Wernigerode l Auf dem Parkplatz vor dem Wildschwein sind die Flächen mit Kreide wieder gekennzeichnet. 26 Abstellplätze für Pkw stehen Besuchern des Wildparks im Christianental zur Verfügung. Entlang der Zufahrtstraße gibt es noch einige wenige Parkmöglichkeiten.

Mögen die Parkplätze unter der Wochen reichen, brach an Sonntagen oft das Chaos aus. An der engen Schlossstraße parkten Autos. Betreiber der Wernigeröder Kleinbahnen mussten die Polizei rufen, weil kein Durchkommen war. Anwohner gingen auf die Palme, weil sie auf ihre Grundstücke oder Garagen weder ein- noch ausfahren konnten. Schilder "Rettungswege freihalten" wurden ignoriert. Am Ende war es für alle ärgerlich und teuer.

Die Mitarbeiter des Wildparks wurden immer wieder auf fehlende Parkplätze angesprochen. "Wir bekommen vor Ort den Frust ab, schlucken und können nur mit den Achseln zucken", sagt Frank Lüddecke. Die Stadtverwaltung als Betreiber des Parks habe keine Alternative. "Der Parkdruck hat sich wesentlich durch die Sperrung des Aldi-Parkplatzes erhöht", sagt Rathaussprecher Tobias Kascha und fügt hinzu: "Weitere aktivierbare Flächen im unmittelbaren Umfeld, die diesen Verlust abfangen könnten, sehen wir nicht wirklich."

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Aldi verweist auf Lieferverkehr

Doch warum hat die Supermarkt-Filiale im Mühlental die Auffahrt zu ihrem Parkplatz mit einer Kette versperrt? "Es sind verschiedene Gründe", teilt die Pressestelle von Aldi Nord mit. Zum einen handele es sich um einen privaten Kundenparkplatz, "auf dem wir unseren Verkehrssicherungspflichten nachkommen müssen". Hierzu zähle unter anderem auch die Räum- und Streupflicht. "Dies kann bei durchgängig belegten Parkflächen nicht sichergestellt werden." Zum anderen müsse der uneingeschränkte Zugang der täglichen Lieferverkehre gewährleistet sein. "Dies gilt auch sonntags."

Also lieber auf das Auto verzichten und zu Fuß zum Wildpark spazieren? Bei der Volksstimme-Recherche entgegneten zahlreiche Besucher, dass ihnen der Weg zu weit sei. Andere, die von auswärts waren, hatte die Parkplatzknappheit völlig überrascht, "doch die Kinder drängelten, wollten die Tiere sehen". So kurvten sie genervt umher, bis sie eine Lücke gefunden hatten. Entschädigung bot zum Glück der liebevoll angelegte Wildpark.

Mehrfach kam der Vorschlag, dass die Schloss- und Bimmelbahn eine Alternative der An- und Abreise bieten könnten. Sie fahren von der Innenstadt oder Anger zum Schloss und am Wildpark direkt vorbei zurück. "Eine fester Haltepunkt muss her", forderte eine ältere Dame.

Stadtverwaltung hält Halt für "denkbar"

Aus Sicht der Wernigeröder Stadtverwaltung "wäre eine Haltestelle denkbar", sagt Tobias Kascha. Dies hätte zwar weitere Parkflächenverluste, schätzungsweise zwei bis drei Flächen entlang der Mauer gegenüber der Einmündung zum Wildpark, zur Folge, "aber dies könnte zumindest Auswärtige dazu animieren, statt mit dem Auto mit der Bimmel- oder Schlossbahn ins Christianental anzureisen".

Die Stadt sei gesprächsbereit, so Tobias Kascha und wies auf zwei Voraussetzungen hin: Die Genehmigungsbehörde ÖPNV bei der Kreisverwaltung müsse zustimmen. Und die Bahnbetreiber müssten überhaupt bereit sein, den Haltestellenservice zu übernehmen".

Birgit Marckert ist skeptisch. "Unter der Woche ist es sicher möglich, weniger an den Wochenenden", sagt die Betreiberin der Wernigeröder Bimmelbahn. Steffen Zielke klang gegenüber der Volksstimme da ablehnender. Für den Chef der Schlossbahn ist die Idee nicht neu. Er hätte sie schon ausgetestet. Sein Ergebnis: "Es funktioniert einfach nicht, leider."

Betreiber wollen niemanden stehen lassen

Für die Skepsis und Ablehnung nannten beide dieselben Gründe. In Stoßzeiten würden die Bahnen auf der Abfahrt vom Schloss so voll sein, dass im Christianental kein Fahrgast zusteigen könnte. "Wenn das Bahn für Bahn passiert, dass wir Parkbesucher an der Haltestelle nicht mitnehmen können, fühlen sich diese doch verschaukelt", sagt Steffen Zielke. Da sei ihm das gelegentliche Angebot lieber, das auch Birgit Marckert praktiziert. Sie lassen auf der Rücktour vom Schloss auf Zuruf Fahrgästen im Christianental aussteigen und nehmen hin und wieder Wildparkbesucher mit in die Stadt.

Bleibt also die Haltestelle an der Wildschweinplastik ein Wunsch? Birgit Marckert lenkt ein: "Es sollten sich alle an einen Tisch setzen, vielleicht findet sich eine Lösung."