Wernigerode l Die Corona-Krise bringt viele Krankenhäuser in wirtschaftliche Schieflage. Am Ameos-Klinikum in Halberstadt gibt es Aufruhr wegen Kündigungen aufgrund von Stationsschließungen und geringer Auslastung. Doch wie sieht die Situation an den Standorten des Harzklinikums aus? Geschäftsführer Dr. Peter Redemann sprich darüber im Interview mit Volksstimme-Reporterin Sandra Reulecke.

Volksstimme: Wie ist die aktuelle Auslastung im Harzklinikum? Wie hoch ist die Bettenzahl unter normalen Umständen?
Peter Redemann:
Im Harzklinikum „Dorothea Christiane Erxleben“ haben wir circa 1100 Betten aufgestellt. Die öffentlich bekannten Zahlen, wonach in Deutschland die Auslastung der Krankenhäuser je nach Fachgebiet zwischen 50 und 70 Prozent beträgt, gilt auch für unser Klinikum.

Wie viele Mitarbeiter gehören zum Harzklinikum?
Im Unternehmensverbund des Harzklinikums mit seinen Kliniken in Blankenburg, Quedlinburg und Wernigerode, mit Pflegezentren in Blankenburg und Quedlinburg sowie mehr als 40 MVZ-Facharztpraxen in der Region sind etwa 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig.

Wurden Mitarbeiter des Harzklinikums aufgrund der aktuellen Situation freigestellt beziehungsweise wurde für einige Kurzarbeit beantragt?
Nein, das war bislang nicht notwendig. Im Harzklinikum werden auch in diesen Wochen zahlreiche akut erkrankte Patienten weiter bestmöglich medizinisch versorgt.

Wir nutzen jetzt die Zeit, da wir die Belegung herunterfahren mussten, damit wir für eine mögliche Vielzahl an Covid-19-Patienten vorbereitet sind, um unser Personal in der Intensivpflege und Beatmung weiter zu schulen. Es gibt unter unseren 2000 Mitarbeitern einige, die sich in häuslicher Quarantäne befinden, andere haben frei zur Kinderbetreuung oder bauen ihr Überstunden-Konto ab. Wir werden die Pandemie nicht als Vorwand nutzen, um Personal zu entlassen.

Ist es auch im Harzklinikum der Fall, dass sich Patienten aus Angst vor einer Ansteckung selbst frühzeitig entlassen oder gar nicht erst zur OP/Untersuchung kommen?
Bei 40.000 stationären und noch mehr ambulanten Patienten gibt es dabei alle Varianten. Doch diese Patienten sind derzeit nicht das Thema. Das Problem ist, dass man Gesundheitsversorgung nicht anhalten kann. Zahlreiche elektive Patienten müssen versorgt werden - elektiv bedeutet ja nicht, sie wären „nicht notwendig“, sondern, der medizinische Eingriff kann für eine gewisse Zeit verschoben werden. Diese Patienten brauchen Hilfe und stehen in unserem Fokus. Ansonsten gilt, dass wir ständig unsere Strukturen anpassen und Maßnahmen durchführen, um Infektionen zu vermeiden, um Patienten und Personal zu schützen.

Führt dies sowie das Vorhalten von Isolierstationen – langfristig – zu finanziellen Schwierigkeiten für das Klinikum?
Das ist ein Blick in die Glaskugel. Es gibt eine große Vielzahl von Maßnahmen, deren Auswirkungen auf Erlöse und Kosten der Krankenhäuser in der Gesamtschau noch gar nicht zu beziffern sind.

Im Grundsatz hat der Gesetzgeber schnell reagiert und einen finanziellen Schutzschirm errichtet. Aktuell können wir damit arbeiten, und das ist auch notwendig. Ansonsten wäre die medizinische Versorgung unserer Patienten nicht mehr möglich. Für eine Bilanz ist es jedoch heute viel zu früh.