Wernigerode l Wernigerode geht um die Welt. Zumindest bis in die USA hat es die bunte Stadt am Harz schon geschafft. Eine Straßenansicht der Westernstraße tourt derzeit mit vielen anderen Fotos in Städten wie Kansas-City, Houston und Seattle. „Germany Street Fronts“ heißt die Ausstellung im Deutschlandjahr USA in den Goethe-Instituten gezeigt wird. „In multiperspektivischen Streetlines präsentieren wir in kompletten Straßenzügen die Vielfalt und Komplexität des Stadtbilds Deutschlands“, erläutert Jörg Dietrich, der die Ausstellung entwickelt hat.

Was macht die moderne deutsche Stadt aus? Dieser Frage sind sein Team und er in etwa 90 Bilderperspektiven aus mehr als 40 deutschen Städten nachgegangen. Welche Rolle spielt dabei das Baukulturerbe für das Stadtbild? Wie wirkt es sich auf Identität, Attraktivität und Lebensgefühl aus? Welche Spuren hinterlassen Veränderungen im Laufe der Zeit und in einer sich wandelnden Gesellschaft im Stadtbild? Wie fügen sich Architekturstile verschiedener Epochen im deutschen Stadtbild zusammen?

Alle Regionen des Landes

„Unsere Beispiele zeigen in Themenabschnitten zusammengefasst alle Regionen unseres Landes“, so der Leipziger Fotograf. Darunter Rostock im Norden, Freiburg im Süden, Monschau im Westen, Görlitz im Osten und eben auch Wernigerode.

Bilder

Wernigerode vertrete neben anderen Städten den Typus Fachwerk und gleichzeitig auch die Harzregion, so Dietrich auf Volksstimme-Nachfrage. „Das wäre natürlich beispielhaft auch mit anderen Städten möglich gewesen, aber warum nicht das schöne Wernigerode?“ Zudem man in anderen Fachwerkstädten auch nicht so schön geschlossene Straßenfronten finde, so Jörg Dietrich.

Aufwändige Technik

Entstanden sind die Panoramaansichten von Wernigerode und den anderen beteiligten Städten in einer bestimmten Methode. Es sei „relativ aufwändig“, die Straßenbilder zu erstellen, sagt der Leipziger. „Man kann schnell eine Arbeitswoche in eine Straßenansicht stecken. Was es spannend macht, ist das Gefühl der Entdeckung.“ Statt den typischen Blick von einem Standpunkt aus abzubilden, wurden für die Panoramen Aufnahmeserien von mehreren Positionen entlang der jeweiligen Straße aufgenommen. In einem nahtlosen Panoramablick, der sogenannten Streetline, kann der Betrachter die Straßenfassade visuell entlang spazieren. Als Fotograf erarbeite er schrittweise etwas Bekanntes, nur habe es wegen der räumlichen Situation vor Ort zuvor noch nie jemand so gesehen.

Zustande gekommen ist das Ausstellungsprojekt im Jahr der deutsch-amerikanischen Freundschaft. Zum Deutschlandjahr USA habe es Anfang 2018 eine Ausschreibung gegeben, auf die sich Dietrich mit seiner Idee beworben hatte. „Kurz darauf habe ich die Zusage bekommen.“ Das Goethe-Institut sei ausführender Partner des Deutschlandjahres. Das Auswärtige Amt finanzierte und der Bundesverband der Deutschen Industrie unterstütze das Deutschlandjahr.

Die Resonanz auf das Ausstellungsprojekt sei „sehr gut“, schätzt der Fotograf ein. Soweit man das von Deutschland beurteilen kann. „Wir bekommen nur positives Feedback von den Ausstellungsorten“, berichtet Jörg Dietrich. „Vor allem erfreut es die Besucher, Orte, die sie einst besucht haben, in völlig neuer Perspektive wiederzuentdecken.“ Beim Ausstellungsabschluss in Seattle war der Künstler selbst zu Besuch. Auch dort seien die Reaktionen durchweg positiv gewesen.

Wie Jörg Dietrich verrät, plant die Architektenkammer Sachsen, die Ausstellung auch nach Deutschland zu holen. „Dann besteht eventuell die Möglichkeit, sie in weiteren Orten zu zeigen.“