Grundschulverbund

Debatte über gemeinsamen Unterricht im Oberharz

Im Verbund mit Elbingerode ist die Grundschule in Benneckenstein vor der Schließung bewahrt worden. Die Veränderungen, die damit einhergehen, schmecken nicht allen.

Von Katrin Schröder und Günther Breutel 12.07.2021, 19:35
Die Grundschule in Elbingerode ist der Hauptstandort im Schulverbund Elbingerode/Benneckenstein.
Die Grundschule in Elbingerode ist der Hauptstandort im Schulverbund Elbingerode/Benneckenstein. Foto: Katrin Schröder

Elbingerode/Benneckenstein - Normalität ist etwas, über das sich derzeit alle freuen – auch Bettina Borth, Leiter des Schulverbundes Elbingerode/Benneckenstein. Seit einigen Wochen laufen die beiden Standorte wieder im Normalbetrieb. Seit sich das Infektionsgeschehen beruhigt hat, ist für die 123 Grundschüler aus Elbingerode und ihre 47 Altersgenossen aus Benneckenstein der schulische Alltag zurückgekehrt.

Testen, Masken-Tragen, zeitlich versetzte Pausen – in den zurückliegenden Wochen und Monaten ist vieles anders gelaufen als bisher. „Wir hatten ja jede Form der vorgeschriebenen Pandemie-Auflagen, von der totalen Schließung mit Notbetreuung und Präsenzunterricht mit Aussetzung der Präsenzpflicht bis jetzt zum Regelunterricht“, so Borth. All dies habe sehr viel Arbeit verursacht.

Nach fast zwei Schuljahren ist der Schulverbund noch nicht ganz in ruhigem Fahrwasser angekommen. Das Zusammenspiel der ehemals selbstständigen Schulen war vor Kurzem Thema im Sozialausschuss. Seit dem Schuljahr 2019/20 ist Benneckenstein Teilstandort im Verbund, Elbingerode ist Hauptstandort. Man müsse berücksichtigen, dass ohne den Verbund in Benneckenstein die Lichter ausgegangen wären, sagt die CDU-Landtagsabgeordnete Angela Gorr. „Ich bin sehr froh, dass es gelungen ist, den Grundschulstandort zu erhalten.“ Die Entscheidung von Stadt- und Ortschaftsrat sei richtig gewesen.

Einzige Alternative zu Schließung

Zum Gespräch hatte sie jüngst Eva Feußner (CDU), Staatssekretärin im Bildungsministerium, eingeladen. Die Landespolitikerin habe verdeutlicht, dass der Verbund die einzige Alternative zur Schließung gewesen sei. Nun wolle man das Schulprofil schärfen, um den Standort attraktiv zu halten.

„Das Wichtigste ist, dass die Schule erhalten geblieben ist“, sagt auch Schulleiterin Bettina Borth. Dafür müsse man etwa den jahrgangsübergreifenden Unterricht akzeptieren. Derzeit werden die dritte und vierte Klasse gemeinsam unterrichtet. Für manche Eltern sei das Anlass zur Befürchtung, dass die Kinder nicht optimal auf die weiterführende Schule vorbereitet würden. „Die Bedenken hat man, wenn man das nicht kennt“, sagt die Sozialausschussvorsitzende Susann Thielecke (CDU). Für das jahrgangsübergreifende Lernen gebe es eigene Konzepte und Lehrmaterial.

Das bestätigt Bettina Borth. Die Pädagogen seien sehr engagiert, besuchten Fortbildungen und arbeiteten mit den Kollegen in Friedrichsbrunn, wo der zweite Schulverbund des Landes besteht, zusammen. „Die Kollegen haben das gut im Griff.“ Viele Themen ließen sich in beiden Klassenstufen behandeln, die Kinder erhielten nach einer gemeinsamen Einführung altersangepasste Aufgaben.

22 Grundschüler jahrgangsübergreifend unterrichtet

Zwar wäre es sinnvoll, die ersten beiden Klassen zusammenzuführen, doch bei den aktuellen Schülerzahlen sei dies nicht möglich, so Bettina Borth. Die älteren Kinder hätten aber keine Nachteile – auch nicht bei der Klassenstärke: Während in Elbingerode 29 Grundschüler zusammen lernen, würden in der jahrgangsübergreifenden Klasse in Benneckenstein 22 Mädchen und Jungen unterrichtet.

Ändern könne man dies nicht. „Das ist ein Muss. Anders geht es nicht“, sagt Bettina Borth. Sieben Lehrer stehen in Elbingerode zur Verfügung, drei sind es in Benneckenstein – damit erreiche der Grundschulverbund eine Versorgung von 102 Prozent. Andere Schulen müssten mit 80 Prozent auskommen, hieß es im Sozialausschuss.

Verbesserung bei Schwimm- und Sportunterricht

Eine Lücke werde ab dem Schuljahr 2021/22 geschlossen: Ein Lehrer aus Blankenburg werde abgeordnet, um vier Stunden Sport pro Woche in Benneckenstein zu geben. Zudem habe man eine Lösung für den Schwimmunterricht gefunden, der coronabedingt nicht wie gewohnt in Hohegeiß stattfinden konnte. Ein Bus, den die Oberharzstadt bereitstellt, bringe die Grundschüler nach Elbingerode ins Hallenbad des Diakonissen-Mutterhauses. „Das macht den Dritt- und Viertklässler sehr viel Spaß, so dass wir zum Kindertag ein Schwimmfest im Hallenbad organisierten“, ergänzt Borth.

Nun hofft die Schulleiterin, dass die bis ins Gebäude verlegten Glasfaserkabel der Schule schnelles Internet bescheren, sobald die internen Anschlüsse fertig seien. Zudem seien die versprochenen Tablet-Computer angekommen, die derzeit eingerichtet werden. Auch baulich tue sich etwas: Drei Klassenräume hätten neue Fußbodenbeläge erhalten. In den Sommerferien sollen in Benneckenstein vier Klassenräume saniert und in Elbingerode Außenwände des Gebäudes gestrichen sowie Flure renoviert werden. Kommentar/ Seite 13

Draußen sind die Masken mittlerweile nicht mehr nötig. Über die Rückkehr zur Normalität freut sich Bettina Borth (rechts).
Draußen sind die Masken mittlerweile nicht mehr nötig. Über die Rückkehr zur Normalität freut sich Bettina Borth (rechts).
Foto Günther Breutel
Die Grundschule Benneckenstein ist Teilstandort geworden. Manche Eltern befürchten dadurch Nachteile.
Die Grundschule Benneckenstein ist Teilstandort geworden. Manche Eltern befürchten dadurch Nachteile.
Foto: Jürgen Kohlrausch