Wernigerode l Tina Lelleck ist zuerst schüchtern, dann erklärt sie selbstbewusst und etwas stolz: „Ich werde wieder als Verkäuferin arbeiten.“ Eine psychische Erkrankung hatte es ihr zuvor unmöglich gemacht, in ihrem erlernten Beruf zu arbeiten.

Dass die 35-Jährige jetzt wieder voller Zuversicht auf ihr zukünftiges Berufsleben schaut, war für sie ein langer Weg. „Ich habe auf eine Umschulung hingearbeitet“, so die Blankenburgerin. Diesen hat sie an der Akademie Überlingen in Wernigerode absolviert.

Aktive Eingliederung

Aber den Eignungstest dafür zu bestehen, und überhaupt die Motivation aufzubringen, sich in dieser Form um die eigene Karriere zu kümmern, dabei habe ihr ein Praktikum der besonderen Art geholfen: Ein Jahr in dem Projekt „Aktive Eingliederung - sei mit dabei“ im Beschäftigungszentrum KAP 36. Es dient als Unterstützung für Menschen, die eine abgeschlossene und hochwertige Ausbildung haben, jedoch durch psychische Erkrankungen oder Sucht nur schwer auf die Herausforderungen einer Berufstätigkeit eingehen können.

Dessen Akteure, die Koordinatorin der Kommunalen Beschäftigungsagentur Harz (KoBa), Christin Holuba, Sozialpädagogin Claudia John von der Diakonie und Nadine Albrecht, Regionalkoordinatorin Arbeitsmarktpolitik im Landkreis Harz, ziehen nach einem Jahr, in dem das Projekt gelaufen ist, Bilanz. Und sind überaus zufrieden.

Erfolgreiche Bilanz

„Von 15 Teilnehmern haben es 14 geschafft, einen Weg zurück auf den Arbeitsmarkt zu finden. Wir konnten alle mit Empfehlung vermitteln“, sagt Claudia John. Dabei war das nicht einmal die hauptsächliche Zielsetzung des Projekts, erklärt Nadine Albrecht vom Landkreis.

„Es geht darum, die Gründe herauszufinden, warum jemand nicht in Arbeit kommt. Das kann die KoBa nicht allein leisten“, heißt es aus Sicht der Regionalkoordinatorin.

Probleme herausfinden

Somit ist das vordergründige Ziel des Projekts nicht, Suchtkranke oder Menschen mit psychischen Problemen in eine Arbeit oder Ausbildung zu vermitteln. Sondern selbst das Feststellen einer Arbeitsunfähigkeit sei ein Erfolg für das Projekt.

„Die Nähe zur Tagesklinik in Elbingerode ist super“, sagt Claudia John. Wenn eine Teilnehmerin zurück in die Sucht verfällt, ist es zunächst die Aufgabe der Therapeuten, zu helfen. Dann kann sie wieder in das Projekt zurückkehren, wie es auch im Falle einer Teilnehmerin gelungen ist.

Alltagskultur aufbauen

Im Projekt selbst üben die Menschen im Alter von 22 bis 60 Jahren verschiedene Tätigkeiten aus – von Holzarbeiten über das Wände streichen und Gestalten – die nicht unbedingt etwas mit ihrer angestrebten oder bereits ausgeübten Arbeit zu tun haben. Sie können jedoch Interessen bei den Teilnehmern wecken, in bestimmten Feldern zu arbeiten, dienen aber vor allem dem Aufbau einer Alltagsstruktur.

„Mir hat es sehr geholfen, wieder in einen Alltag hineinzufinden. Ich hatte einen geregelten Tagesablauf, habe Interessen gefunden und konnte mich ausprobieren“, sagt die ehemalige Teilnehmerin Tina Lelleck. Ein wichtiger Punkt seien außerdem die sozialen Kontakte, die innerhalb der Gruppe gepflegt werden. Die Halle im Kupferhammer 36 bietet denen, die es brauchen, auch Rückzugsmöglichkeiten. 15 Teilnehmer sind eine gute Zahl zur Zusammenarbeit, bestätigen die Ergotherapeutin Rebekka Kolle und der Arbeitstherapeut Bernd Holtz. Die Teilnehmer kamen aus Blankenburg und Wernigerode.

Förderung bis 2020

Gefördert wird das Projekt noch bis Ende 2020 durch den Europäischen Sozialfond (ESF). „Es ist ein gutes Beispiel für ein nachhaltiges Projekt zur Berufsförderung“, schätzt Nadine Albrecht nach dem ersten Jahr ein. Sozialpädagogin Claudia John hat bereits weitere Ideen für eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis und der KoBa. Mehr wollen die Beteiligten jedoch noch nicht verraten.