht unbedingt besser bei der Polizei.“ Zu viel Arbeit, zu wenig Personal, wenig motivierende Mangelverwaltung eben.

Nachfolgerin wird Anja Hempel

Was er sich für die Polizei wünsche? „Ich hoffe für die Kollegen, dass es personell wieder besser wird.“ Zwar habe die neue Landesregierung Korrekturen angekündigt – bis neues Personal verfügbar sei, werde es aber noch Jahre dauern. „Außerdem brauchen wir eine Aufgabendiskussion: Was muss Polizei machen? Wie aufwendig müssen Bagatellunfälle registriert werden?“ Und mehr Motivation sei wichtig: „Wer die Arbeit gut macht, sollte wieder Beförderungschancen haben.“

Tilo Schott schwelgt derweil in der Vorfreude auf mehr freie Zeit. Radfahren, Wandern, Skifahren. Obendrein habe er vier Kinder und sieben Enkel – „die verplanen meine Freizeit gleich mit“. Und dann engagiert sich Schott noch im Förderverein der Feuerwehr Darlingerode.

Übrigens: Ab Mai heißt es am Telefon: „Polizei Wernigerode, Hempel.“ Die 42-jährige Anja Hempel, bislang eine von sechs leitenden Einsatzbeamten im Harz, übernimmt das Amt von Tilo Schott.