Schierke l Ein 700-Einwohner-Ort, dazu ganzjährig zahlreiche Touristen, die oft auch Ferienwohnungen nutzen – und keine Möglichkeit, vor Ort Lebensmittel einzukaufen. So stellt sich die Situation aktuell im Wernigeröder Ortsteil Schierke dar. Der NP-Supermarkt ist seit 22. Oktober 2018 geschlossen. Die PUG-Gruppe, die Buchstaben stehen für „Preiswert und Gut“, aus Salzwedel will an dieser Stelle einen Neubau hochziehen. Allerdings ist vor Ort binnen drei Monaten augenscheinlich nichts passiert. Auf die Frage nach dem Warum geben bislang nur Gerüchte eine Antwort: Fledermäuse sollen für einen Baustopp gesorgt haben.

Mit diesem Gerücht ist es so, wie mit vielen Gerüchten: Ein bissel Wahrheit steckt drin. Es gebe tatsächlich Verzögerungen und die hätten tatsächlich Fledermäuse verursacht, bestätigt PUG-Vorstand Helga Schulz. Aber: Alle entstandenen Fragen seien mittlerweile im Sinne des Projektes geklärt. „Wir haben seit Jahresanfang eine bis Ende März befristete Abrissgenehmigung und werden gleich nach dem 1. Februar mit dem Abbruch beginnen“, kündigt die Managerin an. Dabei und beim anschließenden Neubau wolle PUG voll aufs Gas treten.

Schließlich gelte es, die Fledermaus-bedingten Verzögerungen aufzuholen. Eigentlich sei geplant gewesen, den gesamten Abbruch des Altbaus bis Weihnachten zu realisieren. Diese Zielstellung platzte, als im letzten Quartal 2018 plötzlich die Information im Raum gestanden habe, dass die NP-Liegenschaft Fledermäusen einen Unterschlupf biete. Die Fledermäuse, so die anfängliche Information, sollten wohl unter Teilen der hölzernen Fassadenverkleidung leben. „Wir wussten davon nichts“, so die PUG-Chefin.

Spuren von Fledermäusen in Kaufhalle

„Um diese Frage letztlich fachlich-fundiert zu beantworten, beauflagte uns die Stadt, ein Artenschutz-Gutachten erstellen zu lassen“, berichtet Helga Schulz. Sie kennt auch das Resultat des Sachverständigen: Es gebe tatsächlich Hinweise und Spuren, die auf Fledermäuse schließen lassen. Aber: Aktuell gebe es keinen Besatz. Trotzdem müsse ein Fachmann den Abriss begleiten und bei Funden stoppen.

Das bestätigt Franziska Banse, Sprecherin der Kreisverwaltung: „Es wurden Spuren von Fledermäusen in Gebäudeteilen des Marktes gefunden. Ein beauftragtes Gutachten hat das bestätigt. Aktuell sind aber keine Fledermäuse im Gebäude, sodass der Bau wie geplant weitergeht.“

Die PUG-Chefetage hat nun eine bis Ende März befristete „artenschutzrechtliche Ausnahmegenehmigung“ für den Abriss des alten Marktes. Gleich anschließend, so Helga Schulz, soll mit dem Vorbereiten und Gießen der Bodenplatte der Neubau starten. Wenn es das Wetter hergibt.

Neubau soll vor Weihnachten öffnen

Der Neubauplan ist ambitioniert. „Wenn wir im April voll loslegen können, soll das Projekt bis zum dritten, spätestens bis zum vierten Quartal abgeschlossen sein“, steckt Helga Schulz ab. Wenn es nicht weitere unvorhergesehene Zwischenfälle gibt. Bekanntlich finden sich im Schierker Erdreich zuhauf große Gesteinsbrocken. Aber: „Ihre Weihnachtseinkäufe können die Schierker und ihre Gäste auf jeden Fall dort machen“, betont die PUG-Chefin.

Geplant sei ein Supermarkt mit To-Go-Anstrich, also zum Mitnehmen von Imbissangeboten. Insgesamt werde es 560 Quadratmeter Verkaufsfläche geben, davon 140 Quadratmeter für einen kombinierten Café- und Backbereich. Und: Anders als bislang werde die Kaufhalle nicht als NP-Markt firmieren. „Wir peilen einen Namen mit regionalem Bezug an und wollen auch an unsere Ursprünge als Konsum erinnern.“

Soll heißen: So etwas wie Hexen- oder Brocken-Konsum sei durchaus denkbar. Vielleicht aber auch Fledermaus-Konsum. Was sprichwörtlich passen könnte, denn Fledermäuse sind am Markt weiter willkommen. Eine Bauauflage fordere die Montage von zwei Fledermaus-Fassaden-Flachkästen, berichtet die PUG-Chefin. Die PUG-Kette will insgesamt 1,5 bis 1,7 Millionen Euro investieren.

Keine Ersatz in Bauzeit

Eine Ersatzversorgung mit Lebensmitteln plane PUG während der Bauphase nicht, so Helga Schulz. Es gebe wohl privates Engagement. Die Schierker NP-/PUG-Mitarbeiter seien aktuell auf andere Märkte in der Region verteilt, einige von ihnen würden später nach Schierke zurückkehren.