Benneckenstein l Knapp 60 Teile hat das Riesenpuzzle, das auf dem Hof des Ostdeutschen Fahrzeugmuseums Benneckenstein in die Höhe wächst. Jede einzelne der Plastikschalen ist mehrere Meter lang, das Gesamtwerk soll zwölf Meter groß werden: Auf dem Außengelände der Ausstellung hat das Team um Mario Tänzer mit dem Aufbau der neuesten Attraktion begonnen: Einer Abhörkuppel, die einst auf dem Brocken stand.

22 Tonnen schwer

„Ein echtes Stück Heimatgeschichte“, sagt Tänzer. Dass das sogenannte Radom nun so nahe seines einstigen Stand- und Einsatzortes wieder zusammengesetzt wird, sei ein glücklicher Zufall: Die Kuppel ist ein Geschenk aus dem niedersächsischen Lehrte.

Dennoch sei der – trotz glasfaserverstärkter Plastikbauweise – insgesamt 22 Tonnen schwere Koloss nicht zum Nulltarif zu haben. „Der Transport der Einzelteile war extrem aufwendig, dazu das Fundament und die Baugenehmigung, die uns der Landkreis extrem schnell erteilt hat“, zählt der 36-Jährige vom Familienbetrieb in der Stadt am Dreiländereck auf. Er geht davon aus, dass die Kosten für die Rekonstruktion letztendlich im fünfstelligen Bereich liegen.

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Aufbau kompliziert

Erschwerend beim Wiederaufbau: „Die einzelnen Teile sind zwar nummeriert. Wir wissen aber nicht, in welcher Reihenfolge sie montiert werden“, erläutert Tänzer. Besonders erstaunen den Bastler aus Leidenschaft die 2.850 Schrauben, die die Kuppel zusammenhalten. „Auch sie sind nahezu alle komplett aus Kunstsstoffen gefertigt, nicht aus Stahl – um den Radarquerschnitt der Anlage zu senken.“ Bis die Konstruktion aus drei Schalenringen komplett geschlossen ist, vergehen wohl noch zwei Wochen. „Dann wollen wir im Inneren der Kuppel alte Radartechnik zeigen, mystisch angestrahlt von LEDs“, so Tänzers Plan.

Wer im Kalten Krieg unter dem Halbrund residiert und die Lauscher gespitzt hat – Stasi und Rote Armee waren auf dem Plateau in 114 Metern Höhe zwar brüderlich verbunden, trauten sich aber gegenseitig nicht über den Weg – ist unklar. Sicher ist für den Benneckensteiner hingegen, woher die Kuppel stammt. „Sie wurde einst in den Defa-Filmstudios in Potsdam-Babelsberg gebaut – für vier Millionen DDR-Mark“, berichtet er über die „damalige Spitzentechnik“.

Anstrich in Originalfarbe

Die Hochkuppel hat nach dem Einsatz auf dem Abhörberg im Harz weitere bewegte Zeiten hinter sich: Zur Expo 2000 war sie als Ausstellungspavillon in Hannover aufgebaut. „Deshalb müssen wir sie nun wieder umlackieren – zurück zur Originalfarbe“, sagt Mario Tänzer.