Wernigerode l Pro Einsatz sollen Wernigerodes freiwillige Brandschützer künftig sechs Euro erhalten. Nicht etwa als Entlohnung, sondern als eine Art Entschädigung, heißt es von Ordnungsdezernent Christian Fischer. Sechs Euro seien nicht viel, „das wissen wir“. Die Pauschale sei jedoch ein „wichtiges Zeichen“ an das Ehrenamt. „Wir wollen die stärken, die den Brandschutz absichern, die rausgehen, wenn wir schlafen, und bei Sturm und Feuer Leib und Leben riskieren.“

Die Einsatzentschädigung ist eine der geplanten Änderungen in der überarbeiteten Feuerwehrsatzung. Das Papier wurde in den vergangenen Tagen in den Fachausschüssen beraten. Am 24. Oktober sollen Wernigerodes Kommunalpolitiker grünes Licht dafür geben.

„Damit entsprechen wir dem Wunsch des alten Stadtrats“, erläuterte Dezernent Fischer in der Sitzung des Ordnungsausschusses. Die Idee für die Entschädigung stammte vom ehemaligen CDU-Stadtrat André Weber. Es sei längst überfällig, dass Wernigerode diesen Weg geht, so Weber im März. Die Stadt könne dankbar sein für das Engagement der Brandschützer. In Städten wie Halberstadt, Thale, Burg, Havelberg und Wolmirstedt sei diese Form der Entschädigung längst gang und gäbe.

Kameraden an Stadt binden

Die Verwaltung griff den Wunsch der Kommunalpolitiker auf und geht in der Satzung noch einen Schritt weiter. Auch die Feuerwehrrente wird angefasst. Um Engagement und aktive Mitwirkung zu würdigen, seien die Regelungen zur Rente angepasst worden, so Christian Fischer. Bisher steuerte die Stadt pauschal 60 Euro pro Jahr und Kamerad zur Rente bei, wenn ein Mindestmaß an Ausbildung absolviert wurde. Ab sofort sollen Führungsfunktionen und Atemschutzgeräteträger zusätzlich honoriert werden, ebenso wie die Teilnahme an Ausbildung, Einsätzen und Lehrgängen. Bis zu 250 Euro könnten pro Jahr für einen Kameraden zusammenkommen. „Und das haben sie sich auch verdient.“ Mit der Änderung werde eine langfristige Bindung der Kameraden an die Feuerwehr bezweckt.

Auch die hauptberuflichen Feuerwehrleute sollen nach Idee der Rathausspitze bessergestellt werden. Bislang laufen diese Brandschützer als Tarifbeschäftigte. Um die Arbeit bei der Stadt attraktiver zu gestalten, sollen sie künftig verbeamtet werden – wie in anderen Städten wie Halberstadt, Salzgitter und Braunschweig auch.

Der Grund: Wernigerode läuft der Feuerwehrnachwuchs weg. Erst kürzlich habe ein junger Kollege in Wernigerode gekündigt und in Halberstadt angeheuert. „Es tut mir in der Seele und im Geldbeutel weh“, so der Dezernent. „Wir investieren 100.000 Euro in die Ausbildung eines Feuerwehrmanns, und dieses Geld fließt nun in die Kreisstadt.“ Nächster Rückschlag: Eine Ausschreibung sei vor kurzem „ins Nichts gelaufen“. „Wir bekommen auf dem Bewerbermarkt nicht die jungen, gut ausgebildeten Kameraden. Die gehen dahin, wo sie verbeamtet werden.“

Strategie in Arbeit

Verwaltungsintern wird nun geprüft, welche Stellen umgestellt werden könnten. Denn nicht für alle Kameraden rechne sich eine Verbeamtung, so Fischer. „Bis zur Entscheidung wird es eine Strategie geben.“ Voraussetzung für eine Veränderung ist nämlich die Zustimmung des Stadtrats zum Stellenplan im Stadthaushalt. „Ich habe gesehen, mit welcher Leichtigkeit in der Vergangenheit Stellenveränderungen im freiwilligen Bereich bewilligt wurden“, so Fischer. „Ich lade die Stadträte gerne ein, dies auch bei der Feuerwehr zu tun.“

Im Ordnungsausschuss äußerten die Lokalpolitiker erst einmal Zustimmung. Aber mit Einschränkungen. „Wir müssen einen Weg suchen, der zukunftsträchtig ist“, so Matthias Winkelmann (CDU). „Wir müssen aufpassen , dass wir Ungerechtigkeiten unter den Kameraden verhindern.“ André Boks (SPD) regte an, ausgewogen zu diskutieren und die Kosten nicht außer Acht zu lassen. Die laufende Vergütung sei nicht das Problem, wohl aber die Pensionsrückstellungen. „Das dicke Ende kommt“, so Boks.

In Zeiten des Fachkräftemangels dürfe Wernigerode keinen einzigen Mitarbeiter verlieren, so Christian Härtel (Linke). „Es muss endlich etwas passieren.“ Er erwarte, dass in der Haushaltsplanung für 2020 „alles fest gemacht wird, damit wir nächstes Jahr nicht wieder diskutieren“. Kommentar