Wernigerode l Den Preis bezahlt er gern. Mit dem Kauf von Hasseröder hat Daniel Deistler sein Anonymität in der Medienlandschaft als europaweit agierender Geschäfsmann aufgeben müssen. Die Bekanntgabe des weltgrößten Bier-Riesen Anheuser Bush InBev, die Brauereien in Wernigerode und Issum am Niederrhein (Diebel) an einen bislang völlig unbekannten in der Szene abzugeben, löste einen wahren Medienrummel um seine Person aus. „Das veranlasste mich sogar, die Telefonstrippe zu ziehen“, sagt Daniel Deistler, Chef von Carl Kliem Corporate Finance (CKCF) mit Sitz in Kronberg im Taunus im Gespräch mit der Volksstimme.

Der 47-jährige Unternehmensberater sei überzeugt, „bislang und auch jetzt, genau das Richtige“ getan zu haben. Mit dem plötzlichen Vordringen in das Rampenlicht könne er leben, zumal das zu den erworbenen Biermarken passt. „Die Volksverbundenheit von Hasseröder ist in Wernigerode und darüber hinaus enorm“, sagt Deistler nach seinem offiziellen Antrittsbesuch am Freitag in der Hasseröder Brauerei.

In einer Belegschaftsversammlung stellte sich der neue Eigentümer vor und gab einen ersten Ausblick auf dass, was die Mitarbeiter in der Brauerei, im Vertrieb und Eventbereich erwartet: Übernahme aller Beschäftigten und deren Verträge, Investionen in die Standorte Wernigerode und Issum. Bei Hasseröder sind etwa 260 Mitarbeiter, bei Diebels 200. Schaffen wolle er zwischen 50 und 70 neue Arbeitsplätze.

Kräftig investiert werden soll in erster Linie in neue, moderne Strukturen. Ins Detail ging Deistler nicht. „Es ist absolutes Stillschweigen vereinbart, so lange der Transfer mit AB InBev nicht abgeschlossen ist“, so der Hesse. Dieser „sehr umfangreiche und komplexe Prozess“, den die Deutsche Bank in London führt, soll im ersten Halbjahr beendet sein. Fakt sei, so Deistler weiter, „Doppelstrukturen wird es nicht geben“. Zwischen dem Premium-Pils Hasseröder und der Altbiermarke Diebels sollen Synergien entstehen.

Investor baut auf starkes Team

Beide Marken haben Traditionen, die es gelte zu erhalten. Darauf freue sich der Investor und habe ein, wie er sagt, starkes Team zur Seite, das sich ebenfalls am gestrigen Freitag in Wernigerode vorstellte. Dabei handelt es sich um bisherige AB InBev-Führungskräfte: Adriano Leo als Vorsitzender der Geschäftsführung, Jens Stachowiak Chef für Vertrieb und Marketing und Eike Berthold, der die kaufmännische Leitung übernimmt. Hinzukommen die Geschäftsführer der Brauereibetriebe Arian Mosbacher in Issum und Hannes Havliza in Wernigerode.

So wie über die Details seines Neuanfangs für die Hasseröde Brauerei, die trotz ihres modernen Know-how drohte im Großkonzern unterzugehen und mit Absatzproblemen kämpft, wurde auch zu der Kaufsumme nichts gesagt. Spekuliert wurde zuletzt über eine Summe von 200 Millionen Euro. Ebenso, dass CKFC als eine kleine unbekannte Investfirma im Taunus wohl schwer das Kapital für solch einen Deal hätte. Die Antwort von Daniel Deistler ist kurz und knapp: „Dann hätte mich der Verkäufer nicht ausgewählt.“

Laut Volksstimme-Recherche erwirbt CKCF, finanziert auch durch Kredite von Banken, zu 100 Prozent die Anteile inklusive der Immobilien und Gastronomie-Verträge der beiden Marken. Andere Partner wolle Deistler nicht beteiligen. Laut dem letzten, im Bundesanzeiger veröffentlichten Jahresabschluss für 2015, der im April 2017 aufgestellt wurde, hat CKCF ein Eigenkapital von Null und Verbindlichkeiten von rund 560.000 Euro. Angestellte hat CKCF nicht, sondern beschäftigt seit Jahren nur freie Mitarbeiter.