Wernigerode l Rund 6500 Frühblüher und 4000 Tulpen leuchten auf den Beeten im Wernigeröder Bürgerpark um die Wette. Mehr als 60 Modelle berühmter Sehenswürdigkeiten sind am Dienstag, 24. März, aus dem Winterlager im Schafstall zurück in den Miniaturenpark Kleiner Harz gebracht worden. Nur von all der Farbenpracht werden Wernigeröder und Gäste vorerst nichts sehen. Wegen der Corona-Krise fällt die ursprünglich für Karfreitag, 10. April, geplante Saisoneröffnung in der grünen Oase am Dornbergsweg ins Wasser.

„Wir sind auf die Zeit danach vorbereitet, könnten öffnen, sobald die Freigabe erfolgt“, berichtet Parkchef Andreas Meling. Er und sein Team hatten sich nach 2019 – dem mit 135.000 zahlenden Gäste erfolgreichsten Geschäftsjahr der Anlage seit der Landesgartenschau 2006 – viel vorgenommen. „Wir hoffen, trotz des Ausfalls in dieser Saison die Grenze von zwei Millionen Gästen insgesamt zu knacken“, gibt sich Meling optimistisch. Dafür seien nicht nur 40 Veranstaltungen in Wernigerodes grüner Lunge zwischen Kurtsteich und Wohngebiet Charlottenlust vorgesehen gewesen. Ob einige davon ausfallen müssen oder verschoben werden, sei noch nicht abzusehen, so der Parkchef.

Neue Stege und Photovoltaik-Anlage

Alle Themengärten sind repariert, die Infotafeln dazu haben ein neues Design erhalten. Ebenso wurden in der Winterpause die Stege am Schreiberteich erneuert und – in Kooperation mit der Stadt Wernigerode – eine Photovoltaikanlage auf das Dach des Werkstatt-, Ausstellungs- und Restaurantgebäudes gesetzt. „Unser Betrieb läuft hundertprozentig klimaneutral“, verspricht Meling.

Bilder

Die Tüftler und Bastler hätten zudem die Modellbahn im Miniaturenpark aufgewertet und um einen Lokschuppen ergänzt. Dazu seien zwischen den Harzer Wahrzeichen im Maßstab 1:25 auf vielfache Nachfrage neue Sitzmöbel im Schatten aufgestellt worden.

Warten müssen die Besucher wohl noch bis August allerdings auf das Modell des Halberstädter Doms. „Es ist unsere durch Wettereinwirkung am stärksten in Mitleidenschaft gezogene Sehenswürdigkeit“, erläutert Andreas Knespe. Der Bürgerpark-Modellbauer fertigt derzeit mit einem 3D-Drucker in seiner Werkstatt neue Fialen für die Türme sowie 60 Dachplatten für das Kirchenschiff. Wenn die Kunststoffteile nach tagelanger Filigran-Arbeit aus dem Drucker kommen, verpassen Andrea Schrader und Andrea Herfurth ihnen noch einen originalgetreuen Anstrich.

Rathaus Wernigerode braucht Sanierung

Die Großmodelle – fast alle seien zwischen zehn und wölf Jahren alt – zu sanieren, werde eine Herauforderung für die nächsten Jahre, ergänzt Parkchef Meling. „Das Rathaus Wernigerode und der Schlossberg Quedlinburg brauchen als nächstes eine Schönheitskur.“ Eine Neuerung im Park, die schon zur Eröffnung zu sehen sein sollte: Die Wetterstation auf dem Miniatur-Brocken zeigt nun die Temperatur vor Ort an – und die Werte vom Gipfel des großen Vorbilds. Entstanden ist der Service laut Meling in Kooperation mit der Hochschule Harz, die mit Schulen der Region ein Automatisierungs- und Informatikprojekt gestartet hat.

Ganz verwaist bleibt die Parkanlage übrigens nicht bis zum auf ungewisse Zeit verschobenen Saisonstart: „In den nächsten zwei Wochen ziehen die tierischen Bewohner – von Mini-Schweinen über Ziegen bis zu Eseln – aus dem Winterquartier zurück in ihre Gehege bei uns“, verspricht Andreas Meling.