Hasselfelde l Sitz. Platz. Bleib. Hündin Gina liegt auf der Wiese und schaut ihrem Frauchen nach, während diese sich Stück für Stück von ihr entfernt. Rüde Arko dagegen hält es nicht aus, steht immer wieder auf und will zu seinem Herrchen eilen. Dass Mensch und Tier irgendwann eine stimmige Einheit sind, daran arbeitet Karl-Heinz Meier gemeinsam mit den beiden Teams, wie er die Hund-Führer-Gespanne nennt. Natürlich ebenfalls mit dem nötigen Abstand.

Zur Zeit sei eben alles anders. Auch der Hundetrainer muss die Corona-Auflagen befolgen, um weiter arbeiten zu dürfen. Doch wirklich viel hat er nicht zu tun. „Die Hundeschule ist um 90 Prozent runtergefahren“, bilanziert Meier. „Sämtliche Gruppenstunden sind aufgrund der Verordnungen abgesagt. Auch in der Pension, die bis Ende Mai komplett ausgebucht war, ist kein Hund. Es wurde alles storniert.“

Langfristige Stornierungen

Das Angebot der Pension haben Hundebesitzer genutzt, um ihren Vierbeiner versorgt zu wissen, wenn sie ohne Hund in den Urlaub fahren wollen. Doch an Reisezeit ist derzeit nicht zu denken. „Viele Leute hatten ihren Sommerurlaub schon geplant. In diesen Monaten waren wir auch komplett ausgebucht“, bedauert der 55-Jährige.

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Die drei Funsport-Gruppen können sich derzeit ebenfalls nicht treffen. Rund zehn Hundefreunde haben hier gemeinsam trainiert, um das Erlernte aufzufrischen, spazieren zu gehen und die Geselligkeit zu genießen. „Die Leute brennen dafür, haben mittlerweile Entzugserscheinungen“, weiß Karl-Heinz Meier. Denn den Kontakt halte er zu den Gruppen, wenn auch nur auf digitalem Weg.

„Wir tauschen über WhatsApp Informationen aus und da kann ich auch mal den ein oder anderen Tipp geben, weil ich Mensch und Tier kenne. Aber darüber hinaus funktioniert die Hundeausbildung nicht übers Internet, weil sie speziell auf das Team ausgerichtet ist“, verdeutlicht er. „Und der Kontakt zu den Kunden fehlt mir auch sehr.“

Lediglich vier Ausbildungsverträge seien derzeit noch aktiv. So kommt Claudia Losse aus Harzgerode mit Hündin Gina zum Training. „Bei uns gibt es keine Hundeschule. Ich war schon mit meinen beiden vorherigen Hunden hier und bin sehr zufrieden“, berichtet sie. Die Weiße Schweizer Schäferhündin habe sie vor knapp sieben Monaten als Welpe aufgenommen. „Sie soll hier Sozialverhalten lernen, damit sie gut erzogen ist.“

Keine Neuanmeldungen

Aus Veckenstedt reist Ingo Heise mit seinem Labrador-Ridgeback-Mix Arko an. „Wir haben ihn im Januar aus dem Tierheim Quedlinburg geholt. Er ist jetzt acht Monate alt und muss noch ein bisschen Manieren beigebracht bekommen“, erzählt er. Denn Arko zerbeißt Holz und verbuddelt gern Gegenstände im Garten. „Er schnappt sich auch mein Werkzeug und dann ist es weg.Da muss man immer hinterher sein.“ Auch er war bereits mit seinem vorherigen Hund in Hasselfelde.

Dass seine Kunden immer wieder kommen, sieht Karl-Heinz Meier als großes Lob für seine Arbeit. „Sie fühlen sich hier wohl und geborgen. Das ist sehr wichtig für mich“, sagt er. Doch derzeit fehlen nicht nur die Stammkunden, sondern auch Neuanmeldungen. „Das ist einfach die Ungewissheit. Zudem sind viele in Kurzarbeit und müssen mit 60 Prozent ihres Gehalts auskommen. Da schauen sie natürlich zuerst, dass sie ihre Miete bezahlen können“, schätzt der Hundeprofi ein.

