Wandernadel

Extreme Wanderung für die Liebe

50 Kilometer vom Eichsfeld in den Harz - Wanderungen aus Liebe sind nicht selten, wie eine Umfrage unter Fans der Wandernadel zeigt.

Wernigerode l Es ist eine Geschichte, die quer durch die Republik ging: Ein 18-Jähriger will am Mittwoch, 30. März, seine Freundin besuchen. Allerdings hat die Sache einen Haken – der junge Mann befindet sich in Leinefelde im thüringischen Eichsfeld, seine Angebetete 80 Kilometer weiter in Wernigerode. Kurzerhand entschließt er sich, noch am Abend zu ihr zu wandern. Um die Strecke um knapp 30 Kilometer abzukürzen, verlässt er die Straße und geht querfeldein. Nach 22 Kilometern verliert er die Orientierung in der Nähe von Wipperdorf bei Nordhausen.

Es ist mittlerweile 1 Uhr nachts und der Harz noch lange nicht in Sicht. Der Mann ruft schließlich die Polizei. Vier Beamte machen sich auf die Suche nach dem verliebten Wanderer. Auch ein Polizeihubschrauber kommt zum Einsatz. Letztlich spürt ihn die Polizei über sein Handy auf. Er kommt unterkühlt ins Krankenhaus nach Nordhausen. „Wir haben ihn schnell gefunden, es war Minutensache“, sagt Thomas Soszynski von der Pressestelle der Polizei in Nordhausen auf Volksstimme-Nachfrage.

Weshalb der 18-Jährige nicht am nächsten Tag mit Bus oder Bahn anreiste, warum er überhaupt auf die Idee kam, die weite Strecke per Pedes zurückzulegen, das weiß auch der Pressesprecher nicht. „Wir haben ihn gar nicht weiter befragt. Es war ein Notfall – er wurde gesucht, er wurde gefunden, und er wurde dem Rettungsdienst übergeben“, so das Fazit von Soszynski. Der junge Mann habe es zudem vehement abgelehnt, Presseanfragen zu beantworten. „Vielleicht war es ihm peinlich“, so der Polizeibeamte.

Die Volksstimme hat in der Facebook-Gruppe der Harzer Wandernadel nachgefragt, wer für die Liebe schon so weit gegangen ist. René Stelzer-Scholz aus Alfeld in Niedersachsen schreibt: „Ich oute mich: Vor zehn Jahren etwa 40 Kilometer von Hildesheim nach Alfeld im Dunkeln. Allerdings mit Rad und ohne Licht.“ Das Ergebnis seiner Mühen: Acht Jahre hielt die Liebe.

Selbst geübte Wanderer haben sich schon verirrt. „Einmal von Drei Herrenstein wollte ich zum Roten Schuß – wo kam ich raus? In Zorge, beim Campingplatz“, schreibt Marina Dettmer. Für Thomas Riekeberg aus Salzgitter ist auch der Harz manchmal „ein riesen Urwald“. „Da kann man schon mal den Buchenbaum verwechseln, den man sich als Abbiegepunkt gemerkt hat. Und statt der geplanten 30 Kilometer sind es dann schon mal fast 40 Kilometer geworden.“

Wer verliebt sei, der laufe auch mal ein paar Kilometer – so Otto Unruh. „Ich bin 1968 zweimal die Woche von Eschede nach Celle und zurück. Je 34 Kilometer Hin- und Rückweg, nur um zwei, drei Stunden im Schlosspark zu kuscheln“, schreibt er und fügt hinzu: „Lacht nicht, ich denke, das haben einige aus der Zeit durch.“

Eröffnung der Saison der Harzer Wandernadel am 16. April um 12.30 Uhr im Waldgasthaus Plessenburg