Wernigerode l Es ist ein Zufall und Glück zugleich. Als Martin Linne sein neues Projekt der Volksstimme vorstellt, gerät der 48-Jährige ins Schwärmen. Der Professor für Hotelmanagement an der Hochschule Harz möchte in Wernigerode einen Aus- und Weiterbildungsbetrieb in der Hotellerie- und Gastronomiebranche aufbauen. „Und gleichzeitig ein Traditionshaus in der Marktstraße erhalten“, sagt Martin Linne.

Eher zufällig hatte der Elmshorner davon erfahren, dass das Hotel Zur Post durch Schicksalsschläge in der Eigentümer-Familie in Not geraten sei. Bei der Überlegung, dem Familienbetrieb zu helfen, sei ihm die Freundschaft zu Otto Koch als „glückliche Fügung“ zugute gekommen. Der Münchner Sterne-Koch wird in der Szene vor allem als Trainer und Talentförderer geschätzt. Geachtet sei seine École Culinaire, ein jährliches Kursangebot für die besten Köche und Trainer. „Wir haben entschieden, uns zusammenzuschweißen und hier in Wernigerode ein akademisches Lehr-Hotel einzurichten“, sagt Martin Linne.

Von dieser Idee sei man an der Hochschule Harz auf Anhieb begeistert gewesen. Es besteht nun die Absicht, ein neues An-Institut zu gründen. „Das ist etwa gleichzusetzen mit einer Uniklinik für junge Ärzte, nur dass wir hier Aus- und Weiterbildung für unsere Studierenden, für Führungskräfte und Personal in der Hotellerie und Gastronomie anbieten. In Deutschland seien solche Einrichtungen für jedermann bislang Mangelwaren. Anders im Ausland wie zum Beispiel in der Schweiz.

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Hotelmanagerin studiert noch

„Wir wollen unsere Talente hier vor Ort fördern“, betont Martin Linne. Deshalb habe er nach der Gründung einer Betriebsgesellschaft bewusst an der Hochschule Harz nach Verstärkung für das Lehr-Hotel Ausschau gehalten. „Und mich von der Idee begeistert“, wirft Maria Klaes ein.

Die 28-Jährige studiert noch internationales Tourismusmanagement, steht ihrem Chef aber schon als Hotelmanagerin zur Seite. „Ich habe immer während meines Studiums nebenbei gearbeitet“, sagt die aufgeschlossene junge Frau. Sie stammt aus Halle, hat dort Hotelfachfrau im 5-Sterne-Kempinski-Hotel gelernt. Anschließend sammelte sie im In- und Ausland, auch auf einem Kreuzfahrtschiff, Erfahrungen.

„Mit Mitte 20 entschloss ich mich für das Studium in Wernigerode und haben nun eine Chance bekommen, die ich einfach großartig finde“, sagt Maria Klaes. Sie freue sich auf die kreative konzeptionelle Arbeit und auf ihre neue Wahlheimat Wernigerode. „Ich fühle mich hier sehr wohl.“

Küche als Schulungsraum

Das sollen sich auch die Hotelgäste in der „Post“. Die ersten werden dort an diesem Wochenende begrüßt. 15 Zimmer mit rund 30 Betten sind modern eingerichtet. Der Frühstücksraum ist renoviert. Neu im Haus ist ein Seminarraum. Was nun folgt, ist der Umbau der Küche für Schulungs- und Trainingszwecke. Am Konzept für den Gastraum wird noch gearbeitet. „Fakt ist, wir wollen das Restaurant so einrichten, dass es von den Wernigerödern angenommen wird“, sagt Linne. Er sei erst etwas mehr als ein Jahr in Wernigerode tätig, habe aber sehr schnell mitbekommen, wie sehr das Hotel Zur Post in der Bevölkerung geschätzt wird.

Während der Hotelbetrieb an diesem Wochenende, 2. und 3. Februar, wieder aufgenomment wird, müssen sich Gaumenfreunde noch gedulden. „Wir möchten im Mai, spätestens Juni eröffnen.“ In diesem Zeitraum soll übrigens die École Culinaire in der Post in Wernigerode tagen, mit Spitzengastronomen aus dem europäischen Ausland unter Federführung von Otto Koch.