Blankenburg l Dass die Folgen der Corona-Pandemie in Blankenburg angekommen sind, bemerken die Stadträte bei ihrer Sitzung am Donnerstagabend, 12. März, schon am Eingang des historischen Ratssaals: Zwei Kameradinnen der freiwilligen Feuerwehr stehen mit einem Desinfektionsmittel-Spender der Kloster-Apotheke bereit, bitten Abgeordnete, Besucher und Verwaltungsmitarbeiter höflich, aber bestimmt, ihre Hände zu reinigen.

„Wir müssen vermeiden, Panik aufkommen zu lassen“, sagt Bürgermeister Heiko Breithaupt (CDU). Dennoch mahnt er zu „Zurückhaltung“ – auch weil der erste bestätigte Covid19-Fall im Harz ein Blankenburger war, der sich im Ägypten-Urlaub angesteckt hatte. Doch seine Kontaktpersonen zeigten laut Gesundheitsamt des Landkreises keine Symptome, berichtet der Rathaus-Chef.

Falschmeldung über Ausgangssperre

Vehement wehrt sich die Stadtverwaltung gegen eine Falschmeldung, die seit Donnerstag unter dem Titel „Blankenburg in Alarmbereitschaft“ im Internet kursiert. So gebe es weder – wie in besagtem Post behauptet – eine Ausgangssperre ab Sonntag noch verkürzte Öffnungszeiten in Geschäften am Sonnabend, um Hamsterkäufen vorzubeugen. „Viele Einzelhändler und Bürger haben deswegen bei uns angerufen – aber an dieser Meldung ist überhaupt nichts dran“, bekräftigt Rathaus-Sprecher Bennet Dörge auf Volksstimme-Anfrage.

„Alle Fachbereichsleiter und Teamleiter der Verwaltung stehen am Wochenende in ständigem Kontakt, damit wir im Ernstfall schnell reagieren können“, ergänzt er. Zudem seien die Verantwortlichen im Austausch mit städtischen Schulen und Kindertagesstätten sowie den Trägern freier Einrichtungen.

Krisenstab für 500 Kinder in Tagesstätten

Der Gemeinnützige Verein für Sozialeinrichtungen Blankenburg (GVS) hat seit Anfang der Woche ebenfalls einen Krisenstab zum Corona-Virus gebildet. „Ziel war es, innerhalb kürzester Zeit den Pandemieplan der unterschiedlichen Einrichtungen zu bearbeiten und bei den Mitarbeitern, Angehörigen und weiteren Besuchern zu publizieren“, erläutert Sprecherin Anja Hohmann. Nachdem am vergangenen Wochenende in Zerbst bereits ein Krankenhaus geschlossen wurde, war es Geschäftsführer Sebastian Selent wichtig, auftretende Fragen zu beantworten, Ängste und Unsicherheiten abzubauen und sich gezielt auf den Ernstfall vorzubereiten.

„Schließlich ist dies eine Angelegenheit, die 280 Mitarbeiter, mehr als 500 Kinder in den GVS-Kindertagesstätten und etwa 400 Menschen mit Hilfebedarf betrifft“, so Hohmann weiter. Wegweiser für alle Mitarbeiter sei der aktualisierte Pandemieplan, der am Donnerstag in den GVS-Einrichtungen veröffentlicht wurde und nachdem ab sofort gehandelt werden soll.

Der GVS richtet sich zudem mit einer Bitte an Eltern, Angehörige, Besucher, Lieferanten und externe Dienstleister. Diese Personengruppen sollen vorerst vom Betreten der Einrichtungen des GVS absehen, sofern sie Erkrankungssymptome – wie Fieber, Husten und Schnupfen – zeigten. Hierbei geht es um den Schutz besonders gefährdeter Menschen sowie die Aufrechterhaltung der Versorgung.

Anordnungen vom Gesundheitsamt zur Schließung einer der fünf GVS-Kitas lägen – Stand Freitagvormittag – noch nicht vor. Dennoch bittet Hohmann Eltern, sich auf dieses Szenario vorzubereiten und zu planen, wie ihre Kinder im Notfall betreut werden können.

Feuerwehr sagt Versammlungen ab

Die Corona-Pandemie hinterlässt ebenso ihre Spuren im Veranstaltungskalender: Nicht zwingend nötige Zusammenkünfte der Feuerwehr – etwa Dienstabende, Ausbildung oder die Jahreshauptversammlung in Derenburg – werden bis auf weiteres abgesagt, so Verwaltungssprecher Dörge. „Dennoch gewährleisten wir die Einsatzbereitschaft der Kameraden.“

Ebenso fallen der für Sonntag, 22. März, geplante Regensteinlauf, alle Kurkonzerte im Teufelsbad bis Ende Mai sowie das Osterfeuer in der Kernstadt aus. „Für die Ortsteile liegen uns noch keine Informationen vor“, berichtet Dörge weiter. Die Volkssolidarität-Ortsgruppe 10 aus der Oesig sagt ihr für Mittwoch, 18. März, geplantes Mitgliedertreffen im Vereinshaus „Alte Schule“ ab, informiert deren Vorsitzende Grete Großmann. Im Pflegeheim am Thie 11 der Arbeiterwohlfahrt sollte Polizeihauptkommissar a. D. Gerhard Schochardt am Montag, 16. März, den Senioren eine Verkehrsteilnehmerschulung geben – diese wird zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt.

Wie geplant präsentiert am Wochenende 14. und 15. März aber die Habichtswalder Märchenbühne das „Grüffelo“ im Theaterzelt auf dem Jahnsportplatz. „Dafür erwarten wir eine vergleichsweise kleine Besucherzahl“, erläutert Breithaupt. Der Bürgermeister gehe ebenso davon aus, dass die Wikinger-Festspiele auf dem Regenstein im April stattfinden können.

Kloster Michaelstein wieder geschlossem

Das Kloster Michaelstein war am Freitag, 13. März wieder geöffnet. „Wegen eines Corona-Verdachtsfalls, der sich nicht bestätigte, hatten wir den Betrieb am Mittwoch und Donnerstag komplett eingestellt“, erläutert Jana Priesterjahn. Laut der Kloster-Sprecherin hat die der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt am Freitagabend beschlossen, dass das Museum bis auf weiteres geschlossen bleibt. Interessenten könnten sich tagesaktuell auf der Internetseite des Klosters informieren. Zudem seien alle Kurse, Führungen und Veranstaltungen bis einschließlich 31. März abgesagt.

Ebenso fallen die Telemann-Festtage aus – und damit das Sonderkonzert des Barockorchesters Tempesta die Mare aus Philadelphia (USA) auf dem Großen Schloss, das für Mittwoch, 18. März, im Theatersaal angesetzt war. Der Vorstand des Vereins zu Rettung des Blankenburger Wahrzeichens hat kurzfristig entschieden, Veranstaltungen und Besucherzugang zum Großen Schloß bis Ostern auszusetzen.

„Es ist eine Entscheidung in Verantwortung, die uns zwar schwer fällt, aber aus Fürsorge für unsere Mitarbeiter, insbesondere auch den Ehrenamtlichen, für dringend geboten halten“, so Vereinspräsident Professor Gerd Biegel. Der Verein informiere regelmäßig über die weitere Entwicklung. „Ich werde meine wieder geplanten Vorträge demnächst einfach auf unsere Website zum Nachlesen stellen“, kündigt Biegel an.