Um die Ausfälle zumindest ein bisschen kompensieren zu können, habe er Soforthilfe über ein Steuerbüro beantragt. „Aber es gibt noch keine Resonanz. Ich habe zwar ein kleines Polster, aber das ist begrenzt. Langsam wird es finanziell eng“, gesteht er. „Ungünstiger kann unser Jubiläumsjahr nicht beginnen.“

Pläne abgesagt

Am 14. Mai ist die Hundeschule Oberharz seit 15 Jahre am Markt. Das wollte Karl-Heinz Meier eigentlich kräftig feiern. „Ich wollte das wie zum Zehnjährigen Jubiläum gestalten, mit der Kundschaft vormittags eine Hundewanderung machen und danach gemütlich zusammensitzen“, erzählt er. Diese Pläne müsse er nun begraben.

Dabei war der Hasselfelder von Beginn an auf der Erfolgsspur. Was als Hobby begann, wurde 2005 durch einen Schicksalsschlag zum Beruf. Als der gelernte Baufacharbeiter nach einem schweren Verkehrsunfall seinen körperlich anstrengenden Beruf auf ärztlichen Rat aufgibt, setzt er alles auf eine Karte. „Ich hatte schon länger mit dem Gedanken gespielt und grobe Pläne geschmiedet. Nach dem Unfall habe ich sie dann in die Tat umgesetzt“, erzählt er.

Erfolgreicher Start

„Es lief so an, wie im Konzept geplant. Die Hundeschule wurde toll angenommen. Auch die Pension als zweites Standbein war fast immer ausgebucht. Ich war von Anfang an auf der Erfolgsspur“, blickt er auf das Erreichte zurück. Es habe sich schnell rumgesprochen, dass ein erfolgreicher Hundesportler nun auch Trainings anbietet.

Denn Karl-Heinz Meier war damals bereits zweifacher Vizemeister bei der Deutschen Meisterschaft für Fährtenhunde. „Hunde sind schon von Kindesbeinen an Begleiter in meinem Leben. 1978 bin ich dem organisierten Hundesport beigetreten und den Fellnasen endgültig verfallen“, schwärmt der 55-Jährige.

Vor allem für die Fährtenhundeausbildung habe er einen Faible entwickelt. „Meinen ersten großen Titel habe ich bei meiner ersten Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften 2003 geholt. Als Newcomer bin ich Vizemeister geworden“, erzählt er stolz. „Seitdem habe ich mich jedes Jahr für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert und bin regional sowie überregional mit meinen Hunden erfolgreich vertreten.“ Die bisherige Bilanz lässt sich sehen: Drei dritte, vier zweite und zwei erste Plätze beim deutschlandweiten Vergleich. „2007 durfte ich mich als Ehrengast ins Goldene Buch der Stadt Hasselfelde eintragen. Es erfüllt mich mit Stolz, die Region bei den Meisterschaften vertreten zu dürfen“, betont er.

Meisterschaft in Gefahr

Doch auch hier wird derzeit pausiert. „Aufgrund der Pandemie ist sogar in Frage gestellt, ob die diesjährigen Meisterschaften Ende Oktober überhaupt stattfinden. Uns fehlen einfach die Trainingsmöglichkeiten.“ Sämtliche Aktivitäten des Verbands für das Deutsche Hundewesen (VDH) seien auf Eis gelegt worden. Es gibt keine Prüfungen, keine Qualifikationen, keine Ausstellungen oder eine andere Art des Vereinslebens.

„Wenn das mit der Kontaktsperre noch vier bis sechs Wochen bleibt, ist es fast ausgeschlossen, dass die Meisterschaften ausgetragen werden. Außer der Verband ändert den Qualifikationsmodus“, schätzt Karl-Heinz Meier ein. Er trainiere mit seinen Hunde weiterhin zwei- bis dreimal die Woche. „Ich versuche, sie so gut es geht auf dem optimalen Trainingsstand zu halten. Aber die Prüfungssituationen und dortigen Ablenkungen sind einfach was anderes“, weiß er.

„Ich hoffe einfach, dass wir bald wieder normal trainieren können. Lieber gestern als morgen“, meint der Hundeprofi. „Aber das wird wohl noch dauern.“