Umweltfrevel

Fische und Salamander sterben an der Steinernen Renne bei Wernigerode

Nach dem plötzlichen Tod vieler Forellen und Feuersalamander in der Holtemme hat die Spurensuche begonnen. Noch ist unklar, warum es zu dem Massensterben bei Wernigerode kam.

Von Holger Manigk 20.06.2021, 19:28
Mitglieder des Wildfischvereins und der Freiwilligen Feuerwehr bargen jede Menge toter Bachforellen aus der Holtemme bei Wernigerode.
Mitglieder des Wildfischvereins und der Freiwilligen Feuerwehr bargen jede Menge toter Bachforellen aus der Holtemme bei Wernigerode. Foto: Ulrich Eichler

Wernigerode - Schock an der Holtemme: Am Wochenende sind massenhaft Forellen und Feuersalamander im Bach oberhalb des Wasserkraftwerks Steinerne Renne bei Wernigerode verendet. „Bekannte haben mir am Sonnabend Bilder von den toten Tieren zugeschickt“, berichtet Ulrich Eichler. Der Vizechef des Wildfisch- und Gewässerschutzvereins schlug sofort Alarm.

Daraufhin trommelte der amtierende Stadtwehrleiter und Verantwortliche der Stadtverwaltung für Brand- und Katastrophenschutz, Matthias Treuthardt, am Abend acht Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr Wernigerode zum Einsammeln der Kadaver zusammen. Hinzu kamen an der Unglücksstelle im Wald bei Hasserode Polizei, Alexander Beck als ABC-Fachberater für den Harz und Ulrich Kundler vom Umweltamt der Landkreis-Verwaltung.

Die Verunreinigung des Wassers habe sich wahrscheinlich rund 500 Meter den Bachlauf hinab gezogen, so der Mitarbeiter des Landratsamtes. „Ich gehe von rund 100 toten Forellen aus“, sagt Kundler nach einer ersten Inspektion des betroffenen Gebiets. Eichler spricht dagegen von 500 verendeten Fischen: „Da waren alle Altersklassen dabei – von in diesem Jahr geschlüpften Tieren bis zu einer Länge von 40 Zentimetern.“ Dutzende Salamander hätten ebenfalls nicht überlebt.

Auffällig dabei: „Wir haben keine Kadaver oberhalb einer Stelle gefunden, an der ein Harvester und ein weiteres Forstfahrzeug nahe am Wasser standen“, so der Umweltschützer. Der Verdacht dränge sich auf, dass die Verunreinigung der Holtemme in Zusammenhang mit den Arbeiten im Wald stehe, mutmaßt Eichler.

Daten zur Wasserqualität sollen ausgewertet werden

Die Forschungen zur Ursache des Fischsterbens haben unterdessen begonnen: „Wir haben Wasserproben entnommen, die unsere Untere Wasserbehörde ab Montag prüft“, erläutert Kundler. Zudem würden tote Forellen zur Untersuchung an das Fischgesundheitszentrum in Stendal geschickt. Die Polizei habe ebenfalls Ermittlungen aufgenommen.

Hoffnung bei der Spurensuche setzen Eichler und Kundler auf einen blauen Container, der direkt gegenüber des Wasserkraftwerks am Holtemme-Ufer steht: Mit ihm misst das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung mit Sitz in Leipzig die Wasserqualität. „Aus den Daten müsste sich ablesen lassen, wann genau der Schadstoff durchgezogen ist“, sagt der Gewässer- und Fischexperte.

Die Unglücksstelle nahe des Wasserkraftwerks "Steinerne Renne" bei Wernigerode: Hier müssen die Schadstoffe in die Holtemme gelangt sein.
Die Unglücksstelle nahe des Wasserkraftwerks "Steinerne Renne" bei Wernigerode: Hier müssen die Schadstoffe in die Holtemme gelangt sein.
Foto: Holger Manigk