Goslar/Harz l „Der Tourismus ist in der jetzigen Situation auf Null runtergefahren“, sagt Carola Schmidt. „Es gibt aktuell keinen Gastverkehr.“ Die Chefin des Harzer Tourismusverbandes (HTV) beschreibt eine Entwicklung für die Tourismusregion Harz, wie sie dramatischer nicht sein könnte. „Die ersten Auswirkungen der Corona-Krise sind seit gut zwei Wochen zu spüren. Unabhängig davon, dass Veranstaltungen abgesagt wurden, hatten wir Stornierungen bei Firmenausflügen und Geschäftsreisen.“

Seit einer Woche habe sich die Lage deutlich zugespitzt. „Auch private Reisen in den Harz werden massiv storniert.“ Dadurch, dass Kultur- und Freizeiteinrichtungen wie Museen und Ausstellungen geschlossen wurden, gebe es zudem keine Anreize mehr für Reisende, in den Harz zu fahren.

Mit der am Montag veröffentlichten Empfehlung der Bundesregierung habe sich die Lage weiter verschärft. „Derzeit warten wir ab, wie die einzelnen Ministerien auf Länderebene diese Empfehlung konkret umsetzen.“ Die Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte geraten, Übernachtungsangebote im Inland nur noch zu „notwendigen und ausdrücklich nicht zu touristischen Zwecken“ zu nutzen. „Das beinhaltet und bringt auch mit sich, dass es keine Urlaubsreisen ins In- und auch keine ins Ausland geben soll“, so die Kanzlerin Angela Merkel bei einer Pressekonferenz am Montagabend.

Gastgeber bewegt nun vor allem die Frage, wie sie mit den massenhaften Stornierungen von Gästen aufgrund der Reisewarnung umgehen sollen – ob beispielsweise Stornogebühren erhoben werden dürfen oder ob es Kompensationen und Subventionen gibt.

Beim HTV laufen zu diesen Themen die Leitungen heiß. Noch seien fast alle Mitarbeiter im Unternehmen vor Ort, bis auf einige Mitarbeiter, die in Folge der Schul- und Kitaschließungen ihre Kinder zuhause betreuen müssten. Der HTV sei derzeit vor allem dazu da, um sachlich zu informieren und zu beraten, betont Carola Schmidt.

„Die Ministerien haben Notfallpläne aufgelegt, die mit der Bundesregierung abgestimmt sind“, sagt sie. Private Vermieter von Ferienwohnungen oder Bungalows, wie es sie vielerorten im Harz gibt, könnten die derzeitigen Stützen wie Kurzarbeitergeld und Kredite nicht nutzen. „Diese Angebote richten sich an Gewerbetreibende, also Wirtschaftsbetriebe“, konkretisiert sie.

Wie viele Menschen sind von den enormen Umsatzeinbrüchen im Tourismus betroffen? „Wir sprechen von 40 000 vom Tourismus abhängigen Arbeitsplätzen in fünf Bundesländern“, so die HTV-Geschäftsführerin. Am Tourismus hingen viele sekundäre Arbeitsplätze in Dienstleistungsbranchen, die unmittelbar von den ausbleibenden Gästen betroffen sind. Dazu kommt der Gästebeitrag – die Kurtaxe – die den Kommunen als wichtigstes finanzielles Rückgrad der Tourismusbetriebe nun fast komplett fehlt.

Bisher habe sich beim HTV noch kein Hotelinhaber gemeldet, weil er Insolvenz anmelden muss. „Aber ich bin mir sicher, dass es etliche sind, auch wenn sich bisher niemand gemeldet hat“, vermutet sie. „Wir haben viele privat geführte Hotels, die vor ein, zwei Jahren an den Markt gegangen sind. Gerade in den letzten Jahren konnten wir eine sehr dynamische, positive Entwicklung verzeichnen. Das sind etliche Häuser, die keine ausreichende Eigenkapitaldecke haben, um ein, zwei Monate ohne Einnahmen abzufangen.“ Deshalb vermute sie, dass Hotels ihre Ausgaben in nächster Zeit drastisch reduzieren werden – „ und schließen“, sagt sie.

Die Möglichkeiten (siehe Infokasten), die von staatlicher Seite in Aussicht gestellt werden, helfen gerade kleineren Hotels und Pensionen nicht, so Carola Schmidt: „Es bringt nichts, das Problem über Kredite in die Zukunft zu verlagern. Ein kleiner Betrieb kann diese Umsatzausfälle nicht mit Krediten kompensieren.“ Nach dem ausgefallenen Winter, den man hätte verkraften können, hätten viele Gastgeber auf die Hotspot-Zeit im Frühjahr gehofft.

Carola Schmidt hofft indes, dass die Schutzvorkehrungen greifen und der normale Betrieb wieder aufgenommen werden kann, um den Rest des Jahres zu nutzen. Und falls nicht? „Ich möchte mir ansonsten nicht vorstellen, wo es hingeht.“