Schierke l Bis wieder fröhliches Kinderlachen durch die Räume der Schierker Kindertagesstätte hallt, wird noch viel Zeit vergehen. Wann die Bauarbeiten abgeschlossen sind? „Das kann ich nur theoretisch beantworten“, so Frank Beimel in der Sitzung des Sozialausschusses. „Sollten wir neue Fördergelder bekommen, könnten wir Ende 2017 fertig sein“, sagt der Bauamtsmitarbeiter. Bisher habe man jedoch noch nichts aus Magdeburg gehört.

Seit 2013 ist die Kindertagesstätte Baustelle, soll für gut eine Million Euro saniert werden. 75 Prozent davon stammen aus dem Förderprogramm „Stadtumbau Ost“. 250 000 Euro stemmt die Stadt. Doch das Geld ist längst verbaut. Schon im November 2015 hatte Wernigerodes Baudezernent Burkhard Rudo darüber informiert, dass eine Million Euro nicht reichen würde, dass 700 000 Euro mehr benötigt werden. Mindestens. Das voraussichtliche Bauende wurde seither mehrfach verschoben - von Ende 2015 auf Juni 2016. Und nun Ende 2017 – vielleicht.

Grund dafür ist der miserable Zustand des Gebäudes. Bei der Dachsanierung stellten die Bauleute fest, dass sich Hausschwamm ausgebreitet hatte. Im Verlauf der Arbeiten wurde offensichtlich, dass 90 Prozent der Bausubstanz von dem Schädling befallen sind. Dazu kommt, dass das Haus ohne Fundament errichtet wurde. „Das Ding stand im Dreck“, drückt es Frank Beimel drastisch aus. Zudem gebe es erhebliche statische Probleme. Die gesamte Last des Daches drücke auf die Wände. Das Mauerwerk sei mehr als marode. „Das Gebäude ist so baufällig, es hätte jeder Zeit zusammenfallen können.“

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Trotzdem hält man im Wernigeröder Rathaus an der Sanierung fest. „Wir haben die Entscheidung, das Haus als Kindergarten zu erhalten, lange abgewogen“, sagt Sozialamtschefin Petra Fietz auf Nachfrage. Das Haus sei denkmalgeschützt, habe ortsbildenden Charakter. „Zu Beginn der Bauarbeiten konnte man den Schaden ja nicht absehen“, so Petra Fietz. „Es wurde dann immer mehr.“ Jetzt aufzuhören, stehe nicht zur Debatte.

Komplizierte Baustelle

Das Dach ist inzwischen fertiggestellt. Der Hausschwamm im Gebäude sei, „so gut es ging“, beseitigt worden. „Komplett wird man ihn ja nie los“, sagt Frank Beimel. Sämtliche Wände des Komplexes müssen abgetragen und neu gemauert werden. „Das ist eine ziemlich komplizierte Baustelle“, schätzt der Bauamtsmitarbeiter ein. Denn während der Arbeiten sei es notwendig, Dach, Zwischendecken und Mauern zu stützen. „Ein erheblicher Konstruktionsaufwand.“

Die 13 Schierker Mädchen und Jungen, die die Einrichtung normalerweise besuchen, werden seit Anfang 2015 in Elend betreut. Nach dem Sommer kommen noch einige dazu“, informiert Petra Fietz. Die Anmeldungen würden sich allerdings in Grenzen halten. Maximal könnten 30 Kinder in der Tagesstätte aufgenommen werden, so die Sozialamtschefin. Sollte der touristische Aufschwung in dem Wernigeröder Ortsteil einsetzen, rechne man mit deutlich mehr Kindern. Darüber hinaus denke man über eine zusätzliche Nutzung des Hauses nach, da die Tagesstätte allein das Gebäude vorerst nicht auslasten wird. So soll wie früher ein Jugendraum hergerichtet werden. Außerdem gibt es Überlegungen, in einem der Räume Freizeitaktivitäten für Urlauberkinder anzubieten.

Hintergrund: Die Tagesstätte wurde einst als Kirche genutzt. Mit einer Taufe ist das Gotteshaus im Jahr 1691 geweiht worden. Das Gebäude wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach vergrößert. Von 1949 bis 1960 diente es erstmals als Kindergarten sowie als öffentliche Lesehalle und Bibliothek für Touristen und von 1971 bis 2014 wieder als Kindergarten.