Wernigerode l Enttäuscht verlassen Mitarbeiter die Belegschaftsversammlung in der Hasseröder Brauerei. Am frühen Montagnachmittag haben sie erfahren, dass der Investor aus Hessen samt seiner Beteiligungsfirma Carl Kliem Corporate Finance GmbH (CKCF) „nicht alle Vertragsanforderungen fristgemäß bis zum 30. Juni erfüllen konnte“. Details werden nicht genannt. Lediglich wird seitens InBev beteuert, den Fokus weiter auf den Brauereiverkauf zu legen und dafür Gespräche mit Interessenten führen zu wollen.

Die gleichlautende Mitteilung der Konzernleitung von Anheuser-Busch InBev wurde zeitgleich in Wernigerode und bei Diebels in der Brauerei am Niederrhein verkündet. „Was hat er damals nicht alles versprochen“, sagt ein Mitarbeiter, winkt ab und verlässt das Brauereigelände in Wernigerode. Mit „er“ ist Daniel Deistler gemeint und „damals“ war am 19. Januar.

Rückblende: Aufbruchstimmung verbreitete der 47-jährige Unternehmensberater Deistler zu Jahresbeginn gegenüber der Belegschaft. Der Inhaber eines Familienunternehmens aus dem Taunus posierte im und vor dem Hasseröder Besucher-Pavillon für Pressefotos. Er lobte das Know-How seiner „starken InBev-Crew“, die er übernimmt, versprach, den „verstaubten Marken Hasseröder und Diebels wieder neuen Glanz zu geben“, keine Stellen zu streichen. Im Gegenteil, bis zu 60 neue Arbeitsplätze wollte er schaffen und dafür kräftig investieren. Vor der Wappenvogel-Skulptur auf dem Brauereigelände stehend, versicherte er gegenüber der Volksstimme: „Der Auerhahn wird wieder fliegen.“ Vollmundig beteuerte der Kronberger zudem, das nötige Geld bis zum Transferabschluss Mitte dieses Jahres bei der für den Kaufvertrag verantwortlichen Deutschen Bank in London auf den Tisch zu legen. Über die Summe herrscht bis heute vereinbartes Stillschweigen. Spekuliert wurde, dass es sich um eine Verkaufssumme in Höhe von 200 Millionen Euro handelt.

Vertrauen ist angekratzt

Nun, sechs Monate später: Die Flügel des Auerhahns hängen herunter, in der Bierbrauerei in Wernigerode herrscht Katerstimmung. Zwar bleibt, wie InBev zu Jahresbeginn der Belegschaft versicherte, bis zum endgültigen Verkauf alles beim Alten, doch das Vertrauen ist angekratzt. Immerhin haben einige Mitarbeiter neue Verträge unterschrieben und es soll bereits im Hintergrund an einem Konzept für eine Neuausrichtung der Vertriebs- und Marketingstrategie gearbeitet worden sein.

Gleichzeitig gab es aber seit der Bekanntgabe des Käufers Daniel Deistler Zweifel an dessen finanzieller Seriosität. In der Bierbranche war der Hesse völlig unbekannt. Darauf hatte er Mitte Januar die Erklärung, dass der Kauf der Biermarken die Erfüllung eines „Herzenswunsches“ sei. Recherchen im Internet ließen vermuten, dass der Hesse, von dem behauptet wird, als Absolvent der Frankfurter Hochschule für Bankwirtschaft eine Musterkarriere hingelegt zu haben, über mangelnde Finanzkraft verfügt. Berichtet wurde von überklebten Firmennamen an Briefkästen seines Einfamilienhauses in Kronberg, über fehlendes Eigenkapital der CKFC, von Schulden und Geschäftsverbindungen, die mit Insolvenzen endeten.

Wie die Wirtschaftswoche berichtete, hatte Deistler im März gegenüber der Bild-Zeitung erklärt, dass er kritische Berichte zu seinen bisherigen unternehmerischen Erfolgen als „Störfeuer“ von Medien sehe. „Ich habe den Eindruck, man will das Geschäft platzen lassen“, wird Deistler zitiert.

Marke Hasseröder weiter geschädigt

Nun ist der Deal geplatzt, was Walter Schmidt „geahnt“ habe, „aber mich überhaupt nicht erfreut“. Der 65-Jährige hat nach der Wende Hasseröder aufgebaut, bis 2003 erfolgreich geleitet und war zuletzt mit zwei anderen Wernigerödern selbst am Kauf der Brauerei interessiert. Das Trio war im Herbst 2017 jedoch nicht zum Zug gekommen. „Ob wir es nochmals versuchen, kann ich nicht sagen“, so Schmidt. Für ihn stehe „leider“ fest: „Durch den geplatzten Deal hat die Marke Hasseröder weiter Schaden genommen.“