Wernigerode l Der Dachschaden ist beseitigt, ebenso das Gerüst, das den Blick auf die Westfassade verstellte. Fast zwei Jahre lang haben die Bauarbeiten ganz oben auf dem Wernigeröder Wahrzeichen gedauert, berichtet Schlossgeschäftsführer Christian Juranek.

Ausgangspunkt waren zunächst die Schornsteine. „Sie waren sehr lange eingehaust und notgesichert. Das wird mit der Zeit nicht besser“, erklärt Juranek. Zu DDR-Zeiten wurden einige Essen abgerissen, doch rund zehn Schornsteinköpfe sind erhalten geblieben. Diese seien ohne Funktion, stehen aber unter Denkmalschutz – zu Recht, so Juranek. „Sie sind ganz entscheidend für die Silhouette des Schlosses.“

Die Stiftung Schloss Wernigerode beantragte für die Sanierung und die Schiefereindeckung Fördergeld beim Land. Knapp 300.000 Euro standen für das Projekt zur Verfügung, doch bei der ersten Öffnung des Dachs stellte sich heraus, dass viele Dachstuhlbalken von Schwamm und anderen Pilzen befallen. „Wir mussten Holzsachverständige heranziehen“, berichtet Michael Hamecher, Finanzverantwortlicher der Schloss-Stiftung.

Mehr Geld für marode Balken

Diese stellten fest, dass eine Sanierung der maroden Balken unumgänglich war. Mithilfe des Landesverwaltungsamtes gelang es, die Landeshilfe von 100.000 auf 250.000 Euro aufzustocken. Der Landkreis und die Stadt Wernigerode leisteten ebenfalls einem Beitrag, sodass insgesamt rund 450.000 Euro für die Dachstuhlsanierung zur Verfügung standen.

Die Arbeiten waren sehr aufwendig, berichtet Juranek – vor allem, weil die betroffenen Stellen über den Königszimmern teils nur schwer zugänglich sind. Die Handwerker arbeiteten sich vom Treppentutm aus schrittweise in Richtung Königszimmer voran. Schwierig war dies, weil das Dach dort sehr hoch und spitz ist. „Über den Königszimmern befinden sich noch drei bis vier Etagen“, so der Schlossgeschäftsführer. Darin sind unter anderem Magazine untergebracht, die wegen der Bauarbeiten teilweise geräumt werden mussten.

Ebenso brachten die Arbeiten, für die die Westfassade eingerüstet wurde, Einschränkungen für Besucher in Form von Absperrungen auf der Schlossterrasse mit sich. Für den Zugang zum Gebäude wurde eigens ein Tunnel errichtet. Zugleich musste der Brandschutz sichergestellt werden.

Unter die Lupe genommen

Zu Beginn wurden zunächst die Schornsteine instandgesetzt. Es folgten die Holzarbeiten an den Balken, bei denen die Gutachter genau hinschauten. „Es wird festgestellt, wie viel noch gesund ist. Man nimmt nur so viel wie nötig weg“, erklärt Christian Juranek. Sobald die Handwerker ihre Arbeit getan hatten, waren die Gutachter wieder am Zug – nahe jeder Balken wurde einzeln unter die Lupe genommen.

Das schrittweise Vorgehen kostete sehr viel Zeit, zumal die Balken wichtig für die Statik seien: Die Decken seien an der Dachstuhlkonstruktion aufgehängt. „Deshalb mussten wir während der Arbeiten teilweise die Königszimmer beräumen“, so der Schlosschef.

Es sei kein Wunder, dass gerade an der Westfassade an der Freiterrasse so viele Schäden entdeckt wurden. „Das ist die Hauptwetterfassade, die am stärksten belastet ist. Das merkt man“, so Juranek. Zudem gebe es Schwachstellen, über die Nässe ins Innere gelangen könne. Da sind etwa die Nägel, mit denen die Schieferplatten auf dem Dach befestigt werden. Idealerweise sollten sie aus Kupfer sein, was aber sehr kostspielig sei. Aus Mangel an Material habe man zu DDR-Zeiten zuweilen Eisen- oder Stahlnägel verwendet, die schneller rosten. Wenn das Holz mürbe wird, bekommen die Nägel Spiel und lassen Wasser durch. „Eigentlich müsste man regelmäßig Nagelschau betreiben“, so Juranek.

Gauben und Rinnen

Ein weiterer Schwachpunkt sind die Dachgauben, die schwer zu erreichen und zu pflegen sind. Die Handwerker nutzten das Gerüst, um die Dachaufbauten aufzuarbeiten. Einige von ihnen mussten ausgebaut werden. Ebenso wurden die Dachrinnen erneuert.

Damit ist aber noch nicht alles erledigt. „Wir haben noch weitere Dinge entdeckt, die in Ordnung gebracht werden müssen“, so Hamecher. An der Nordseite des Schlosses, die der Stadt zugewandt ist, gebe es ebenfalls Schäden im Dachstuhl. Für die Beseitigung hat die Schloss-Stiftung Geld von Land und Bund beantragt. Hamecher hofft, dass der Förderbescheid im Mai eintrifft und die Bauarbeiten zügig beginnen können. „Das wird sich ebenfalls über mindestens zwei Jahre hin erstrecken“, sagt er.