Thale l „Wenn wir so viele Polizisten wie vor 20 Jahren hätten, bräuchten wir die Citystreife nicht“, ist Thales Bürgermeister Thomas Balcerowski (CDU) überzeugt. Seit anderthalb Jahren baut die Stadt Thale auf die Unterstützung eines Sicherheitsunternehmens bei der Prävention von Kleindelikten und Vandalismus. „Wir haben damals Schäden an Schulen, Spielplätzen und Verwaltungsgebäuden verzeichnet“, erinnert sich Balcerowski im Volksstimme-Gespräch.

Reaktion auf Polizeireform

Seit über zehn Jahren lässt die Thalenser Verwaltung ihre Liegenschaften von einem Sicherheitsdienst bewachen. Den Service habe man als Reaktion auf die Polizeireform ausgeweitet.

Seitdem gebe es deutlich weniger Schäden, sagt Balcerowski. „Wir konnten Kleinkriminelle und gröhlende Jugendliche verdrängen. Durch die Präsenz der Citystreife ist ein höherer Verfolgungsdruck entstanden. Spitzbuben sind auf der Hut.“ Die Streife ist von Einbruch der Dunkelheit bis 6 Uhr morgens im Einsatz. Die Kosten teilt sich die Kommune mit Unternehmen, die ebenfalls von der Firma bewacht werden.

Jedermannsrecht gilt

Dirk Krabbes leitet die Citystreife in Thale. „Wir sind mit zwei Autos sieben Tage pro Woche in Thale unterwegs“, so der Geschäftsführer eines Sicherheitsdienstes. Für eine Stadt in der Größenordnung von Wernigerode seien wenigstens sechs Leute in drei Fahrzeugen einzusetzen, schätzt er. Seine Mitarbeiter seien geschult. Sprich, sie verfügen über die Unterrichtung für Bewachungspersonal nach § 34 a Gewerbeordnung. Im Gegensatz zur Citystreifen-Idee für Wernigerode treiben sie keine Bußgelder ein. Sie nutzen das sogenannte Jedermannsrecht.

Begleitet wird die Citystreife von einem Mitarbeiter des Thalenser Ordnungsamtes. Dieser ist bis 2 Uhr nachts mit unterwegs. „Ja, ich habe die Kollegen verpflichtet, Nachtschichten einzulegen“, sagt Thomas Balcerowski. „Ich bin verantwortlich für die Ordnung und Sicherheit in Thale. Und wenn ich der Meinung bin, dass wir ein Problem haben, dann muss ich entsprechend handeln.“ Er plädiere in der Debatte um eine Citystreife generell für mehr Pragmatismus. „Und das, was für Kommunen eine Besonderheit ist, wird im privaten Bereich schon lange umgesetzt“, so Balcerowski.

Polizei äußert sich nicht

Dirk Krabbes und Thomas Balcerowski sagen, die Citystreife habe bereits mehrere Übeltäter auf frischer Tat überführt, etwa betrunkene Autofahrer und randalierende Jugendliche. Allerdings alles auf dem Grund und Boden der städtischen Liegenschaften. Auf den Straßen sei die Polizei verantwortlich. Wie die Polizei die Citystreife einschätzt, bleibt derweil offen. Die Frage, ob die Kriminalität in Thale signifikant gesunken sei, konnte die Pressestelle im Revier Harz nicht beantworten.