Wernigerode l „FC Einheit, Rosa-Luxemburg-Str. 28 c“ steht auf dem neuen Briefkasten, den Helmut Hohmann mitgebracht hat. Das Geschenk des früheren langjährigen Vereinspräsidenten ist nicht nur praktisch, sondern symbolisiert auch: Der Wernigeröder Fußballclub, dessen erste Mannschaft gerade den Aufstieg in die Verbandsliga geschafft hat, besitzt ein neues Heim – und dazu eins, das sich sehen lassen. Das moderne Multifunktionsgebäude bietet den knapp 300 Vereinsmitgliedern alles, was sie lange vermisst haben. „Viele haben nicht mehr daran geglaubt, dass dieses Gebäude hier entsteht“, sagte Hohmanns Nachfolger Hartmut Kläfker bei der Einweihung am Mittwoch.

Er bedankte sich bei den Fördermittelgebern und Sponsoren sowie allen anderen Unterstützern, sei es in den Verwaltungen von Stadt und Kreis, in in der Politik, bei den am Bau beteiligten Firmen sowie anderen hiesigen Unternehmen. „Allein hätten wir das nicht so hinbekommen“, so Kläfker.

Lars Ahlsleben erinnerte an „Wir hatten eine sehr schwierige Zeit hier oben“, sagte der stellvertretende Vereinspräsident. Jahrelang habe man nur mit Ausnahmegenehmigung spielen können. Angesichts der unhaltbaren Zustände liefen Mitglieder davon, meldeten Eltern ihre Kinder erst gar nicht an. Viele hätten in dieser Zeit gezweifelt oder resigniert. „Aber mithilfe der Unterstützer haben wir durchgehalten.“

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Besuch auf der Toilette

Das beste Argument war der Zustand des alten, maroden Vereinsheims, was sogar den Innenminister überzeugt habe, berichtet Ahlsleben. Bei einem Besuch bei Einheit habe Holger Stahlknecht (CDU) die Toilette aufsuchen müssen. „Danach hat er gesagt: Hier muss etwas passieren.“

Zur Einweihung gratulierte in Stahlknechts Namen Tamara Zieschang (CDU), Staatssekretärin im Innenministerium. Als Amtsträgerin und Sportlerin sei ihr bewusst, wie wichtig solche Gebäude für die Vereine seien – und dass ihr Zustand von Ort zu Ort sehr unterschiedlich sei. „Wir haben ein Interesse daran, dass Menschen miteinander Sport treiben“, so Tamara Zieschang.

Nicht immer könnten Vereine und Kommunen eine Instandsetzung allein stemmen, und nicht immer könne das Land so großzügig helfen wie im Fall des FC Einheit, der gut eine Million Euro Förderung für das Vereinsheim erhielt.

Infrastruktur ist nötig

Das Geld sei gut angelegt, betonte Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert (parteilos). „Sport verbindet und fördert junge Menschen“, sagte er. Wer dies wolle, müsse für eine entsprechende Infrastruktur sorgen. „Das gehört unmittelbar zur Stadtentwicklung“, so der Stadtchef.

Rund 1,5 Millionen Euro hat der Bau am Ende gekostet – geplant waren rund 1,34 Millionen Euro. Die Erhöhung sei mehreren Änderungen geschuldet, die im Verlauf der Planung seit 2013 nötig geworden seien, so Architektin Veronika Roth. So habe man nicht, wie ursprünglich vorgesehen, Kraftsportler und Schützen mit in das Gebäude aufnehmen können. Stattdessen musste die Zahl der Umkleiden erhöht werden. Auf Klagen von Nachbarn hin wurden Schallschutzfenstern eingebaut.

Sechs Umkleiden für Männer, Frauen und Kinder sind in dem rund 750 Quadratmeter großen Haus untergebracht. Das zweigeschossige Gebäude, das in den Hang hineingebaut wurde, sei ohne Aufzug barrierefrei zugänglich, sagte die Architektin beim Rundgang. Hinzu kommen ein Multifunktionsraum, Büros für Geschäftsstelle und Schiedsrichter sowie Räume für die Haustechnik und als Lager. In einer Garage stehen der Rasentraktor und andere Geräte.

Optisch wurde das Gebäude in den Vereinsfarben Rot und Weiß gestaltet, die durch ein dezentes Blaugrau ergänzt werden. Die Malerarbeiten im Wert von 36.000 Euro hätten die Vereinsmitglieder selbst erledigt, so Veronika Roth. Rund um den Fußballplatz muss nun die Stadtverwaltung letzte Arbeiten erledigen – Bänke für Trainer und Auswechselspieler sowie Geländer aufstellen und die Spielfeldränder befestigen. Pünktlich vor dem ersten Heimspiel am 18. August soll alles fertig sein, verspricht Silvia Lisowski, Amtsleiterin für Schule, Kultur und Sport bei der Stadtverwaltung.

Ein Wunsch sei aber offen, so Kläfker: Eine Tribüne hat der Verein seit dem Abriss des alten Bauwerks nicht mehr. „Wir wollten zwischen Kunstrasen- und Hauptplatz eine neue Tribüne errichten.“ Kommentar