Blankenburg l Warum das Eigenheim immer auf der grünen Wiese bauen? Auch in den Innenstädten gibt es oft noch genügend Bauland, man muss es nur entdecken. Die Architektenkammer Sachsen-Anhalt hat sich dieser Aufgabe angenommen und lobt deshalb den Wettbewerb „Mut zur Lücke“ aus, der mit Unterstützung des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr jetzt in die fünfte Runde ging – erneut unter Beteiligung der Stadt Blankenburg. Diese hatte sich bereits 2011 an der zweiten Staffel beteiligt, realisiert wurden die Ferienhäuser an der Schulstraße mit ihrer schlichten aber markanten Architektur.

Diesmal hatten sich Architekten, Stadtplaner und Bauherren eine größere Lücke in Blankenburgs Stadtbild vorgenommen. Das Grundstück Katharinenstraße 2 bis 4 liegt seit vielen Jahren brach und wird zurzeit provisorisch als Parkplatz genutzt. Mit einbezogen in den Wettbewerb waren die Grundstücke Katharinenstraße 1 und Tränkestraße 14 bis 16 mit ihrer historischen denkmalgeschützten Bebauung. Hier galt es eine zeitgemäße, aber auch für den Bauherrn bezahlbare Lösung zu finden.

Zehn Teilnehmer

Zehn Architekturbüros beteiligten sich an dem Wettbewerb um die beste Idee, aus dem schließlich das Büro „Urbisch Architekten“ aus Osterwieck als Sieger hervorging. Zuvor hatte die Jury unter Vorsitz von Professor Axel Teichert, Präsident der Architektenkammer Sachsen-Anhalt, getagt und die eingegangenen Entwürfe eingehend geprüft. Dem Preisgericht gehörten neben Architekten und Städteplanern auch Joachim Eggert, Fachbereichsleiter für Planung und Bauen, als Vertreter der Stadt sowie der Bauherr Steffen Seiffert an. Alle eingegangenen Entwürfe wurden im historischen Ratssaal der Öffentlichkeit vorgestellt und die drei bestplatzierten Entwürfe ausgezeichnet.

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„Der Entwurf wertet das Viertel in der Katharinenstraße durch den Lückenschluss auf, er bietet eine moderne Wohnform, ist insgesamt wirtschaftlich und geht sensibel mit der historischen Situation um“, begründet das Preisgericht seine Entscheidung. Entstehen sollen hier sogenannte „Stadthäuser“, die zwar nach außen einen geschlossenen Baukörper bilden, aber einzeln als in sich abgeschlossene Gebäude genutzt werden können. Helle Räume mit viel Licht sollen durch das Prinzip des „Durchwohnens“ entstehen, erläutert Helmut Urbisch, Inhaber des Siegerbüros, seinen Plan: Es gibt zwischen Vorder- und Rückseite des Gebäudes keine trennenden Wände. Bei Bedarf könnten die dreigeschossigen Gebäude aber auch in zwei übereinander liegende Wohnungen aufgeteilt werden, erläutert er. Die Eckbebauung sei barrierearm geplant und werde mit einem Lift versehen.

Der zweite Preis geht an das Büro „Frießleben Architekten BDA“ aus Halle. „Flexibilität der Grundrisse und Wohnformen, die breite Schichten ansprechen“, sieht Peter Frießleben als Hauptvorteil seines Entwurfs: „Ich wünsche mir an dieser Stelle durchmischtes Wohnen.“

Entwürfe besichtigen

Besonderen Mut zur Lücke beweist das drittplatzierte Büro von Falk Zeitler, ebenfalls aus Halle. Geplant seien kleine Eigenheime, die auch optisch voneinander getrennt sind, erläutert Tobias Kilz-Weisenburger, der an dem Entwurf beteiligt war.

Fachbereichsleiter Joachim Eggert zeigt sich begeistert von der Vielfalt der Entwürfe: „Hier waren zahlreiche Herausforderungen zu meistern.“ Auch die Denkmalpflege habe ein gewichtiges Wort mitzureden gehabt. „Bis zum Schluss spannend“, nennt Kammerpräsident Axel Teichert den Wettbewerb, „hier können auch junge Büros ihre Ideen vorstellen, immer zum Vorteil der Stadt.“ Nun liegt es an Steffen Seiffert, die Aufgabe zu realisieren. Allerdings werde bis zum Baustart noch etwas Zeit vergehen, sagt er. Auch habe er sich noch nicht entschieden, welcher der drei Siegerentwürfe zum Zuge kommt. Vielleicht laufe es auch auf eine Kombination von Ideen aus allen dreien hinaus, sagt der Bauherr, der in Blankenburg bereits mehrere Objekte saniert und erfolgreich vermietet hat.

Wer sich die zehn Wettbewerbsbeiträge in ihrer ganzen Spannweite von konventionell bis gewagt ansehen möchte, hat dazu bis zum 30. November Zeit. Sie werden jeweils montags, donnerstags und freitags von 14 bis 16 Uhr, mittwochs von 14 bis 15 Uhr sowie am Dienstag, 27. November, von 14 bis 18 Uhr im Ratssaal öffentlich ausgestellt. Während der Ausstellungszeit haben die Bürger und Bürgerinnen die Möglichkeit, ihren ganz persönlichen Gewinner mittels Stimmzettel zu bestimmen.