Benneckenstein l „Wir sind von vorsichtig optimistisch mittlerweile auf dem Weg des Realistischen, dass wir das TheaterNatur dieses Jahr vom 7. bis zum 23. August tatsächlich auf der Waldbühne Benneckenstein mit Zuschauern durchführen können“, verkündet Janek Liebetruth freudestrahlend vom Küchentisch seiner Berliner Wohnung aus. Gemeinsam mit Dramaturgin Lena Fritschle hat der künstlerische Leiter des Festivals auf einer Pressekonferenz via YouTube am Freitag, 29. Mai, das Programm vorgestellt.

Es werde einige Änderungen im Vergleich zu den Vorjahren geben, betont er. Denn die Hygienebestimmungen und Abstandsregelungen gelten im August wahrscheinlich immer noch. Deshalb stehe der Verein Kulturrevier Harz als Träger bereits jetzt in regem Austausch mit dem Gesundheitsamt. „Wir müssen dann im Juli sehen, wie viele Besucher wir begrüßen dürfen und müssen uns danach einrichten“, erklärt er. Genaue Zahlen gebe es noch nicht.

Die Einschränkungen gelten nicht nur für das Publikum. „Das betrifft auch die Arbeit auf der Bühne“, verdeutlicht Janek Liebetruth. Derzeit überlege das Team, wie es realisieren könne, dass sich die Schauspieler auf der Bühne nicht zu nahe kommen. „Das ist sicherlich eine Herausforderung, der wir uns aber in den letzten Monaten gestellt haben. Mit Zuversicht und ein bisschen Mut wollen wir das über die Bühne bringen.“

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Änderung bei Festival-Motto wegen Corona

Auswirkungen hat die Krise auch auf den Programmtitel gehabt. Anfangs stand das Festival unter dem Motto „Endstation: Einheit?“. „Wir wollten in diesem Jahr das 30-jährige Jubiläum der Wiedervereinigung feiern. Wie sieht es mit der Einheit aus, was gibt es noch für Themen, die man bearbeiten muss“, wirft der künstlerische Leiter einige Fragen in den Raum. „Nun hat es sich in der Corona-Zeit aber so entwickelt, dass Einheit und das Zusammenhalten gerade die wichtigsten Themen sind. Deshalb wollten wir aus dem Fragezeichen ein Ausrufezeichen machen.“

Inhaltlich dreht sich alles um menschliche Nähe, ungewöhnliche Lebenswege, unsichere Gefühlswelten und eben auch Ost und West. So wie in der ersten von zwei Eigenproduktionen des Kulturreviers. „Es ist noch nicht soweit“ ist das Schauspiel überschrieben. „Es ist ein Auftragswerk an den jungen Autor Sören Hornung, mit dem ich zusammen eine sehr schöne und spannende Geschichte entwickelt habe, die das Thema Einheit ganz speziell auf den Spielplan bringen soll“, erzählt Janek Liebetruth, der hier auch die Regie übernommen hat.

In dem Stück treffen der Ost-Sandmann als „sehr geschätztes Überbleibsel der DDR-Zeiten“ und sein Ebenbild aus der Bundesrepublik, der „mit der Wende verschwunden“ ist, als alte Männer aufeinander. Laut Liebetruth geht es „um die vielen Probleme, die die beiden miteinander haben und die Wut, die vielleicht auch in bestimmten Situationen nach wie vor vorhanden ist“. Die Proben sollen in der kommenden Woche beginnen.

Neue Struktur und Formate

Als zweite Eigenproduktion legt der Verein das Tanzstück „Un|eins“ vor. „Es wird ein dreiteiliger Ballettabend“, sagt Ja­nek Liebetruth. „Im ersten Teil wird die junge Berliner Choreografin Xenia Wies eine Uraufführung präsentieren, explizit zum Thema. Wir wollten den Abend ursprünglich komplementieren durch eine Koproduktion einer israelischen Tanzkompanie.“ Aufgrund der Reisebeschränkungen habe das Team umgeplant. Jetzt ergänzt die Produktion „Konsequenzen“ des Tanztheaters Erfurt den Abend. „Es wird zudem als Abrundung ein in Berlin ansässiger israelischer Choreograf und Tänzer ein Solo präsentieren“, verrät der künstlerische Leiter.

Eine weitere Änderung im Vergleich zu den Vorjahren ist die Festivalstruktur. Statt eines stetigen Wechsels zwischen den beiden Eigenproduktionen des Vereins und den Gastspielen sieht das Programm eine Dreiteilung auf der Waldbühne vor. Vom 7. bis 11. August ist „Es ist noch nicht soweit“ zu sehen, vom 15. bis 19. August die Gastspiele und vom 21. bis 23. August der Tanzabend „Un|eins“. Dazwischen mischen sich jedoch weitere Gastspiele und drei Stücke für Kinder, die jeweils auf der kleineren Bühne im Waldstudio gezeigt werden, sowie Konzerte auf der Waldbühne.

Expansion nach Braunlage und Elbingerode

Zusätzlich wird unter dem Namen Frei|luft|kultur ein neues Format präsentiert. „Damit bespielt das Festival ab sofort nicht mehr nur den Bereich um die Waldbühne, sondern die komplette Region Oberharz“, macht Dramaturgin Lena Fritschle neugierig. Expandiert werde unter anderem nach Braunlage, Elbingerode und Hasselfelde. Bei freiem Eintritt sind zwei Produktionen zu erleben, darunter mit Zirka-Trollop „ein wundervoller Brückenschlag zwischen Theater und Artistik“, schwärmt sie.

Mit „Hærzarchiv“ setzt die Festivalleitung auf ein weiteres neues Format, „um vermehrt in den Harz auszustrahlen“, wie Janek Liebetruth meint. Gesammelt werden persönliche Anekdoten von Bewohnern, die in einer interaktiven Kunstin-stallation im öffentlichen Raum präsentiert werden sollen, „vordergründig in leerstehenden Räumlichkeiten. Diesen wollen wir während des Festivals ein bisschen Leben zurückgeben“, erläutert der Festivalleiter. Wer seine Geschichte erzählen möchte, kann sich per E-Mail an info@theaternatur.de an den Verein wenden. Passend zum Leitthema Einheit sollen Erlebnisse aus dem Jahr 1990 im Fokus stehen.