Elbingerode l Wenn die Schüler nicht in die Schule kommen dürfen, wie aktuell wegen der Corona-Krise, dann kommt die Schule zu den Schülern nach Hause. Ganz einfach? Ganz und gar nicht: Es hat einige Mühen gekostet, das Home-Office für die Mädchen und Jungen der Sekundarschule „Bodfeld“ in Elbingerode zu organisieren, wie Schulleiter Hans-Georg Arndt erklärt.

Als Mitte März die Schließung der Schulen im Land verkündet wurde, mussten auch die Lehrer in Elbingerode schnell handeln. Binnen zwei Tagen wurde für die Schüler ein Alternativangebot in der Schließzeit erstellt. „Wir haben das Wochenende durchgearbeitet“, sagt Arndt. Die Aufgaben orientieren sich am Lehrplan und am Unterrichtsmaterial, das die Kinder zu Hause zur Verfügung haben. Hinzugefügt wurden Hinweise auf frei zugängliche Lernplattformen im Internet. „Die Schüler können dies nutzen, wenn sie möchten. Bedingung ist dies aber nicht“, so der Schulleiter.

Doch wie sollten die Unterlagen zu den Mädchen und Jungen gelangen? Der digitale Weg schied zunächst aus. „Es gibt keine gewachsenen direkte Datenverbindung von der Schule ins Elternhaus“, so Arndt. In den Schulakten sind Telefonnummern der Familien gespeichert, aber keine E-Mail-Adressen. Und die Internetseite, die informativen Charakter haben sollte, glich zum Zeitpunkt der Schulschließung einer Baustelle, auf der noch viel zu tun war.

Analog zum Abholen

Blieb nur der analoge Weg: Die Lehrer bereiteten für jeden Schüler ein Paket mit Aufgaben auf Papier für die kommenden drei Wochen vor, die auf den jeweiligen Sitzplätzen im Klassenzimmer ausgelegt wurden. Die Schüler kamen einzeln durch den Haupteingang ins Gebäude, holten sich ihre Unterlagen vom Platz und verließen die Schule durch den Hinterausgang. „Wir haben jeglichen Kontakt vermieden“, so der Schulleiter, der resümiert: „Das hat sehr gut geklappt. Für den Start war das die praktikabelste Lösung.“

Klar war aber, dass es dabei nicht bleiben konnte – zumal die Schüler inzwischen nicht mehr ins Haus hinein dürften, was zunächst noch erlaubt war. Daher musste der zuvor schon geplante geplante Umbau der Internetpräsenz beschleunigt werden – was nicht einfach war. „Wir haben die Seite komplett neu einrichten müssen“, so Arndt. Gemeinsam mit zwei Kollegen, die sich in der Materie auskennen, habe man dies ohne externe Hilfe erledigt.

Nun kann die Sekundarschule die Emu-Cloud des Landesbildungsservers nutzen – das Kürzel „Emu“ steht für „Einsatz digitaler Medien im Unterricht“. So können Lehrer Inhalte hochladen, Schüler können sich von außen in das passwortgeschützte Angebot einloggen. Für jede Klasse wurde ein digitaler Ordner angelegt, darin befinden sich Unterordner für die Unterrichtsfächer, in denen das Material abgelegt wird. „Mit drei Mausklicks kann man sich die Aufgaben ansehen und herunterladen“, so Arndt. Die Lehrer lernten das Verfahren beim Workshop in der Schule kennen – in zwei Gruppen, um den nötigen Abstand einzuhalten.

Schnelles Internet fehlt

Die digitale Anbindung ist aber weiterhin ein Thema. Von schnellem Internet via Glasfaserkabel kann man in der Sekundarschule bisher nur träumen, und auch die Ausstattung lasse noch viele Wünsche offen. „Es wäre schön, wenn man nicht nur über Digitalisierung redet, sondern auch etwas tut. Das ist kurzfristig eine ganz wichtige Aufgabe“, so der Schulleiter.

Bei Fragen und Problemen stehen die Lehrer Eltern und Schülern derweil per Telefon und E-Mail bei. Die Rückmeldungen seien bisher positiv, so Arndt. Das gesamte Kollegium sei im Dienst, zwei Pädagogen seien täglich im Schulhaus. „Wir sind jeden Werktag besetzt und stehen gerne zur Verfügung“, so Arndt. Über aktuelle Entwicklungen unterrichtet die Leitung den Schulelternrat, der die Informationen an die Eltern weitergibt, damit diese wissen, wie es weitergeht.

Weil die Schließzeit bis 19. April verlängert wurde, erarbeiten er und seine Kollegen neue Aufgaben für die Woche nach den Osterferien. „Und wir haben uns darauf eingestellt, dass wir weiter vorbereiten“, sagt der Schulleiter – für den Fall, dass die Schließzeit erneut verlängert wird.

Praktikum verschoben

Im Fokus stehen dabei die Abschlussklassen. Die Prüfungen für den Realschulabschluss sind auf den 11., 13. und 15. Mai verschoben – ob es dabei bleibe, sei abzuwarten, so Hans-Georg Arndt. Klar ist, dass einige geplante Projekte ausfallen oder verschoben werden – wie das Betriebspraktikum der 9. Klasse, das am 20. April starten, nun aber zum Schuljahresende stattfinden sollte. Wie mit den zu Hause erledigten Aufgaben umgegangen wird und wie sie bewertet werden, ist offen. Zurückgegeben werden diese derzeit nicht, logistisch wäre das nicht zu machbar, so Arndt. Klar ist aber: „Mit der Wiederaufnahme des Schulbetriebs werden sie geprüft und als Grundlage für den weiteren Unterricht verwendet.“

Schüler und Eltern sollten sich aber beim Lernen im Homeoffice nicht zu sehr unter Druck setzen, rät der Pädagoge. „Sie müssen nicht sechs Stunden Unterricht zu Hause nachspielen.“ Wichtig sei, dass der Tag strukturiert ablaufe und die Schüler am Ball bleiben: „Es sind keine Ferien.“ Das ist auch gar nicht das, was die Schüler wollen. Viele hätten gleich zu Beginn gesagt, dass sie lieber in die Schule gehen wollen, weiß Hans-Georg Arndt. „Sie sehnen sich nach normalen Zeiten.“