Literatur im Harz

Auf den Spuren der Stadtkatze

Von Von Johanna Ahlsleben

Wernigerode. Endlich ist Charlotte Neumanns Wunsch in Erfüllung gegangen: „Ich habe immer davon geträumt, dass mein eigenes Buch eines Tages im Schaufenster steht. Und kurz vor Ostern war es dann soweit. Ich habe mich gefreut wie ein kleines Kind.“ „Die Stadtkatze“ heißt ihr Werk, auf das Charlotte Neumann sichtlich stolz ist. Gewidmet hat sie es ihren beiden Töchtern, ihren zwei Patenkindern und allen „Zwergen“ in und um Wernigerode.

Katzen sind aus dem Stadtbild Wernigerodes nicht wegzudenken. Man trifft sie an jeder Ecke. Es gibt dicke und dünne, graue oder rote sowie gestreifte oder gefleckte. Die Hauptfigur des Kinderbuchs ist ebenfalls ein Kätzchen. Sie ist flink, geschickt und fühlt sich überall in der bunten Stadt am Harz heimisch.

Tierische Abenteur

In ihrem Kinderbuch beschreibt die 33-jährige Charlotte Neumann, wie die Katze hier in Wernigerode die schönsten Abenteuer erlebt. Mal sonnt sie sich an der Blumenuhr und lauscht dem sanften Summen der Bienen. In einer anderen Geschichte macht sie sich auf den Weg und besucht ihre rote vierbeinige Freundin im nicht weit entfernten Darlingerode. Vom Agnesberg oberhalb des Schlosses sieht sie zu, wie die Sonne langsam untergeht und die Stadt in ein nächtliches Blau getaucht wird. Und einmal wagt sich die Stadtkatze sogar auf eine weite Reise: Am Westerntor hört sie die dampfende Schmalspurbahn und springt kurzerhand auf und fährt in Richtung Brocken.

Übrigens: Die Geschichte von der Brockenfahrt ist neben der von dem Weg zur Quelle eine der Lieblingsgeschichten von Charlotte Neumann selbst. Insgesamt bekommen die Leser in 20 verschiedenen Episoden einen Einblick in das Leben der kleinen Stadtkatze in der Harzstadt.

Neues Zuhause

Dabei kommt die Autorin gar nicht aus Wernigerode. Eigentlich hat die Charlotte Neumann ihre Wurzeln in Berlin. Betriebswirtschaftslehre habe sie in Frankfurt an der Oder an der Europauniversität Viadrina studiert. Später hat sie sich aber noch einmal beruflich umorientiert und eine Ausbildung zur Kindererzieherin absolviert. „Als wir in der vierten Klasse auf Hortfahrt in Wernigerode waren, stand ich im Lustgarten und habe gesagt: Hier möchte ich später wohnen.“ Gesagt, getan. Seit 2017 nennt sie Wernigerode ihr Zuhause. Bei Spaziergängen durch die Stadt haben ihre Töchter sie erst auf die sogenannte „Stadtkatze“ aufmerksam gemacht.

Die Autorin selbst beschreibt sie als mutig, neugierig und souverän: „Sie macht einfach ihr Ding, ohne lange darüber nachzudenken, wie ein Kind.“ Tatsächlich können die Kinder, die in Wernigerode wohnen oder die Stadt besuchen, so gut wie alle Abenteuer der Stadtkatze auch selbst erleben. „Nur den Besuch der Stadtkatze im Rathaus, wo sie sogar den Glockenturm erreicht, können die Kinder nicht nachmachen“, fügt die Kindererzieherin hinzu.

Phantasie anregen

Mit ihrer bildhaften Sprache möchte die gebürtige Berlinerin vor allem Kinder im Alter von vier bis acht Jahren dazu anregen, ihrer Fantasie freien Lauf zu lassen. Aus diesem Grund habe sie der Katze auch bewusst keine äußerlichen Merkmale wie die Fellfarbe zugeschrieben. Somit könnte jede Katze in Wernigerode die Stadtkatze sein.

Ganze fünf Monate schreibt Charlotte Neumann die Geschichten des Kätzchens nieder. Zusätzlich illustriert sie die verschiedenen Abenteuer. Das habe noch einmal zwei Monate Zeit in Anspruch genommen, verrät sie.

Eigene Illustrationen

Allein für die Zeichnung des Rathauses auf dem Cover habe sie dreimal ansetzen müssen, ehe sie mit dem Ergebnis zufrieden war. Gezeichnet hat sie übrigens mit Aquarellstiften, die zunächst wie Buntstifte wirken, aber in Berührung mit Wasser verlaufen. Das Buch eigne sich gut zum Vorlesen oder als Gute-Nacht-Geschichte, empfiehlt die Autorin.

Spaß am Schreiben hat die Wahl-Wernigeröderin schon seit mehr als zehn Jahren. Sie wollte auch schon immer ein eigenes Werk rausbringen. Doch erst im November des vergangenen Jahres ist es soweit gewesen. Veröffentlicht hat sie es auch nicht unter ihrem richtigen Namen, sondern unter dem Pseudonym Charlotte Bamberger.

Die erste Auflage mit 70 Exemplaren sei bereits ausverkauft, sagt die Autorin. Die zweite Auflage ist nun erhältlich. Dieses Mal mit 100 Exemplaren. Zudem habe sie an manchen Illustrationen noch einmal Hand angelegt und nachgearbeitet. Den Druck übernimmt die Harzdruckerei. Unterstützung bei der Bildbearbeitung und beim Layout bekommt sie von Freunden.

Neue Ideen

Ob es nach der Stadtkatze ruhig um die Autorin wird? Ganz sicher nicht. Denn in ihrem Kopf schlummern noch viele Bücherideen. Zum Beispiel soll in Zukunft ein Buch über den Stadtkater in die Regale einziehen. Welche spannenden Abenteuer er erlebt, bleibt noch geheim. Charlotte Neumann schreibt aber auch für ältere Leser. Gerade arbeitet sie an einem Buch, welches in zwei verschiedenen Zeitebenen spielt: heute und vor 500 Jahren in Wernigerode.