Schierke l Wer rund um den Barenberg in Schierke wandert, trifft mitten im Wald auf verwitterte und mit Moos bewachsene Betonelemente. Das sind aber keine Reste von alten DDR-Grenzanlagen, sondern die einer Rennrodelbahn. Der einzigen im Ostharz. Seit mehreren Jahren bereits versuchen die Mitglieder des Schierker Rodel- und Bobsportvereins (RBV) ihre marode Sportstätte durch einen Neubau zu ersetzen. Nun scheint ihr Traum wahr zu werden. „Wir haben den Bewilligungsbescheid bekommen“, bestätigte Jörg Augustin, der für den Schierker RBV das Verfahren federführend begleitet. Demnach fördert das Land Sachsen-Anhalt den Neubau der Sportanlage mit 50 Prozent. Insgesamt, so Augustin, sollen 683.000 Euro investiert werden.

„Der Wunsch nach einer neuen Bahn besteht ja schon lange“, blickt Jörg Augustin zurück. Konkret wurde es jedoch im Jahr 2015, als erste Gespräche mit Vertretern der Harzer Kreisverwaltung und der Stadtverwaltung Wernigerode geführt wurden. 2018 folgte schließlich der Förderantrag an das Land, der nun bewilligt wurde. Darüber hinaus beteiligen sich der Landkreis mit 150.000 Euro an dem Projekt und die Stadt Wernigerode mit weiteren 50.000 Euro. Die restliche Summe stemmen die drei Ostharzer Rodelclubs aus Schierke, Ilsenburg und Blankenburg sowie insgesamt 19 Unternehmen aus der Region, die bereits Förderzusagen gegeben haben. „Ich bekomme immer noch Gänsehaut, wenn ich daran denke, dass sich so viele Firmen für solch ein Projekt begeistern und dafür Geld in die Hand nehmen wollen“, erklärte Jörg Augustin.

Maximal Tempo 60 auf neuer Bahn

Unterstützung erfährt das Vorhaben zudem vom Deutschen Spitzenverband, der die Harzer mit sportspezifischen Dingen unterstützt: So fördere er beispielsweise die neue Zeitmess- und Startanlage sowie Lichttechnik. Herzstück der neuen Schierker Rennrodelbahn ist allerdings eine ganzjährig nutzbare Betonrinne - 300 Meter lang mit sechs Kurven. „Dort können dann Geschwindigkeiten von 60 Kilometern pro Stunde erreicht werden. Vielleicht auch etwas mehr“, erläutert Jörg Augustin. Für den Nachwuchsbereich sei dies völlig ausreichend, weiß der ehemalige Rodler, der damit auch die Idee hinter dem Projekt verdeutlicht: „Von dieser Bahn sollen alle Vereine profitieren - in der Hoffnung, dass sich weiterhin junge Talente aus dem Harz entwickeln und für den Rennrodelsport begeistern. Das ist unsere Chance, die lange Tradition dieses Sports weiter aufrecht zu erhalten.“

Der Schierker RBV mit Gründungsjahr 1908 ist einer der ältesten Rodelvereine in ganz Deutschland. Insgesamt betreiben in Schierke, Ilsenburg und Blankenburg aktuell 158 Mädchen, Jungen und Erwachsene das Rennrodeln. Und das ohne eigene Trainingsstätte. Über eine Kooperationsvereinbarung soll künftig gewährleistet werden, dass alle drei Vereine ihre festen Trainingszeiten bekommen.

Keine Eingriffe in Natur bei Schierke

Aktuell seien bereits einige Vorplanungen erfolgt. Die Projektierung der reinen Bahn übernehme ein auf solche Anlagen spezialisiertes Büro in Leipzig. Präpariert werden könne die Betonrinne im Winter ab Temperaturen von minus drei Grad, in dem Schicht für Schicht Wasser aufgesprüht wird - bis zu einer Dicke von etwa einem Zentimeter. „Innerhalb von zwei Nächten wäre die Bahn dann befahrbar“, so Jörg Augustin. Ein großer Vorteil sei, dass es keine größeren Eingriffe in die Natur gebe, da die Bahn an der gleichen Stelle errichtet werde, auf der sich aktuell noch die Betonruinen der alten Anlage befinden.